Bundesliga-Nostalgie: Das erste 5:5 Schalke - Bayern vor 46 Jahren: Drei Elfmeter in vier Minuten

Von Von Udo Muras

Das erste von zwei 5:5-Unentschieden in der 57-Jährigen Geschichte der Bundesliga gab es am 5. September 1973. Auf der Anzeigetafel des gerade eingeweihten Parkstadions in Gelsenkirchen wurde es eng... Foto: Imago images/WerekDas erste von zwei 5:5-Unentschieden in der 57-Jährigen Geschichte der Bundesliga gab es am 5. September 1973. Auf der Anzeigetafel des gerade eingeweihten Parkstadions in Gelsenkirchen wurde es eng... Foto: Imago images/Werek

Frankfurt . In der Geschichte der Bundesliga hat es 4390 Unentschieden gegeben. Weit vorne liegt das 1:1 (1980x), gefolgt vom 0:0 (1121x) und dem 2:2 (1021x). Das 3:3 kam 243mal vor und selbst das 4:4 leuchtete noch 33mal von der Anzeigetafel. Aber das war immer noch nicht alles, zweimal hieß es sogar 5:5. Premiere feierte dieses Ergebnis am 5. September 1973 bei der Partie zwischen Schalke 04 und Meister Bayern München.

Dabei sprach die Ausgangslage gegen ein Spiel auf Augenhöhe. Schalke litt schwer unter den Folgen des Bundesligaskandals und spielte mit einer unerfahrenen Mannschaft nur um den Klassenerhalt. Es war Vorletzter und nach dem 0:6 am Gladbacher Bökelberg wackelte schon der Stuhl von Trainer Ivica Horvath.

Die Bayern kamen als Zweiter ins gerade eingeweihte Parkstadion. Aber die Stars waren schon ausgelaugt, die sieben Nationalspieler mussten mittwochs noch in Moskau ran und hatten binnen elf Tagen sechs Spiele absolviert. 

Packendes Spiel im neuen Parkstadion: Die Bayern - hier mit Franz Beckenbauer - trennten sich von Schalke 04 mit 5:5. Im Hintergrund der Bremer Schiedsrichter Herbert Lutz, der eine Hauptrolle spielte. Foto: imago images/Horstmüller

Vielleicht ein Grund für den furiosen Start der Schalker, die auch von der Formkrise Sepp Maiers profitierten. „Die ersten beiden Treffer Buddes entstanden aus Fehlern von Sepp Maier“, tadelte der Kicker. Nach 18 Minuten stand es durch Erwin Kremers schon 3:0 für Schalke, das wie entfesselt über die Bayern herfiel. 

Gerd Müllers Anschlusstreffer (38.) änderte wenig und war das Vorspiel für einen weiteren Bundesligarekord. Schiedsrichter Herbert Lutz (Bremen) gab in den letzten vier Minuten der ersten Hälfte drei Elfmeter. Jener Lutz, der 1965 für den Elfmeterrekord der Bundesligahistorie gesorgt hatte, als er beim Spiel Mönchengladbach – Dortmund (4:5) gleich fünfmal auf den Punkt zeigte. 

Der Schlusspunkt des Torfestivals: Mit diesem Kopfball erzielte Bayern-Torjäger Gerd Müller das 5:5. Foto: Imago images/Werek

Aber drei in vier Minuten, das war ein Novum! Alle wurden verwandelt: Helmut Kremers (41.) zum 4:1, Müller (44.) zum 4:2, wieder Kremers zum 5:2 (45.). Franz Beckenbauer zeterte über die Leistung seiner Bayern in der ersten Hälfte: „Niemand hatte die richtige Einstellung zu seinem Gegenspieler.“ Trainer Udo Lattek gestand: „Ich war bei Halbzeit skeptisch, denn die Schalker waren wirklich überaus stark.“

Aber das Imperium schlug zurück. Weil Müllers Torhunger noch nicht gestillt war – insgesamt traf er viermal – und Joker Bernd Dürnberger stach, war der Rückstand schon nach 68 Minuten aufgeholt. Mehr Tore ließ Ersatzkeeper Helmut Pabst nicht mehr zu. 

5:5 - es sieht so aus, als konnten Helmut Kremers und Gerd Müller das Ergebnis nach dem Schlusspfiff erst mal nicht glauben. Foto: Imago images/Werek

So blieb es beim ersten 5:5 in der Bundesliga, dem nur noch eines folgte (Eintracht Frankfurt – VfB Stuttgart am 16. November 1974). Nachher waren irgendwie alle zufrieden. Die Bayern über ihre furiose Aufholjagd und die Schalker, weil sie plötzlich „Traumfußball“ (Horvath) boten und sich über eine satte Einnahme von 470000 DM freuen konnten. „Noch drei solche Spiele und wir sind schuldenfrei“, strahlte Präsident Günter Siebert und zahlte der Mannschaft für das Remis eine Siegprämie. 

Und der Schiedsrichter? „Foul ist Foul – egal wann, egal wo“, sagte der elfmeterfreudige Herbert Lutz ebenso knapp wie klar.Am ersten Bundesliga-Spieltag überhaupt hatte er sich mit einem Elfmeterpfiff eingeführt, in der letzten Minute seines letzten Einsatzes zeigte er auf den Punkt. 

Einer der elfmeterfreudigsten Schiedsrichter in der Geschichte der Fußball-Bundesliga: Der Bremer Herbert Lutz. Foto: Imago images/Werek

Kurios: 1984 sorgten die beiden Vereine auch für das höchste Unentschieden im DFB-Pokal (6:6 n.V.), aber Pflichtspielrekord ist das nicht. An Neujahr 1956 trennten sich auf Landesebene, der 1. FC Saarbrücken und der 1. FC Kaiserslautern im Pokal sogar 7:7.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN