Eklat bei Siegerehrung Darum wurde Fifa-Präsident Infantino beim WM-Finale ausgepfiffen

Siegerehrung bei der WM in Frankreich: Fifa-Präsident Gianni Infantino (r) gratuliert US-Kapitänin Megan Rapinoe. Foto: imago images / XinhuaSiegerehrung bei der WM in Frankreich: Fifa-Präsident Gianni Infantino (r) gratuliert US-Kapitänin Megan Rapinoe. Foto: imago images / Xinhua

Lyon. Nach dem Frauen-WM-Finale in Lyon kam es zu einem Eklat. Es geht, wie so oft, ums Geld.

Kurz nach dem Abpfiff brachen beim US-amerikanischen Frauen-Fußballteam alle Dämme. Die Freude über den vierten WM-Titel war riesengroß. Die USA hatte zuvor in Lyon die Niederlande mit 2:0 bezwungen. Doch als Fifa-Präsident Gianni Infantino den Rasen zur Siegerehrung betrat, hallten "Equal Pay"-Rufe von den Rängen und die Stimmung kippte kurzfristig. Die Fans wollten mit ihren Rufen die Forderung nach gleicher Bezahlung unabhängig vom Geschlecht untermauern. 

"Ich fand das großartig", erklärte US-Spielerin Rose Lavelle nach der Siegerehrung. "Ich denke, jeder ist bereit, diese Diskussion auf die nächste Stufe zu heben", sagte Superstar Megan Rapinoe. "Wir sind durch mit der Frage, ob wir genau so viel verdienen sollten." Alle Spielerinnen bei dieser WM hätten die unglaublichste Show gezeigt, mehr könnten sie nicht tun, sagte Rapinoe. "Was kommt als nächstes? Wie unterstützen wir die Frauenverbände auf der ganzen Welt? Was kann die Fifa tun?" 

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Die 34-Jährige war der große Star dieser WM und wurde zur besten Spielerin und zur besten Torschützin des Turnieres gewählt. Rapinoe nutzte die mediale Aufmerksamkeit und legte sich vor und während des Turniers auch immer wieder mit US-Präsident Donald Trump an.


Große Unterschiede bei Prämien 

Hintergrund für die Forderung nach gleichem Lohn ist die Klage von 28 US-Nationalspielerinnen, darunter auch Megan Rapinoe und Stürmerin Alex Morgan, die im März gegen den US-amerikanischen Fußballverband eingereicht wurde. Die Spielerinnen forderten, nicht länger diskriminiert zu werden, da der Verband den Frauen wesentlich weniger Geld bezahle als den Männern. Dazu kommt auch noch der Fakt, dass die US-Frauen wesentlich erfolgreicher sind als die Herren. Bereits zum vierten Mal krönten sich die USA bei den Frauen zum Weltmeister. Die Herren verpassten dagegen die letzte WM in Russland und unterlagen am Sonntag im Gold Cup-Finale Mexiko mit 0:1.

Die Frauen sind nicht nur erfolgreicher, sondern generieren in den letzten Jahren für die übertragenen Fernsehsender in den USA auch mehr Geld. Von 2016 bis 2018 erzielten Frauen-Spiele einen Umsatz von 50,8 Millionen US-Dollar, verglichen mit 49,9 Millionen US-Dollar bei den Männern, bestätigte der Fernsehsender CNBC.


"In diesem Moment enormen Stolzes für Amerika bleibt die traurige Gleichung allzu klar, und die Amerikaner werden nicht mehr dafür einstehen", sagte Molly Levinson, die Sprecherin der USWNT-Spieler in ihrer Klage wegen gleichem Entgelt, in einer Erklärung gegenüber dem Nachrichtenportal BuzzFeed. "Diese Athleten erzielen mehr Einnahmen und erzielen höhere Einschaltquoten im Fernsehen, werden aber weniger bezahlt, weil sie Frauen sind. Es ist an der Zeit, dass der Verband diese Ungleichheit ein für alle Mal korrigiert.“ 

400 Millionen für die Herren

Nach Angaben der "New York Times" gab es für die diesjährige Frauen-Weltmeisterschaft 30 Millionen US-Dollar an Prämien. Bei der Männer-WM 2018 deutlich mehr: Hier wurden 400 Millionen Dollar ausgezahlt. Allein der Sieger Frankreich bekam 38 Millionen Euro Siegprämie.

Nach ihrem Sieg am Sonntag brachen die Menschenmenge und das Internet aus, riefen die Ungleichheit hervor und unterstützten die Frauenmannschaft in ihrem Kampf um eine bessere Behandlung.

Einige Tage vor dem Endspiel schrieben mehr als 50 Mitglieder des US-Kongresses einen Brief an den Präsidenten des US-Fußballs, in dem sie sich erkundigten, warum der Verband seinen weiblichen Spielern so viel weniger zahlt als den Männern. "Die USWNT-Spieler der US-Herren-Nationalmannschaft erhalten vom US-Fußball schlechtere Löhne, schlechtere Arbeitsbedingungen und schlechtere Investitionen."


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