Nach Niederlage gegen Australien "Genau wie euer Klose": Brasilianerin Marta ätzt gegen das ZDF

Von Gregory Straub und dpa

Marta spielt in den USA für Orlando Pride. Foto: imago images / Norbert SchmidtMarta spielt in den USA für Orlando Pride. Foto: imago images / Norbert Schmidt

Montpellier. Die mehrfache Weltfußballerin Marta stellte bei der WM in Frankreich einen Rekord ein – und war dennoch sauer.

Sechs Mal wurde die Brasilianerin Marta schon zur Weltfußballerin gewählt. Neben diversen Titeln beeindruckt auch ihre Länderspiel-Bilanz: In 127 Länderspielen erzielte sie bislang 116 Tore.

Ein ganz besonderes war ihr Führungstreffer im zweiten Gruppenspiel der WM in Frankreich gegen Australien: Die 33-Jährige erzielte per Strafstoß ihren insgesamt 16. Treffer bei einer WM. Damit zog sie mit der deutschen Stürmerlegende Miroslav Klose gleich, dem bei Herren-Weltmeisterschaften im Laufe seiner Karriere ebenfalls 16 Tore geglückt sind.

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Marta war sich der Besonderheit des Tores vermutlich bewusst. Ausgelassen ließ sich die Angreiferin von ihren Kolleginnen feiern. Als den Südamerikanerinnen kurz darauf sogar das 2:0 gelang und der vorzeitige Einzug ins Achtelfinale schon gesichert schien, stieg die Laune beim Mitfavoriten auf den Titel.

Doch dann nahm der Abend in Montpellier doch nicht den weiter erwarteten Verlauf: Die Australierinnen drehten die Partie völlig überraschend und gewannen mit 3:2. Brasilien steht nun vor dem abschließenden Gruppenspiel gegen Italien unter Druck: Es droht das Turnieraus. Und bei einem Verbleib im Wettbewerb könnten die Brasilianerinnen schon im Achtelfinale auf Deutschland treffen.

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Von Martas guter Laune nach ihrem Tor blieb gegen Ende des Spiels also nicht mehr viel übrig. Vielmehr zeigte sich die erfolgsverwöhnte Superstürmerin nach dem dem Schlusspfiff als schlechte Verliererin. Zunächst kritisierte sie im Interview mit dem ZDF die Schiedsrichterin und die Videoschiedsrichter, von denen sie ihr Team benachteiligt sah. 

Marta (l.) feierte ihr 16. WM-Tor ausgiebig. Foto: imago images / Fotoarena

"Wir sind enttäuscht, weil wir stark angefangen, dann aber zugelassen haben, dass der Gegner das Spiel gedreht hat", klagte Marta und schimpfte: "Enttäuscht auch, weil einige technische Fehler passiert sind. Zum Schluss hätten wir einen klaren Elfmeter bekommen müssen. Wenn man diese technischen Möglichkeiten hat, sollte man sie auch nutzen, auf beiden Seiten."

Einmal in Fahrt, bekam auch der ZDF-Reporter nach dem Schlusspfiff sein Fett weg. Als dieser sich schon bedankt und das Interview eigentlich schon beendet hatte, ergriff die grummelnde 33-Jährige plötzlich die Initiative. Der Übersetzer musste nochmals ran. "Sie hat am Ende gesagt: 'Mein Gott, wie konntet ihr das vergessen? Ich habe jetzt auch 16 Tore geschossen, genau wie euer Klose. Das hättet ihr auch mal fragen können.'" 

Immerhin schien Marta ihren letzten Kommentar nicht ganz ernst gemeint zu haben. Ganz am Ende huschte ihr dann doch noch ein kleines Lächeln über die Lippen – die Empörung war möglicherweise doch nur gespielt.




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