Hannes Wolf vor dem Aus? HSV-Trainerkandidaten im Check: Das ist dran an den Gerüchten

Dieter Hecking (links) und Bruno Labbadia werden als potenzielle Nachfolger von Trainer Hannes Wolf – sollte dieser freigestellt werden – beim HSV gehandelt. Foto: imago images/Jan HuebnerDieter Hecking (links) und Bruno Labbadia werden als potenzielle Nachfolger von Trainer Hannes Wolf – sollte dieser freigestellt werden – beim HSV gehandelt. Foto: imago images/Jan Huebner

Hamburg. Nach dem verpassten Aufstieg in die Fußball-Bundesliga steht der aktuelle Coach Hannes Wolf beim Hamburger SV offensichtlich vor dem Aus. Bereits jetzt werden potenzielle Nachfolger gehandelt.

Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis Trainer Hannes Wolf seine Koffer beim Fußball-Zweitligisten Hamburger SV packen muss. Das Ziel, der direkte Wiederaufstieg in die Bundesliga, wurde mit Pauken und Trompeten verpasst. Nach dem 1:4 beim SC Paderborn kann der HSV vor dem 34. Spieltag (19. Mai, 15.30 Uhr gegen den MSV Duisburg) nicht einmal mehr den Relegationsplatz erreichen.

Laut "Bild"-Zeitung muss Wolf nach einer miserablen Rückrunde mit nur 16 Punkten wohl am Ende der Saison gehen. Entsprechend hoch brodelt die Gerüchteküche: Wer soll den HSV in der kommenden Saison zum ersehnten Aufstieg führen? Während der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann offensichtlich einen erfahrenen Coach bevorzugt, vertraut Sportvorstand Ralf Becker jüngeren Trainern. Fünf Trainerkandidaten im Check:  

Bruno Labbadia

Wahrscheinlichkeit: 75 ProzentBruno Labbadia steht zurzeit noch als Trainer des VfL Wolfsburg an der Seitenlinie. Foto: imago images/DeFodi

Kaum wird beim HSV mit potenziellen Trainerkandidaten jongliert, taucht unweigerlich der Name Bruno Labbadia auf. Der 53 Jahre alte Fußballlehrer wohnt in Hamburg, stand bereits zweimal an der Seitenlinie des ehemaligen Bundesliga-Dinos: von 2009 bis 2010 und von 2015 bis 2016.

Kurz nach seinem letzten Engagement in der Hansestadt ging Labbadia 2018 zum VfL Wolfsburg, mit dem er zurzeit auf Rang sieben und somit kurz vor dem Einzug ins internationale Geschäft steht. Auf eigenen Wunsch verlässt er die Wölfe zu Saisonende, einen neuen Verein hat Labbadia nicht. 

Sinn würde eine Verpflichtung Labbadias auf jeden Fall machen. Er kennt die Stadt, den Verein, die Strukturen und den Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann, mit dem er bereits von 2009 bis 2010 zusammengearbeitet hatte. Zudem kennt er sich aus seiner Zeit bei Greuther Fürth in der 2. Bundesliga aus. 

Fraglich ist jedoch, ob sich Labbadia ein drittes Mal zum HSV locken lässt. Er kennt die Mechanismen und das komplizierte Umfeld des Vereins. "Ich wünsche dem Verein alles Gute. Das ist eine Mammutaufgabe, die vor dem Klub steht", sagte Labbadia im Interview mit dem "kicker". "Ausschließen würde ich nie etwas, wer weiß, was in fünf Jahren ist."

Daniel Thioune

Wahrscheinlichkeit: 5 ProzentDaniel Thioune führte den VfL Osnabrück souverän in die 2. Bundesliga. Foto: imago images/Martin Hoffmann

In 64 Pflichtspielen als Cheftrainer des VfL Osnabrück holte Daniel Thioune durchschnittlich 1,66 Punkte pro Spiel – eine beeindruckende Statistik. Der 44-Jährige führte den VfL Osnabrück überraschend und zugleich souverän zur vorzeitigen Meisterschaft in der 3. Liga, die Lila-Weißen spielen somit künftig in der 2. Bundesliga.

Seit 2013 ist Thioune als Trainer bei den Osnabrückern aktiv. Nach Stationen bei der U17 und U19 übernahm der ehemalige Stürmer die Profimannschaft für zunächst fünf Spiele als Interimstrainer, bevor er zum Chefcoach befördert wurde.

Thioune ist tief mit dem VfL Osnabrück verbunden, spielte für den Verein selbst sechs Jahre (1996 bis 2002). Osnabrück ist die erste Cheftrainer-Station des 44-Jährigen, der in Georgsmarienhütte geboren wurde. 

Sein Erfolg weckt Begehrlichkeiten. Auch beim HSV? "Wenn der große HSV auf mich aufmerksam wird, ehrt mich das und meine Mannschaft mehr, als dass es mich und uns irgendwie beschäftigt. Ich stehe beim VfL unter Vertrag bis 2020", antwortete Thioune am Donnerstag bei der Pressekonferenz in Osnabrück auf eine entsprechende Frage unseres Reporters. 

Die Wahrscheinlichkeit, dass Thioune nach Hamburg geht, ist somit gering. Die Verantwortlichen des ehemaligen Bundesliga-Dinos suchen einen Trainer, der eine ordentliche Portion Erfahrung mitbringt – im besten Fall mit Bundesliga- und Zweitligareferenzen.

Dimitrios Grammozis

Wahrscheinlichkeit: 25 ProzentDimitrios Grammozis rettete den SV Darmstadt vor dem Abstieg. Foto: imago images/Eibner

Für den HSV absolvierte Dimitrios Grammozis von 1998 und 2000 32 Spiele in der Bundesliga. Stallgeruch ist also – wie bei Bruno Labbadia – vorhanden. Zurzeit macht der 40-Jährige als Trainer des Zweitligisten SV Darmstadt 98 auf sich aufmerksam. Er rettete die Lilien vor dem Abstieg und führte sie zu Stabilität.

Grammozis hatte beim VfL Bochum nahezu alle Trainerämter bekleidet, bevor er im Februar 2019 nach Darmstadt wechselte. In bisher zehn Spielen sammelte der ehemalige Mittelfeldspieler 17 Punkte. Unter anderem gewann er mit seiner Mannschaft im Volkspark mit 3:2 (16. März). 

Grammozis gehört wie auch Thioune zu der jungen Trainergeneration, ein Engagement beim HSV wäre mit einem großen Risiko verbunden. Trainer wie Christian Titz, Markus Gisdol oder Bernd Hollerbach fanden nach ihrer Karriere beim HSV bis dato keinen Job mehr bei anderen Vereinen.

Der 40-Jährige verfügt über einen Vertrag bis 2020 bei Darmstadt, der Ligakonkurrent würde sicherlich eine Ablöse fordern. Zudem stellt sich auch hier die Frage, ob der HSV auf einen so jungen Trainer bauen möchte. Das Projekt mit dem 38-jährigen Hannes Wolf scheiterte bekanntermaßen.

Peter Stöger

Wahrscheinlichkeit: 50 ProzentPeter Stöger verweilte nur 24 Spiele auf der Bank von Borussia Dortmund. Foto: imago images/Sven Simon

Eine erfolgreiche Ära von vier Jahren prägte Peter Stöger beim 1. FC Köln. Mit den Geißböcken stieg der mittlerweile 53-Jährige in die Bundesliga auf, führte sie in der Saison 2016/17 in die Europa League. Das anschließende Engagement bei Borussia Dortmund verlief indes weniger erfolgreich.

Nach 24 Spielen und einem Punktedurchschnitt pro Spiel von 1,58 musste er beim BVB seine Koffer packen. Das ist nun ein Jahr her, seitdem trainierte der Österreicher keine Mannschaft mehr. Erfahrung, wie man einen Traditionsverein wie den 1. FC Köln in die Bundesliga führt, hat Stöger also allemal.

Der zweifache österreichische Meister (05/06 und 12/13 mit Austria Wien) passt flexibel das System seiner Mannschaften an, das zeichnet Stöger aus. Der 53-Jährige passt mit seiner Erfahrung – sowohl in der 2. als auch in der Bundesliga – ins Anforderungsprofil des HSV.

Allerdings ist auch Austria Wien auf der Suche nach einem neuen Trainer. Fraglich, ob sich Stöger den HSV "antun" würde oder er lieber in seine Heimat geht, wo er gefeiert und geschätzt wird.

Dieter Hecking

Wahrscheinlichkeit: 90 ProzentDieter Hecking ist der vielversprechendste Kandidat beim HSV. Foto: imago images/Zink

Dieter Hecking ist sowohl auf den ersten als auch zweiten Blick der perfekte Kandidat für den Hamburger SV. Der Trainer von Borussia Mönchengladbach verlässt den Verein nach der laufenden Saison, der Weg in die Hansestadt ist also frei. Zudem ist der 54-Jährige dem Norden Deutschlands nicht abgeneigt.

Seine Familie lebt in Bad Nenndorf, zwei Stunden von Hamburg entfernt. Mit dem VfB Lübeck (2001 bis 2004), Hannover 96 (2006 bis 2009) und VfL Wolfsburg (2013 bis 2016) trainierte Hecking bereits drei Nordklubs in seiner Karriere.

In Gladbach arbeitet der Coach bereits seit knapp drei Jahren. Auch das wäre ein gutes Omen für den HSV: Beständigkeit. Diese fehlt den Hamburgern seit jeher, die Fans wünschen sich Stabilität auf der Position des Trainers. Und auch HSV-Boss Bernd Hoffmann soll ein großer Fan von Hecking sein.

Seit seiner ersten Trainerstation beim SC Verl (2000) arbeitete Hecking ohne Pause als Coach, eine längere Auszeit weist seine Vita nicht auf. Einen neuen Verein hat er bislang nicht, auch Aussagen, die auf eine Pause im Sommer hindeuten würden, findet man vergeblich.


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