Teilriss der Plantarfaszie Harlacher läuft - Mein Weg zum Marathon: Das Ende aller Träume

Die Diagnose aus dem MRT liegt vor mir. Die Enttäuschung kennt keine Grenzen. Foto: Katharina HarlacherDie Diagnose aus dem MRT liegt vor mir. Die Enttäuschung kennt keine Grenzen. Foto: Katharina Harlacher

Meppen. Kurz vor meinem persönlichen Ziel, dem Bremen-Marathon am 6. Oktober, reißt mich ein Teilriss der Plantarfaszie aus allen Träumen. An Gehen ist vor Schmerzen in meinem linken Fuß kaum zu denken. Ich muss den Marathon-Start unter großer Enttäuschung absagen. Als die Diagnose feststand, musste ich erstmal für mich alleine sein.

Ich ging einige Schritte über die Rasenfläche in unserem kleinen Garten und blickte ins Leere. Mal auf den Boden, mal in Richtung Himmel. Der Traum von meinem ersten Marathon hatte ein jähes Ende gefunden. Über sieben Monate hatte ich mich mit meinem Trainer Matthias Strotmann vorbereitet. Nach der Arbeit sowie an freien Tagen war ich ständig am Laufen. Einheiten von über 30 Kilometern waren keine Seltenheit mehr. Über drei Stunden am Stück war ich joggend unterwegs. Aber auf einen Schlag war alles hinfällig. Der ganze Aufwand fühlte sich auf einmal umsonst an. Mir gingen tausende Gedanken durch den Kopf. Der Schmerz des Frustes überwog auf einmal den Schmerz in meinem linken Fuß.

Der Befund der Radiologie des Ludmillenstifts Meppen im Wortlaut. Foto: Henning Harlacher

Dem Marathon alles untergeordnet

Was für mich persönlich allerdings am schlimmsten war: Meine Frau und mein Sohn, der in der Zwischenzeit ein Jahr alt geworden ist, mussten über die gesamte Zeit zurückstecken. Viele ungezählte Stunden habe ich auf den Laufstrecken im Emsland verbracht, anstatt mit meinem Sohn zu spielen, mit ihm ein Buch anzuschauen oder einfach mit ihm zu kuscheln. Ich hatte dem Marathon alles untergeordnet, selbst meine Familie. 

Nach einigen Minuten der Stille, die ich fassungslos im Garten verbracht hatte, fasste mein Kopf die Situation mit einem Wort treffend zusammen: "Scheiße!", entglitt es meinem Mund beim Ausatmen. Ich hatte es nicht gesteuert, aber es musste einfach raus. Mein Tränenkanal hatte sich bereits gefüllt, ein Weinen konnte ich aber gerade noch unterdrücken.

Fuß hochlegen: An diese Position muss ich mich erstmal wieder gewöhnen. Foto: Henning Harlacher

Strich durch meine Rechnung

Seit knapp vier Wochen hatte der Fuß unglaublich weh getan. Wie aus dem Nichts hatte der Schmerz nach einem 30-Kilometerlauf angefangen. Ein Auftreten mit dem linken Fuß war kaum noch möglich. Eigentlich sollten in dieser Zeit noch mehrere Läufe über 30 Kilometer folgen. Es lief also eigentlich die Crunchtime meines Trainings. Doch mein Körper hatte mir einen Strich durch meine Rechnung gemacht. 

Die 30 Kilometer habe ich mit einer Pace von 5:42 min/km bewältigt. Ich war auf einem richtig guten Weg. Foto: Screenshot: Harlacher/Polar Vantage M/Polar Flow App

Zu Beginn der Verletzung nahm ich die Hilfe von Dr. Jan Sievert (Praxis an der Ems) in Anspruch - er unternahm alles, um doch noch beim Bremen-Marathon starten zu können. Nachdem er gleich mehrere Blockaden in meinem linken Fuß gelöst hatte, hatte sich kurzzeitig eine Verbesserung eingestellt. Am nächsten Tag konnte ich es nicht abwarten, zog meine Laufschuhe an und lief los - ein Fehler, wie sich herausstellen sollte. Von Schritt zu Schritt wurde der Schmerz schlimmer. Nach wenigen hundert Metern musste ich abbrechen. Humpelnd nahm ich wieder den Rückweg auf.

So viel Pech muss man erstmal haben

Dank der großen Mühe von Dr. Sievert ging es für mich zur Magnetresonanztomographie (MRT) im Meppener Ludmillenstift. Ich wollte endlich wissen, was in meinem Fuß solche Schmerzen auslöst. Die Zeit ohne Diagnose war nicht auszuhalten. Ich hing in der Luft. Ich wollte für den Marathon trainieren, konnte aber keinen Zentimeter laufen. Als Dr. Sievert mir dann mit ruhiger und bedachter Stimme die Diagnose überbrachte, war ich froh auf einem Stuhl zu sitzen. "Die Plantarfaszie ist eingerissen. Absoluter Stillstand. Auch auf Spazieren gehen, solltest du erstmal verzichten", so Dr. Sievert. Zu gefährlich sei es, dass die Sehne komplett durchreißt.

Die Plantarfaszie

Bei der Plantarfaszie handelt es sich um eine Sehnenplatte, die unter dem Fuß von der Ferse zum vorderen Fußballen zieht. Sie erhält die Längswölbung des Fußes. Zu spüren ist die Plantarfaszie, wenn man die Zehen nach oben zieht und mit der Hand unter dem Fuß fühlt - die dicke Sehne, die dann zum Vorschein kommt, ist die Plantarfaszie.

Wer die dicke Sehne unter seinem Fuß kennt, der wundert sich, dass so etwas überhaupt reißen kann. Selbst bei einem gebratenen Stück Fleisch sind Sehnen kaum mit dem Messer zu durchtrennen - und diese sind deutlich dünner. Wie Dr. Sievert bestätigte, sei diese Verletzung tatsächlich sehr selten. Bei mir war die gleiche Sehne am rechten Fuß allerdings vor genau neun Jahren schon mal gerissen. So ein Pech muss man erstmal haben.

Ich gebe nicht auf

Obwohl derzeit der Frust immer noch überwiegt, werde ich meine Leser weiterhin auf dem Laufenden halten. Nach dem Marathon in Bremen hätte meine Laufserie sicherlich ein Ende gefunden. Ich hatte aber noch so viele Themen und Ideen, die ich meinen Lesern näherbringen wollte, dass ich also weitermachen werde. Ich werde meinen ersten Marathon eines Tages noch schaffen. Auch wenn ich "nur" ein Hobby-Läufer bin, weiß ich jetzt, wie sich Sportler fühlen, die kurz vor ihrem großen Ziel eine Verletzung erleiden. Ich gebe nicht auf und freue mich, bald wieder angreifen zu können. Allerdings werde ich jetzt erstmal rund drei Monate aussetzen müssen, bis die Sehne wieder zusammengewachsen ist. 

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