Mögliche Feier nur spontan HSG Nordhorn-Lingen: Wir wollen aufsteigen!

Endspurt in der 2. Handball-Bundesliga. Die HSG Nordhorn-Lingen mit Luca de Boer will in die Bundesliga aufsteigen. Foto: ScholzEndspurt in der 2. Handball-Bundesliga. Die HSG Nordhorn-Lingen mit Luca de Boer will in die Bundesliga aufsteigen. Foto: Scholz
Werner Scholz

Nordhorn. Am Wochenende ist Handball-Zweitligist HSG Nordhorn-Lingen auf den zweiten Aufstiegsplatz vorgerückt. „Wir wollen die Chance nutzen. Wir wollen aufsteigen“, räumen die Geschäftsführer Siegbert Loeks, Gerd Blömers und Matthias Stroot Zweifel aus dem Weg. Wenn es sportlich klappt, steht der Rückkehr in die Bundesliga nach zehn Jahren nichts im Weg.

Das Trio formuliert es ganz vorsichtig. Nicht, weil es nicht überzeugt wäre, sondern weil noch fünf Spiele darüber entscheiden, wo die HSG am Saisonende am 8. Juni steht. „Wir hoffen, dass es klappt.“ Alle anderen Voraussetzungen passten. „Wir haben Plan A und Plan B“, sagt Stroot. Am Bundesliga-Plan könne er noch nicht arbeiten. Doch das Zwei-Städte-Team muss natürlich vorbereitet sein, falls es mit dem Aufstieg klappt. Dann nämlich würden noch zwei oder drei Verstärkungen zum Kader stoßen, die Trainer Heiner Bültmann in der deutschen Eliteliga auch braucht. Kontakte gebe es schon. „Wir müssen breiter aufgestellt sein“, sagt Loeks. Dann sei das Team konkurrenzfähig. Sollte das eigentlich für 2020 geplante Ziel nicht erreicht werden, würde die Mannschaft dagegen kaum verändert einen neuen Anlauf starten. 

„Mit Bodenständigkeit punkten“ 

„Mannschaft“ ist ein wichtiges Stichwort. Das HSG-Aufgebot ist über Jahre gewachsen und eingespielt. „Das ist etwas Besonderes. Daran halten wir fest“, betont Loeks. Mit der Bodenständigkeit könne Nordhorn-Lingen in der Bundesliga punkten. Das Ziel: „Wir wollen Drittletzter werden“, also den Klassenerhalt schaffen. Höhere Erwartungen wären unredlich.

Klare Ansage der HSG-Geschäftsführer Gerd Blömers, Matthias Stroot und Siegbert Loeks (v.l.): Nordhorn-Lingen will aufsteigen. Foto: Mentrup


Keine Zahlen

Der Aufstieg steht und fällt mit der Finanzierung. Zahlen will die HSG aber nicht nennen. „Kein Kommentar“, heißt es einmütig. Immerhin so viel: Der Etat würde im Fall der Qualifikation für das Oberhaus um rund 20 Prozent wachsen. Er wird auf gut zwei Millionen Euro geschätzt, dürfte danach also bei über 2,5 Millionen Euro liegen. Das muss reichen, um konkurrenzfähig zu sein. Dass die Aufsteiger in den vergangenen Jahren einen ganz schweren Stand hatten, weiß die HSG.

Lizenz ohne Auflagen

Nach dem Zwangsabstieg aus der Bundesliga 2009 wegen des eingeleiteten Insolvenzverfahrens und dem finanziellen Engpass vor zwei Jahren wird der Verein nach Angaben von Blömers kein Risiko eingehen. „Hier ist kein Wolkenkuckucksheim.“ Die HSG hat die Lizenz ohne Auflagen erhalten. „Den Plan werden wir umsetzen“, sagt Blömers.

Die Mannschaft der HSG Nordhorn-Lingen feiert. Foto: Schröer


180 bis 190 Sponsoren

Die Euphorie ist für die Geschäftsführer spürbar. Auch das Interesse der Sponsoren nehme zu. 180 bis 190 gibt es zurzeit „Liga-unabhängig“. Auf das breite Fundament lege der Verein besonderen Wert. Es gebe darüber hinaus weitere mündliche Zusagen, schließlich sei eine bundesweite TV-Präsenz garantiert. Hauptsponsor bleibt die Altendorfer Baugesellschaft, bei der Loeks Geschäftsführer ist. Er weiß, dass die HSG weiter wachsen muss, wenn sie sich im Oberhaus etablieren will.

Neuer VIP-Bereich in der Emslandarena

Zusätzliche Einnahmen (gut 120.000 Euro) bekommt Nordhorn-Lingen als Fernsehgeld. Allerdings sind auch die Spielklassenbeiträge und Schiedsrichterkosten nach Blömers Angaben „deutlich höher“ als bislang. Mit beiden Hallen stehe Nordhorn-Lingen gut da. Im Euregium muss noch geklärt werden, ob die nötige Lux-Zahl erreicht wird. In der Emslandarena wird zum Saisonstart der neue VIP-Bereich fertig. Der vorgeschriebene Hallenboden (blau mit weißen Linien, außen schwarz) soll gemietet werden.

Steigende Zuschauerzahen

Die Geschäftsführer wiesen darauf hin, dass die HSG sich mit hauptamtlichem Geschäftsführer, neuer Geschäftsstelle und acht Gesellschaftern breit aufgestellt sei. Sie erwarten steigende Zuschauerzahlen. Die haben sich in den vergangenen Jahren auf mittlerweile über 2500 im Schnitt fast verdoppelt. Dabei ist das Interesse aus der Grafschaft Bentheim nach Einschätzung des Führungstrios noch immer höher als aus dem Emsland.

Rückendeckung geben die Zuschauer. 2562 kommen im Schnitt zu den Heimspielen. Foto: Scholz


Noch kein Dauerkartenverkauf

Weil die Aufstiegsfrage ungeklärt ist, hat der Dauerkartenverkauf noch nicht begonnen. Interessenten werden vorgemerkt. Rund 800 Tickets setzt Nordhorn-Lingen in der aktuellen Saison ab. Gewöhnen müssten sich die Fans an neue Anwurfzeiten. Die Termine in der 1. Bundesliga sind breiter gestreut.

A-Jugend spielt als HSG Nordhorn-Lingen

Gern möchte die HSG die zweite Mannschaft wieder höher bringen (zurzeit Landesliga). In der A-Jugend wird in der nächsten Saison erstmals ein Team mit Spielern der HSG Nordhorn und des HC Lingen als HSG Nordhorn-Lingen auflaufen. Um den Nachwuchsbereich kümmert sich insbesondere der ehemalige HSG-Handballer Frank Schumann.

Blömers hört nach zehn Jahren auf

Eine personelle Veränderung ist zur neuen Saison sicher: Der lange Jahre alleinige geschäftsführende Gesellschafter Blömers gibt diese Tätigkeit am 30. Juni auf. Er war zehn Spielzeiten „mit Höhen und Tiefen“ verantwortlich.  "Ich setze andere Schwerpunkte." Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, aufzuhören, „dann wenn es am schönsten ist. Am liebsten natürlich mit dem Aufstieg.“

Einen Balkon für eine mögliche Aufstiegsfeier hat die HSG noch nicht angemietet. Wenn es so kommt, sagt Stroot, wird spontan gefeiert.  

Das Restprogramm der Aufstiegskandidaten zur Handball-Bundesliga. Foto: Werner Scholz/Grafik Heiner Wittwer


Noch fünf Spiele

Bis dahin blicken die Anhänger auf das Restprogramm. „Wir müssen alles gewinnen“, sagt Loeks. Der Rückstand auf Balingen-Weilstetten beträgt einen Punkt. Genau so groß ist der Vorsprung vor dem HSC 2000 Coburg. Fünf Spiele stehen noch auf dem Programm.


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