Basis zur Gala DFB-Präsident Grindel in Spelle: Kein Wort zu Jogi Löws Entscheidung

Reinhard Grindel bei der Sport-Wirtschafts-Gala in Spelle mit (v. l.) Andreas Müller, Ulrich Boll und Bernard Krone. Foto: Werner ScholzReinhard Grindel bei der Sport-Wirtschafts-Gala in Spelle mit (v. l.) Andreas Müller, Ulrich Boll und Bernard Krone. Foto: Werner Scholz

Spelle. Nachmittags diskutierte er in Lathen noch mit der Basis, am Montagabend stand DFB-Präsident Reinhard Grindel in Spelle auf der Bühne, traf bei der Gala auf Vertreter aus Sport, Politik und Wirtschaft. Jogi Löws Entscheidung gegen drei Weltmeister ließ er unkommentiert.

Zweimal hatte der DFB-Präsident den Emsländern im letzten Jahr abgesagt: Ende März erst dem SV Raspo Lathen, ein knappes halbes Jahr später dem Kreisfußballverband.

Am Montag holte er den Besuch in Lathen nach. Nach Kaffee und Kuchen und einem Grußwort suchte er drei Stunden vor der Gala in offener Runde mit den Anwesenden das Gespräch. 30 Vereinsmitglieder, Vertreter der Politik und vom Fußballkreis lauschten seinen Worten. Überwiegend männlich und jenseits der 50.

Am Nachmittag beim SV Raspo Lathen (Foto oben): Reinhard Grindel umrahmt von den Vorstandsmitgliedern (v. l.) Holger Hermes, Johannes Wiegmann, Christoph Kock und Jannik Siegner. Foto: Dieter Kremer

Der ehemalige Journalist Grindel präsentierte sich als Profi, hatte sich im Vorfeld informiert. Wusste, dass Lathens Herrenfußballer in der Kreisliga spielen und das gestrige Spiel ausgefallen war. Der prominente Gast hörte aufmerksam zu, lehnte entspannt seine Arme auf den Tisch, ließ die Gäste ausreden. Der DFB-Boss moderierte gekonnt. Oftmals unterstützte er seine Aussagen mit den Händen. „Ohne ehrenamtliches Engagement wäre ich nicht hier“, machte er sich mit den Lathenern eins. Der Mann kennt sich aus an der Basis. Zweimal kritisierte der frühere Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios die Medien. Sie würden lieber über Skandale berichten als über Fair-Play-Geschichten. Mit einigen steht er auf Kriegsfuß. Eloquent beantwortete Grindel in Lathen jede Frage. Auch weltmännisch gab er sich. Morgen habe er ein Telefonat mit der Kanzlerin. Dort wolle er das Thema Haftung von Vereinen ansprechen.

Bei der Gala in Spelle nahm er gekonnt den Ball aus Lathen auf. Lobte Raspos Idee, keinen klassischen Vorsitzenden einzuführen, sondern die Verantwortung auf sieben Köpfe zu verteilen. Ebenso hob er Unternehmer wie Hausherr Bernard Krone hervor, die das ehrenamtliche Engagement ihrer Mitarbeiter unterstützen würden.

Reinhard Grindel mit den Siegern der Sportlerwahl: (v.l.) Florian Allgeier, Jan Hofschröer, Nicole Heidemann und Christoph Steinmetz. Foto: Werner Scholz

EM 2024 hilft weiter

Dass der Fußball auch in Zukunft Menschen zusammenführen wird, davon zeigte sich Grindel überzeugt: „Die EM 2024 ist ein Ereignis, von dem sowohl Basis als auch Spitze profitieren werden.“ Der Frage von Moderator Andreas Müller, ob mit Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller eine Achse wegbreche und man sich Sorgen machen müsse, wich er diplomatisch aus. Man habe jetzt fünf Jahre, um ein wettbewerbsfähiges Team zusammenzustellen, stellte Grindel fest.

Nicht zum ersten Mal besuchte Grindel am Montag das Emsland. Bereits 2012 verlieh er in der Wilhelmshöhe in Lingen schon einmal die Sport-Oscars. Damals war er noch Vizepräsident des Niedersächsischen Fußball-Verbandes – und genauso redegewandt wie gestern.


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