HSG Nordhorn-Lingen empfängt Coburg Ausverkaufte Emslandarena im Handball-Spitzenspiel?

Am 2. Weihnachtstag strömten 3541 Zuschauer nach Lingen in der Emslandarena, um die HSG um Georg Pöhle (am Ball) zu unterstützen. Foto: Werner ScholzAm 2. Weihnachtstag strömten 3541 Zuschauer nach Lingen in der Emslandarena, um die HSG um Georg Pöhle (am Ball) zu unterstützen. Foto: Werner Scholz

Lingen. Dritter gegen Zweiter, alle Sitzplatzkarten bereits vergriffen und beide Teams praktisch in Bestbesetzung – wenn die HSG Nordhorn-Lingen am Samstag um 19.30 Uhr den HSC 2000 Coburg in der Emslandarena Lingen empfängt, ist alles angerichtet für einen wahren Handballkracher.

Ein echtes Vier-Punkte-Spiel. Aktuell trennen die HSG drei Punkte vom zweiten Aufstiegsplatz, den der nächste Gegner belegt. Gewinnt Coburg in Lingen, schütteln die Gäste den lästigen Rivalen vorerst ab. Gewinnt Nordhorn-Lingen, rückt das Zwei-Städte-Team den Coburgern gehörig auf die Pelle.

Bültmann: Noch kein Endspiel

Von einem Endspiel will HSG-Trainer Heiner Bültmann dennoch nichts wissen. „Klar, die Konstellation ist so, dass wir mit einem Sieg komplett dran sind und mit einer Niederlage erst mal wieder weit weg. Aber so oder so sind danach noch 16 Spiele zu spielen. Von daher ist es weit von einem Endspiel entfernt. Aber auf jeden Fall ein wichtiges Spiel.“ Weiß auch Coburgs Coach Jan Gorr: „Da es gegen die direkte Konkurrenz geht, wäre es toll, wenn wir Nordhorn Punkte abluchsen könnten.“ 

Dass sich Nordhorn-Lingen derzeit nicht in der Rolle des Gejagten, sondern der des Jägers befindet, gefällt Trainer und Team. „Grundsätzlich finden wir diese Position gar nicht so schlecht“, gesteht Bültmann. Man sei gut drauf und sehr selbstbewusst, ergänzt der 47-Jährige, der seit 2006 bei der HSG Nordhorn-Lingen tätig ist. Der Sieg in Hüttenberg nach der langen Winterpause habe noch mal einen Push gegeben. „Wir haben fünf Spiele in Folge gewonnen und 21:3-Punkte aus den letzten zwölf Spielen geholt. Das Problem ist, dass Coburg ungefähr die gleiche Bilanz hat. Ich glaube, dass die Chancen komplett 50:50 stehen.“


Schwört seine Jungs auf den Hit ein: Heiner Bültmann. Foto: Lars Schröer


Oftmals in dieser Saison musste die HSG in der Anfangsphase Rückständen hinterherlaufen. Anders lief es vor einer Woche beim 28:25-Sieg beim TV Hüttenberg. Man sei in beide Halbzeiten richtig gut reingekommen, blickt Bültmann auf die Partie zurück. „Letzten Samstag war das sehr wichtig, weil du nach sechs Wochen Pause immer mit einer gewissen Unsicherheit wieder in so einen Start gehst.“ Deshalb gebe eine Führung Sicherheit. Gegen Mannschaft wie Coburg sei es nicht so einfach, wenn man keinen guten Start habe, so Bültmann. „Weil es gegen solch gute Mannschaften schon noch schwieriger ist, jedes Tor aufzuholen.“

Nur noch Stehplatzkarten erhältlich

Bültmann hofft, dass es die Ränge am Samstagabend schaffen, aus seinen Spielern noch ein paar Prozent mehr an Intensität, Einsatz und Leidenschaft herauszukitzeln. „Denn das brauchen wir, weil Coburg echt gut ist.“ Die HSG bittet die Fans, in Rot und Weiß zu erscheinen. „Wir wollen natürlich unbedingt den Heimvorteil nutzen.“ Die Halle werde wahrscheinlich noch voller als am 2. Weihnachtstag beim 34:30-Erfolg gegen Emsdetten. „Das wird eine super Atmosphäre sein.“ Er merke es auch in seinem Umfeld. „Wie viele Leute davon reden. Und wie viele Leute zu dem Spiel wollen.“ Es gibt nur noch Stehplatzkarten.



Im Rückraum verfügt Coburg mit dem Weißrussen Anton Prakapenia (30 Jahre alt und 1,96 Meter groß) und den beiden Schweden Tobias Varvne (32/1,90) und Pontus Zetterman (25/1,88) über reichlich Qualität. „Das ist in der Spitze schon das Beste in der 2. Liga“, findet Bültmann. Mit Jan Kulhánek (37) und Florian Billek (30) habe Coburg zudem Ausnahmekönner im Tor bzw. Rechtsaußen. Auch die Kreisläufer seien gut, so Bültmann. „Einfach ein komplettes Paket. Es ist kein Zufall, dass sie oben stehen.“ Aber man selbst stehe ja auch nicht so weit dahinter, schmunzelt der HSG-Coach.

Gorr misst dem Torwartduell zwischen Björn Buhrmester und Jan Kulhanek durchaus eine entscheidende Rolle zu. „Es ist klar, dass auf beiden Seiten tolle Torhüter im Tor stehen“, stimmt ihm Bültmann zu. Coburgs Kulhanek sei ein klasse Torhüter, mit dem man im Hinspiel Probleme gehabt habe. Er sei zwar gar nicht so groß und auch etwas kräftiger, aber ein antizipativer Torwart. „Er ist früh in den Ecken. Da müssen wir clever werfen.“ Auf der anderen Seite hätten seine beiden Torhüter gezeigt, wie wertvoll sie für Nordhorn-Lingen seien. „Ich glaube schon, dass es ein wichtiger Faktor ist, welcher Torwart besser ins Spiel kommt. Aber sicherlich nicht der einzige.“


Nagelt er seinen Kasten zu? Björn Buhrmester. Foto: Werner Scholz


Im Hinspiel bezwang Coburg die HSG mit 29:25 (14:9). „Wir sind gut gestartet in das Spiel“, erinnert sich Bültmann. Zwei Faktoren hätten am Ende den Sieg gekostet: Fehlende Aggressivität und Kopflosigkeit im Angriff. „Plus natürlich die Qualität von Coburg.“ Die HSG erlaubte sich eine längere Phase mit Fehlwürfen und technischen Fehlern. „Wir sind einfach nicht cool genug geblieben.“

Bislang gab es für die Coburger bei der HSG Nordhorn-Lingen überhaupt nichts zu holen. Bei den bisherigen drei Vergleichen musste der HSC stets ohne Punkte die 500 Kilometer lange Heimreise antreten. Im Mai 2018 gab es eine 28:32 Niederlage, im November 2017 eine 21:25 Niederlage. Am engsten ging es im Mai 2016 zu, als man mit einem Tor 29:30 unterlag, aber einen Monat später dann doch in die 1. Liga aufstieg. Eine Statistik, die für Bültmann keine Bedeutung hat: „Alles, was länger als eine Saison vorbei ist, ist eigentlich kein Thema mehr.“


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