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Klassenerhalt in Niedersachsenliga 2001 spektakulärer Wollitz-Wechsel zum TuS Lingen

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Lingener Jubel: Pele Wollitz, Christoph Held und Frank Kemper (v.l.) feiern in der Niedersachsenliga. Foto: LeißingLingener Jubel: Pele Wollitz, Christoph Held und Frank Kemper (v.l.) feiern in der Niedersachsenliga. Foto: Leißing

Lingen. Für den TuS Lingen war es eine sensationelle Neuverpflichtung, für Claus-Dieter (Pele) Wollitz der sportliche Ausklang einer interessanten fußballerischen Laufbahn: Von November 2001 bis Juni 2002 lief der Filigrantechniker für den emsländischen Fünftligisten auf.

Trainer Wollitz, der sich am Samstag ab 14 Uhr mit Energie Cottbus in der Meppener Hänsch-Arena vorstellt, kam vor gut 17 Jahren als 36-Jähriger vom 1. FC Köln mit der Empfehlung von 64 Erst- (5 Tore) und 315 Zweitligaspielen (78) sowie fünf Europa-League-Partien für den 1. FC Kaiserslautern, mit dem er 1996 den DFB-Pokal im Finale gegen Karlsruhe gewann, und Bayer Leverkusen. Der spektakuläre Wechsel von der Bundesliga in die Niedersachsenliga war ein Freundschaftsdienst, den der stellvertretende TuS-Vorsitzende Gregor Menger mit eingeleitet hatte. 

Personeller Schnitt aus wirtschaftlichen Gründen

Den Lingenern, die aus wirtschaftlichen Gründen einen großen personellen Schnitt gemacht hatten, drohte nach dem Abstieg aus der Oberliga der Sturz in die Landesliga, sechs von 19 Teams mussten aus der Niedersachsenliga West absteigen. In der jungen Mannschaft von Trainer Georg Schultejans war trotz Zweitliga-Routinier Eckhard Vorholt der Faktor Erfahrung knapp bemessen. Den verbesserte der Herbst-Neuzugang erheblich.

Mannschaft überrascht

„Wir waren überrascht und haben uns gewundert, dass Pele Wollitz kommt“, erinnert sich der damals 19-jährige Manuel Wittmoser, der als D-Jugendlicher vom SV Listrup zur TuS-Jugend gewechselt war und als A-Jugendlicher unter Trainer Thomas Böttche schon in der Oberliga eingesetzt wurde. „Wir hatten ihn vorher nur im Fernsehen gesehen.“ Nicht nur Wittmoser schaute zu Wollitz auf, der keinerlei Starallüren zeigte. „Das war ein Typ, er hat sich untergeordnet.“

Manuel Wittmoser (r.) hat als 19-Jähriger viel gelernt als Mitspieler von Pele Wollitz. Das Foto zeigt ihn im Zweikampf mit dem Biener Thomas Theisling. Foto: Leißing


Wittmoser: Viel von ihm gelernt

Wittmoser, heute Trainer des Kreisliga-Dritten FC Leschede, hat „viel gelernt von Pele“. Draufgehen, verschieben. „Er konnte ein Spiel besser lesen als andere.“ Beide waren für Freistöße zuständig. Der Ex-Profi für die in der Nähe des Strafraums, das Talent für die aus größerer Distanz. „Das konnte er einfach“, grinst der Emsländer.

Der Kader

TuS Lingen in der Saison 2001/02
Jan Spindler, Tobias Schimmöller; Bernfried Wiechers, Hanjo Vocks, Eckhard Vorholt, Rolf Tentrup, Christoph Held, Markus Lammers, Sebastian Schaap, Ralf Titze; Ayhan Acet, Ludger Brunnecke, Frank Kemper, Lukas Kissmann, Andreas Rudi, Christian Sabel, Simon Lübken, Meta Suljaj, Manuel Wittmoser, Claus-Dieter Wollitz. Trainer: Georg Schultejans, Co-Trainer Günter Walter; Masseur: Gerd Cardinal; Betreuer: Heinz-Hermann Brinker, Helmut Meer, Uli Schoske. 


„Wiechers ein fantastischer Kapitän und Mensch“

Allerdings scheute Wollitz das offene Wort auch in Lingen nicht. So teilte er den Mitspielern mit, dass einigen die Nervenstärke fehle, anderen mangele es an der läuferischen Qualität für die Liga. Vermisst habe er gelegentlich Leidenschaft, Begeisterung und Vorfreude auf das Spiel. Namen nannte er öffentlich nie. Nur im Fall des Lobs wie etwa für Bernfried Wiechers: „Ein fantastischer Kapitän und Mensch.“

Genau Maß genommen hat Pele Wollitz auch beim TuS Lingen. Die Freistöße des Filigrantechnikers waren gefürchtet. Foto: Leißing


Anreise aus Krefeld

Wollitz wartete auf ein Trainer-Engagement. „Aber nicht in Lingen“, bekannte er damals, sondern in der Regionalliga oder als Co in der 2. Bundesliga. Statt sich allein im Wald fit zu halten, trainierte und spielte er beim TuS im Trikot mit der Nummer zehn. Dafür nahm er insgesamt knapp vier Stunden An- und Abfahrt vom Wohnort Krefeld in Kauf. Zu jeder Einheit kam er allerdings nicht. Im Fall eines Angebots hätte Wollitz sofort wechseln können. Doch die Anfrage aus Uerdingen kam erst zur Saison 2002/03.

Absolut professionell

Da hatte der TuS Lingen den Klassenerhalt bereits gesichert. Er wurde auch dank der Wollitz-Aushilfe Siebter. Die Serie von sieben Siegen endete ausgerechnet beim letzten Spiel in Aurich. Seinen Einstand gab der gebürtige Brakeler beim TuS Anfang November 2001 mit einem 3:2-Heimsieg gegen Bersenbrück vor 400 Zuschauern im Emslandstadion. Lingen setzte sich einen Punkt von den Abstiegsrängen ab. Zwölf Tore und etliche Vorlagen später verabschiedete sich Wollitz. Bis zum Winter sei es problematisch gewesen, meinte er, weil ihm die Praxis gefehlt habe. „Danach wurde es „von Spiel zu Spiel besser.“ Wichtig sei sein Wechsel von der Offensive in die Defensive gewesen. „Ich habe den TuS garantiert, dass er mit mir als Libero nicht absteigt.“ Wollitz hielt Wort und präsentierte sich auch in der fünften Liga absolut professionell.

Blumen zum Abschied: Helmut Meer, Heinz-Hermann Brinker, Rainer Jansen, Heinrich Essmann (verdeckt) und Pele Wollitz (v.l.). Foto: Leißing


Empfehlung: In Lingen die Kräfte bündeln

„Ich habe mich immer mit dem TuS identifiziert“, stellte Wollitz fest. Zum Abschied empfahl er den Lingener Fußballvereinen die Kräfte zu bündeln. Dann sei die Regionalliga möglich. „Es wäre das Schönste, wenn ich irgendwann hören würde, dass es den FC Emsland gibt“, sagte er im Juni 2002. Es gibt noch nicht einmal den FC Lingen – und der TuS Lingen ist mittlerweile von der Bildfläche verschwunden.


Claus-Dieter (Pele) Wollitz

Geboren am 19. Juli 1965 in Brakel


Stationen als Trainer

  • FC Energie Cottbus: seit 04/2016
  • Viktoria Köln: 06/2013 bis 12/2014
  • VfL Osnabrück: 01/2012 bis 05/2013
  • FC Energie Cottbus: 07/2009 bis 12/2011
  • VfL Osnabrück: 07/2004 bis 06/2009
  • KFC Uerdingen: 07/2002 bis 05/2004


Als Spieler

  • TuS Lingen: 10/2001 bis 06/2002
  • 1. FC Köln: 1998 bis 2001
  • KFC Uerdingen: 1996 bis 1998
  • 1. FC Kaiserslautern: 1995 bis 1996
  • VfL Wolfsburg: 1994 bis 1995
  • Hertha BSC Berlin: 1993 bis 1994
  • VfL Osnabrück: 1989 bis 1993
  • Bayer Leverkusen: 1988 bis 1989
  • FC Schalke 04: 1987 bis 1988
  • SpVgg. Brakel: 1983 bis 1987
  • Jugendverein: SpVgg. Brakel


Einsätze als Spieler

  • Europa League: 5 Spiele, 1 Tor
  • Bundesliga: 65 Spiele, 5 Tore
  • 2. Bundesliga: 315 Spielen 78 Tore
  • DFB-Pokal: 34 Spiele, 7 Tore


Bilanz als Spieler gegen den SV Meppen

  • 16 Spiele: 4 Siege, 5 Unentschieden, 7 Niederlagen / 5 Tore geschossen. 
  • Davon: 8 VfL Osnabrück (2 – 2 – 4 / 3)
  • 2 VfL Wolfsburg (0 – 1 – 1 / 0)
  • 4 KFC Uerdingen (2 – 1 – 1 / 2)
  • 2 Hertha BSC Berlin (0 – 1 – 1 / 0).

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