Verein gibt ungewohnt tiefe Einblicke Was die Oberliga-Fußballer des SC Spelle-Venhaus verdienen

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Die Gesprächsrunde um (v. l.) Markus Schütte, Hanjo Vocks, Jürgen Wesenberg, Michael Schweer, Bernard Krone und Thomas Lindemann. Screenshot: SCSV Erwin SchulzeDie Gesprächsrunde um (v. l.) Markus Schütte, Hanjo Vocks, Jürgen Wesenberg, Michael Schweer, Bernard Krone und Thomas Lindemann. Screenshot: SCSV Erwin Schulze

Spelle. Ungewohnt tiefe Einblicke hat am Sonntag die Fußballabteilung des SC Spelle-Venhaus gewährt. Was verdienen die Oberligafußballer? Warum wurde Sebastian Röttger entlassen? Und ist die Regionalliga nach dem zuletzt nicht gestellten Antrag in Zukunft vorstellbar? Hier die Antworten.

60 bis 70 Gäste waren zur Mittagszeit in den Kegelkotten gekommen, um die von Michael Schweer moderierte Gesprächsrunde, die auf der Facebookseite des SCSV angeschaut werden kann, zu verfolgen. 75 Minuten lang stellten sich Bernard Krone (Vorsitzender des Fördervereins), Thomas Lindemann (Mitglied im Vorstand des Fördervereins), Markus Schütte (Fußballobmann der ersten Herrenmannschaft und Jugendkoordinator), Hanjo Vocks (Trainer der ersten Herren) und Jürgen Wesenberg (Vorsitzender der Fußballabteilung) den Fragen. 16 Fragen hatten die Fans an den Moderator geschickt. Die Emslandsportredaktion fasst die wichtigsten zusammen.

Warum wurde so lange an Trainer Sebastian Röttger festgehalten, obwohl kein Aufwärtstrend in Sicht war? „Der SCSV ist bekannt dafür, sich Trainer auszusuchen, mit denen man langfristig zusammenarbeiten will“, erklärte Wesenberg. Man sei auch dafür bekannt, keine Ad-hoc-Entscheidungen zu treffen, ergänzte er.

Lange habe man gedacht, man kriege den Turnaround (die Wende) noch hin. Nach dem Wunstorf-Spiel habe man entschieden, dass es so nicht funktioniere. „Wir müssen immer die gesamte Situation betrachten und haben lange und gut überlegt. Und haben irgendwann die Entscheidung getroffen.“ Wie man aktuell sehe, auch die richtige Entscheidung. „Aber sie tut dem Verein auch weh, weil es eine finanzielle Belastung ist“, so Wesenberg. Röttger habe einen laufenden Vertrag, weshalb es nicht so einfach sei zu sagen, dass man die Zusammenarbeit beende.

Ex-Trainer Sebastian Röttger (rote Kappe). Foto: Dieter Kremer


Als Ausgangspunkt für den schwachen Start sieht Schütte das Pokalspiel in Bersenbrück, als Spelle im Elfmeterschießen ausschied. „Dadurch kam das alles ins Rollen. Und dieser Negativstrudel konnte nicht aufgehalten werden.“ Schütte gestand, dass den Beteiligten diese Entscheidung nicht so einfach gewesen sei. „Sebastian hat hier zwei Jahre überragende Arbeit geleistet.“

Lindemann wunderte sich, dass andere der Meinung sind, man habe zu lange an Röttger festgehalten: „Ich finde, dass wir ganz normal an ihm festgehalten haben.“ Aus seiner Sicht sei es mutig gewesen, nach elf Spieltagen die Reißleine zu ziehen.

Was verdienen die Oberligafußballer? Schweer sagte, es gebe Gerüchte, dass einige Spieler 2000 Euro im Monat verdienen würden. „Verdienen tun sie es auf jeden Fall“, scherzte Wesenberg. „Sie bekommen es nur nicht.“ Es sei immer schwierig, diese Dinge auf den Tisch zu legen. „Dennoch ist auch wichtig, eine gewisse Transparenz reinzubekommen.“ Das Ganze sei nicht „für einen Appel und ein Ei“ zu kriegen. „Das kostet auch Geld. Aber in aller Deutlichkeit: Alle Spieler hier in diesem Verein, die in der Oberliga Fußball spielen, sind im Rahmen eines Minijobs angestellt und werden danach bezahlt. Da kommen Fahrkosten dazu und so weiter und so fort. Aber das war’s dann auch.“ Eine andere Möglichkeit habe ein Verein in dieser Größenordnung auch nicht. Denn man müsse auch immer die Konsequenzen sehen. „Wir müssen Sozialabgaben abführen, was in der Vergangenheit vielleicht nicht immer in allen Vereinen der Fall gewesen ist und dementsprechend auch entsprechende Konsequenzen hatte, wenn man den TuS Lingen sieht und den SV Holthausen/Biene usw.“ In Spelle würden entsprechende Abrechnungen erstellt.

Laut Wesenberg liegt Spelles Etat bei ungefähr 220 000 Euro. „Natürlich geht der Großteil in die erste Mannschaft rein. Aber auch noch andere Kostenfaktoren spielen dort hinein.“ Man könne sich ausrechnen, wo der Etat bei einem derartigen Kader läge, wenn man Spielern 1500 Euro im Monat zahlen würde. „Wir müssen und werden hier auch in diesem Minijobbereich bleiben.“

Wurde inzwischen bereut, den Aufstieg nicht gewagt zu haben? Man habe es nicht bereut, weil man es sportlich nicht geschafft habe, sagte Wesenberg. Die Entscheidung, keine Lizenz zu beantragen, sei im März gefallen, berichtete er. „Bereut haben wir das sicherlich nicht, weil wir jetzt wieder eine gute Mannschaft zusammengestellt haben.“ Krone betonte, dass sich der Förderverein aus der sportlichen Ausrichtung vollkommen heraushalte. „Damals haben wir als Förderverein gesagt, wir sind nicht in der finanziellen Situation zu sagen, wir können solch einen Scheck in die Zukunft ausstellen.“ Finanziell, so Krone weiter, könne man nicht „wilde Sau“ spielen. „Wir sind keine Stand-alone-Fußballabteilung. Der Gesamtverein haftet für die Fußballabteilung. Wollen wir irgendwann Speller Volleyballspielerinnen erzählen, dass sie sich beim Volleyball zurückhalten müssen, weil die Fußballabteilung meinte, sie müsste Regionalliga spielen? Wollen wir das der Laufgruppe erzählen?“ Das müsse man sich immer wieder vor Augen führen. Dankenswerterweise habe die sportliche Führung diese Entscheidung am Ende getroffen, sagte Krone.


Regionalliga in der Zukunft: ja oder nein? „Wir müssen uns das leisten können“, unterstrich Lindemann. Man könne nur das Geld ausgeben, das man habe. Gleichzeitig müsse man sich fragen, ob man sich die Regionalliga leisten wolle. „Das abzuledern und zu sagen, wir wollen das in Zukunft gar nicht, halte ich für verkehrt.“ Alle Eventualitäten müsse man berücksichtigen. Wesenberg betonte, dass die Mitglieder dafür sein müssen. Man sei bekannt dafür, das Haar in der Suppe zu suchen. „Und finden es auch immer wieder.“ Krone wollte nicht ausschließen, dass Spelle in Zukunft in der Regionalliga spielen wird: „Man soll nie nie sagen. Und muss ja auch Ziele haben, aber es gibt ja auch in der Region mahnende Beispiele wie den TuS Lingen.“ Man könne nur das Geld ausgeben, das man habe, machte Krone noch einmal deutlich. „Wir können keine Hypotheken auf die Zukunft ausstellen.“


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