Interview mit Hermann Plagge InduS-Projektleiter: „Diese Zahl macht uns natürlich stolz“

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Gaben im September 2013 den Startschuss für das Inklusionsprojekt InduS. Die Projektgruppe mit (v.l.) Frank Eichholt, Veronika Röttger, Anna Sievers und Hermann Plagge. Foto: Mirko NordmannGaben im September 2013 den Startschuss für das Inklusionsprojekt InduS. Die Projektgruppe mit (v.l.) Frank Eichholt, Veronika Röttger, Anna Sievers und Hermann Plagge. Foto: Mirko Nordmann

Sögel. Im September 2013 startete der Kreissportbund Emsland das Projekt „Inklusion durch Sport“ (Kurzform InduS). Im Interview schaut Projektleiter Hermann Plagge auf die vergangenen Jahre zurück und wirft einen Blick in die Zukunft.

Herr Plagge, vor fünf Jahren wurde das Projekt InduS geboren. Wie sieht Ihr Fazit bisher aus? 

Die Wegstrecke, die wir bisher gehen, hat sich als sehr erfolgreich herausgestellt. Mit dem InduS-Projekt haben wir bereits sehr große Aufmerksamkeit erzielt. Wie es bei einem neuen Projekt nun mal ist, muss man gerade am Anfang viel lernen. Wir befinden uns aber auf einem guten Weg. Ein großer Dank geht daher an alle Trainer, Betreuer und ehrenamtliche Mitarbeiter der Vereine. Aber auch der Landkreis Emsland und alle emsländischen Städte und Gemeinden, die Sporthilfe Emsland und die Sparkassen Stiftung haben als Förderer einen großen Anteil.

Was waren die Höhepunkte, wenn Sie auf die Zeit zurückblicken?

Das ist schwer zu benennen. In meinen Augen ist jede Initiative, die getragen wird, ein echter Höhepunkt. Für uns ist alles wichtig. Es kommt nicht auf die Größe an. Hauptsache ist doch, einem Menschen mit Behinderung den Weg zu einer Sportart, die er liebt, zu ermöglichen.

Gab es auch schwierige Momente?

Bei einem so großen Projekt bleibt so etwas natürlich nicht aus, und so kann es auch mal zu Motivationsrückschlägen kommen. Manchmal kann es eben auch ein etwas längerer Weg sein, bis man einen geeigneten Verein gefunden hat. Bei uns läuft aber alles über das Prinzip: Alles kann, nichts muss. Mit InduS versuchen wir unverbindliche Angebote zu generieren. Hierbei können Umsetzungen mal länger oder auch mal kürzer dauern.

Wie finden Interessierte den Weg zu InduS?

Wir sind offen für alles und freuen uns auf jeden, der sich meldet. Jeder, der Lust auf eine Sportart hat und diese gerne ausüben möchte, kann sich gerne bei uns melden. Alle Initiativen beruhen auf Befragungen von Menschen mit Behinderung nach deren Sportwünschen. Anschließend gehen wir auf die Vereine zu und versuchen mit den Trainern und Verantwortlichen einen Plan zur Umsetzung der Wünsche zu erstellen.

Wie ist das Echo der Vereine und der Familien mit Menschen mit Behinderung?

Das Echo von Vereinen und Menschen mit Behinderung ist sehr positiv. Am Anfang war es nicht immer so, da mussten wir uns schon ordentlich ins Zeug legen. Jetzt verfügen wir über viele Angebote und tragen das Projekt mit den emsländischen Vereinen nach draußen. Unser jährlicher Sportivationstag, der in diesem Jahr im Emslandstadion in Lingen stattgefunden hat und an dem rund 800 Sportlerinnen und Sportler mit und ohne Behinderung teilgenommen haben, war wieder ein voller Erfolg. Diese Zahl macht uns natürlich stolz. Wenn man dann noch in die Gesichter der Kinder guckt und ausschließlich Freude und Zufriedenheit findet, geht einem persönlich selbstverständlich auch das Herz auf. Beim Sportivationstag tritt der Leistungsgedanke ein wenig in den Hintergrund. Es geht darum, dass man Spaß hat, in einer Gruppe etwas zu unternehmen, und natürlich auch Spaß am Sport hat.

Wer ist an dem Indus-Projekt beteiligt?

Die Projekte trägt der Kreissportbund Emsland mit den Projektpartnern St.-Vitus-Werk in Meppen, dem Christophorus-Werk in Lingen und dem St.-Lukas-Heim in Papenburg. Von hier werden die Projektkoordinatoren Anna Siever, Veronika Röttger und Frank Eichholt für eine Viertelstelle für InduS freigestellt.

Welche Angebote sind neben der InduS-Emslandliga noch zu finden?

Zuallererst muss man sagen, dass die InduS-Emslandliga aus unserer Sicht und in ihrem ersten Jahr absolut hervorragend gelaufen ist und wir uns schon auf die nächste Saison freuen. Weitere interessierte Vereine sind herzlich eingeladen. Wir arbeiten mit knapp 70 Vereinen zusammen und kommen insgesamt auf 24 unterschiedliche Sportarten, die wir anbieten können. Dazu gehören nicht nur so prominente Sportarten wie Fußball, Handball oder Reiten, sondern neben vielen Bewegungsangeboten auch Wassergymnastik, Bogenschießen oder Rudern.

Zudem bieten wir Fort- und Weiterbildungen an. Im Herbst gibt es zum Beispiel ein Seminar zur sexualisierten Gewalt im inklusiven Sport. Aber es kommen auch Übungsleiter auf uns zu, die eine Weiterbildung machen wollen, um den Umgang und die Trainingsarbeit in Sportgruppen, in denen Menschen mit und ohne Behinderung aktiv sind, zu vertiefen.

Außerdem gab es vor einigen Wochen eine inklusive Radtour von Dörpen nach Papenburg. „Inklusion durch Aktion“ heißt die Veranstaltung des Vereins „Health Media“, die in Kooperation mit unserem Inklusionsprojekt durchgeführt wurde.


Das Indus-Projekt

„Inklusion durch Sport“ (kurz: InduS) ist ein Projekt vom Kreissportbund Emsland.

Ziel des Projektes ist es, die Inklusion von Menschen mit Behinderung in örtliche Sportvereine und Verbände zu fördern.

Der Startschuss fiel im September 2013 durch KSB-Präsident Michael Koop und Landrat Reinhard Winter im Haus des Sports in Sögel.

Als Kooperationspartner sind die drei großen emsländischen Einrichtungen der Behindertenhilfe (St.-Lukas-Heim Papenburg, Christophorus-Werk Lingen und das St.-Vitus-Werk Meppen) beteiligt. Zum Projektteam gehören neben InduS-Projektleiter Hermann Plagge Anna Sievers, Veronika Röttger und Frank Eichholt. Förderung und Unterstützung erhält das Projekt durch den Landkreis Emsland, die Sporthilfe Emsland und die Sparkassen-Stiftung.

Derzeit bieten knapp 70 Vereine 24 unterschiedliche Sportarten an.

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