Ein Blick hinter die InduS-Emslandliga Inklusion im Fußball: Zahnseidentanz inklusive

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Jubel nach einem Treffer. Foto: Dieter KremerJubel nach einem Treffer. Foto: Dieter Kremer

Meppen. Kim Kehbel spielt in der InduS-Emslandliga Fußball. Jagt in einem Ligabetrieb dem Ball hinterher, in dem Menschen mit und ohne Behinderung Teams bilden. In diesem Jahr wurde die Liga gegründet. Ein Blick hinter die Kulissen.

„Wir reden immer von Inklusion“, meint Carsten Hilbers, Leiter der Laxtener Inklusionsmannschaft Lucky Löwen. „Für mich ist Inklusion im Sport der einfachste Schritt in die richtige Richtung.“ Hilbers empfindet die Meisterschale, die am Saisonende vergeben wird, als Wertschätzung. Sie zu bekommen sei eine besondere Motivation für die Kinder, so Hilbers. 

Zehn Teams aus sieben Vereinen 

Zwischen sechs und 20 Jahre sind die Fußballerinnen und Fußballer der InduS-Liga alt. Zehn Kinder- und Jugendmannschaften aus sieben emsländischen Vereinen gehören dazu. Im April wurde die Premierensaison eröffnet, im September fiel der letzte Vorhang. Der Spaß am Fußball solle im Vordergrund stehen und nicht der besonders hohe Sieg, erklärt Hermann Plagge, Leiter des InduS-Projektes, im Vorfeld.

Kim Kehbel beim Jubel. Foto: Dieter Kremer


Zum Team der Lucky Löwen gehört Kim Kehbel aus Lingen. Sie ist 20 Jahre alt und arbeitet im Berufsbildungsbereich (BBB), einer Vorstufe zur Behindertenwerkstatt. Kim leidet unter einem Gendefekt. Bei ihr sind das neunte und 14. Chromosom mutiert. Erst als Kims drei Jahre jüngerer Bruder auf der Welt war, wurde ihr Handicap diagnostiziert.

Sobald Kim den Rasen betritt, ist sie in ihrem Element. Konzentriert verfolgt sie den Ball. Lauert auf ihre Gelegenheit. Kim trägt die Rückennummer 30 – wie Stürmer Benjamin Girth in der letzten Saison beim SV Meppen.

Tochter ist sehr ehrgeizig

„Zu Hause im Garten hat sie angefangen“, erklärt Kims Mutter Anke Kehbel. Vor zehn Jahren sei man zu den Luckies gekommen, fügt sie hinzu. Anke Kebel und ihre Tochter gehörten sozusagen zu den Gründungsmitgliedern der Gruppe. Die 50-Jährige ist deren Trainerin, Betreuerin und Teammanagerin. „Und Elternbeauftragte“, scherzte Anke Kehbel. Sie sei für alle da und habe viel Herzblut in diese Sache gesteckt, sagt sie.

Als „sehr ehrgeizig“ beschreibt Anke Kehbel ihre Tochter. Die ganze Woche höre sie von ihr nur Fragen: Wann denn Training sei? Und wann denn endlich Freitag? „Noch fünfmal schlafen, noch viermal schlafen“, zählte Anke Kehbel dann ihrer Tochter vor. Als die Verantwortlichen das Training am Freitag vor dem Spieltag in Schwefingen wegen eines drohenden Gewitters abgesagt hätten, sei Kim „total sauer“ gewesen. Und habe es überhaupt nicht verstehen können. „Das Training ist das Highlight der Woche. Sie spielt gerne Fußball. Sie redet gerne über Fußball und schaut auch gerne Fußball.“

Anke Kehbel mit ihrer Tochter Kim. Foto: Dieter Kremer


Dass nun in einer Inklusionsliga um Punkte und Meisterschaften gespielt wird, befürwortet Anke Kehbel. Ihrer Tochter hingegen sei es egal, wo man spiele. „Hauptsache, sie spielt.“ Aber natürlich gebe es andere Jugendliche, die weiter seien und spielen wollten. „Und nicht nur Spaß haben. Die wollen auch gewinnen. Für die finde ich die InduS-Liga schon sehr wichtig.“ Doch manch einer will nicht nur Spaß am Fußball haben: „Andere Vereine müssen erst noch lernen, was Inklusion ist“, beklagte Anke Kehbel bisweilen zu viel Ehrgeiz. Es könne nicht sein, dass sieben Spieler auf dem Platz stünden und darunter fünf oder sechs Nicht-Behinderte seien. „Und ein behindertes Kind“, so Kehbel. „Das muss umgekehrt sein.“ Es gehe nicht darum, die andere Mannschaft mit 5:0 abzuzocken, findet sie.

Fortschritte zu sehen

Zusammensein und Zusammenhalten – das ist für Anke Kehbel Fußball. Das Spiel fördere den sozialen Bereich. Bei ihrer Tochter Kim dient Fußball auch der Freizeitgestaltung. „Sie hat keine Freunde, mit denen sie spielen kann. Es kommt keiner, und sie geht auch nirgendwo hin, weil es keiner will. Deshalb sind wir froh, dass es die Luckies gibt. Oder überhaupt andere Sportvereine, wo unsere Kinder hingehen können.“ Man sehe einen Fortschritt. „Und das hat auch mit Fußball zu tun. Absolut.“

Die Paten der InduS-Emslandliga: Thilo Leugers und Martin Wagner vom SV Meppen. Foto: Lars Schröer


Das soziale Miteinander zwischen Menschen mit und ohne Behinderung – das sei für ihn Inklusion, bekräftigt Hilbers. Und meint damit nicht zuletzt auch den Umgang auf dem Fußballplatz: „Der Jubel nach einem Tor ist für uns Trainer das größte Geschenk.“ Egal, ob mit geballter Faust oder beim Zahnseidentanz.


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