Offensivrebounds als Problem Dragons gegen Bonn: Das zweite Gesicht macht alles kaputt

09.02.2015, 09:00 Uhr

An seinem Gesicht war nur wenig abzulesen. Tyron McCoy lächelte, als er den Raum betrat, in dem die Pressekonferenz stattfand. Doch wer ihn kennt, hörte in seiner Stimme, wie sehr den Trainer der Artland Dragons diese Niederlage gegen die Telekom Baskets Bonn verärgert hatte. Für seine Verhältnisse redete sich der Amerikaner nach dem 71:79 (43:33) beinahe schon in Rage.

Nur kurz streifte er in seiner Analyse die erste Halbzeit, in der seine Mannschaft gezeigt hatte, was sie lange in dieser Saison vermissen ließ: einen guten Teambasketball. In der Verteidigung setzten die Dragons die Gäste konsequent unter Druck. Im Angriff spielten sie ruhig und geduldig, passten gut, attackierten die Zone und steckten den Ball oft zum besser positionierten Mann durch.

Besonders Andreas Seiferth kam so zu vielen guten Möglichkeiten, andere wiederum nutzten die Ballgewinne zu schnellen Punkten. Nach den ersten zehn Minuten lagen die Drachen mit 20:15 in Führung. Konzentriert spielten sie weiter. Bonn kam nicht in den Rhythmus, versuchte es mit Würfen von außen – es wirkte hektisch. Die Drachen trafen dagegen 72 Prozent ihrer Versuche aus dem Feld in der ersten Halbzeit. 43:33 stand es zur Pause.

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Das alles streifte McCoy nur in wenigen Worten – und selbst dabei hebelte er schon seine erste Kritik an. Die Ballverluste, aber vor allem die Offensivrebounds, die seine Mannen den Gästen bereits in den ersten 20 Minuten gestatteten, waren viel zu viele. Achtmal landete der Ball nach Bonner Würfen wieder in ihren Händen. „So viele Offensivrebounds holt diese Mannschaft sonst im Schnitt, diesmal schon bis zur Pause. Dafür gibt es keine Entschuldigung“, schimpfte McCoy. Am Ende hatte Bonn 15.

„Daran lag es. Und das gegen eine der schlechtesten Rebound-Mannschaften der Liga. Das geht nicht“, gestand auch Brandon Thomas. Das Problem ist: Die Dragons zählen auch zu den schlechtesten Teams in dieser Kategorie. „Es zieht sich durch unsere Saison. Wir müssen das abstellen“, sagt McCoy. Er sagte es schon häufig. Selten wirkte er dabei so erzürnt.

Die zweiten Chancen, die Bonn bekam, waren nicht das einzige Problem. Die Dragons ließen in der Defense nach. Sieben Ballgewinne erarbeiteten sie sich in der ersten Halbzeit, einer kam nur noch dazu. „Der Druck war auf einmal nicht mehr so groß“, berichtete Ex-Drache Dirk Mädrich , den sein Trainer aus einer in der zweiten Halbzeit guten Bonner Mannschaft heraushob: „Das hat es uns natürlich etwas erleichtert, den Rhythmus zu finden. Außerdem haben wir selbst mit einer Zonenpresse Druck aufgebaut.“

Die Dragons verloren den Faden. Nur elf Punkte erzielten sie im dritten Viertel, 17 im vierten – machte unter dem Strich schauderhafte wenige 28. Die Wurfauswahl wurde schlecht. 16 Dreier versuchten sie, nur zwei trafen sie. An der Freiwurflinie ließen beide Teams Chancen liegen, doch Bonns Quote wurde am Ende besser. Die Baskets wirkten zielstrebiger – in allen Bereichen. Die Drachen begingen hingegen zu viele Fehler. Mehrfach hatten sie dennoch die Chance, Bonn noch einmal nahe zu kommen, doch es misslang.

Als richtungsweisend hatten beide Teams die Partie zuvor ausgegeben. Und tatsächlich trennten sich am Samstagabend die Wege der Kontrahenten noch einmal mehr. Bonn zog in der Tabelle mit dem Vierten aus Ulm gleich und kann das Heimrecht angreifen. Ein Ziel, das die Dragons intern auch noch verfolgt hatten. Nun aber rutschten sie erstmals in dieser Saison aus den Play-off-Plätzen – sie stehen nun auf Rang neun. Ludwigsburg, das in Oldenburg gewann, zog vorbei.

Gut nur, dass auch Braunschweig und Göttingen unterlagen. Wie Ludwigsburg und Quakenbrück haben sie jetzt elf Niederlagen auf dem Konto. Die Dragons stecken also mittendrin im Kampf um die Play-offs. Gewinnen können sie ihn nur mit dem Gesicht, das sie in der ersten Halbzeit zeigten. Das der zweiten macht nur alles kaputt – das dürfte nun allen klar sein.