Dragons ohne Herz gegen Bernau Hartenstein nach Niederlage: Das ist frustrierend

Von Susanne Fetter | 19.02.2017, 16:48 Uhr

Es war alles vorbereitet für das Topspiel der ProB. Die Artland Arena war zum ersten Mal diese Saison ausverkauft, die Stimmung prächtig. Doch beflügelt wurden davon nur die Gäste aus Bernau. Nach dem 86:66 (24:51) gegen die Artland Dragons stehen sie alleine auf Platz eins der Tabelle.

Chris Frazier stand am Rand des Spielfeldes und hatte sich das Handtuch weit über den Kopf gezogen. Gerade so, dass die Augen darunter noch hervorblickten. Minutenlang stand er so da und starrte auf das leere Spielfeld. Dann sagte er: „Ich finde gerade dafür gar keine Worte.“

Die Dragons mussten sich erst sammeln. Zu bitter war die Klatsche gegen Lok Bernau. Im Hinspiel waren die Teams noch auf Augenhöhe. (74:78). Diesmal hielten sie nur in den ersten Minuten mit. Bis zum 7:8 – danach zog Bernau auf und davon.

Hartenstein: Erste Halbzeit war inakzeptabel

„Die erste Halbzeit war inakzeptabel“, betonte Florian Hartenstein. Im Januar übernahm er mit Christian Greve das Team. Fünf Siege fuhren die Dragons seitdem ein – nicht immer mit schönem Spiel, doch stets mit viel Kampfgeist. „Dieser hat uns in der ersten Halbzeit gefehlt. Das hat mich sehr enttäuscht“, sagte Hartenstein und gestand: „Es lag nicht an der Taktik, sondern am fehlenden Herz und das passiert nur im Kopf. Dabei haben wir so hart trainiert. Es ist mega frustrierend.“ 14:30 verloren die Drachen das erste Viertel, 10:21 das zweite. Zur Pause lagen sie mit 27 Punkten zurück.

 Hier geht es zum Spielbericht: Artland Dragons: Klatsche im Topduell gegen Bernau 

Zwischenzeitlich schien es als hätten die Dragons sich aufgegeben. Mit Gesichtern voller Frust sahen sie, wie Bernau exakt das umsetzten, was sie gerne gezeigt hätten. „Sie haben gespielt, wie wir es auch gerne wollen“, bestätigte Max Rockmann.

Wach, schnell, aggressiv und flexibel

Bernau, ausgestattet mit vielen Talenten von Bundesligist Alba Berlin, gelenkt vom starken Pierre Bland und verstärkt mit Routinier Robert Kulawick, spielte wach, schnell, aggressiv und flexibel. Und das sowohl im Angriff als auch in der Verteidigung. Defensiv wechselten sie zwischen Mann-Mann und Zone, offensiv attackierten sie den Korb und trafen sicher von außen.

 Weiterlesen: Lieser fällt aus – Angriff auf Platz eins 

Die Dragons versuchten es dagegen einzig offensiv zu lösen. „Aber das ist uns nicht gelungen“, gestand Rockmann. Während Bernau hoch konzentriert beim Abschluss war und bis zur Pause 64 Prozent der Dreier traf und 70 aus der Nah- und Mitteldistanz, ging bei den Dragons nur einer von zwölf Dreiern in den Korb und 40 Prozent aus dem Feld. „Wir hätten besser verteidigen müssen“, betonte Rockmann: „Uns hat da der Wille für den Extra-Meter gefehlt und das Vertrauen in die Mitspieler.“

Reid foulbelastet, Lieser krank

In der zweiten Hälfte wurde es besser. Doch auch, wenn diese knapp gewonnen wurde, so richtig fanden die Dragons den Faden nicht. Das lag auch daran, dass Aufbauspieler Matt Reid früh foulbelastet war und Philipp Lieser grippegeschwächt fehlte.

 Weiterlesen: So lautete die Stadtwette! 

Dafür bekamen die Nachwuchsspieler Thorben Döding, Johann Potratz und Danielius Lavrinovicius Einsatzzeit. „Sie haben das gut gemacht und lernen“, betonte Frazier: „Es ist wichtig, dass wir für die Playoffs Alternativen haben.“ Noch zwei Spiele sind es bis zum Start der K.o.-Runde.

„Wir müssen schnell wieder den Blick nach vorne richten“, betonte Hartenstein daher. Es ist die erste schwere Prüfung, die das neue Trainerteam und die Spieler zu überwinden haben. „Wir dürfen jetzt auf keinen Fall in alte Verhaltensmuster fallen“, so Hartenstein. Das Ziel Platz eins ist zwar so gut wie dahin, doch ein anderes bleibt: Gut gerüstet in die Playoffs. „Wenn wir dann endlich mal zeigen, was alles in uns steckt, ist die Niederlage heute , egal“, sagte Frazier: „Aber nur dann.“