Quakenbrücker Basketballer drehen 17-Punkte-Rückstand Artland Dragons: Ein Sieg für die Fans

Von Susanne Fetter

Eins gegen vier: Drache Pierre Bland zieht mutig zwischen Reed Timmer, Tyler Laser, Robertas Grabauskas und Besnik Bekteshi zum Korb. Foto: Rolf KamperEins gegen vier: Drache Pierre Bland zieht mutig zwischen Reed Timmer, Tyler Laser, Robertas Grabauskas und Besnik Bekteshi zum Korb. Foto: Rolf Kamper

Quakenbrück. So ein Spiel hatte es in der Artland Arena lange nicht mehr gegeben. Stark dezimiert, ohne ihre Centergarde, drehten die Quakenbrücker Basketballer gegen die Tigers Tübingen einen 17-Punkte- Rückstand. Für die Playoffs war der 98:94-Sieg wohl nicht mehr wichtig, für die Fans umso mehr.

Jannes Hundt kam gerade vom Duschen zurück in die Halle, da musste er dringend die Frage beantworten, wie er den Dreier kurz vor Schluss denn getroffen hätte. „Ich war frei, hab den Ball hochgenommen und abgedrückt. Der Wurf sah gleich gut aus. Dann hab ich die Hand nach hinten geklappt und gedacht, ich lass sie da mal stehen, vielleicht geht er rein“, sagte der Aufbauspieler, grinste schelmisch und machte noch einmal die Wurfbewegung nach. „Der war so wichtig“, sagte Teamkollege Pierre Bland, stieß ein anerkennenden „Ui“ hervor und meinte lachend: „Was für ein Wurf!“

Packende Aufholjagd

Wenige Sekunden vor diesem Dreier, es waren noch 55 Sekunden Spielzeit übrig, da hatte es noch 90:94 aus Sicht der Dragons gestanden. Erst traf Danielius Lavrinovicius einen Dreier, kurz danach erhöhte Hundt zum 96:94. 

Foto: Rolf Kamper


Die 2617 Zuschauer in der Arena saßen zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr auf ihren Sitzen. Zu packend war die Aufholjagd gewesen, die die Dragons in der zweiten Halbzeit gestartet hatten. Mit 17 Punkten lagen sie zwischenzeitlich zurück (28:45), zur Pause stand es 36:52. Danach fielen die Dreier der Dragons besser. Bei den Rebounds arbeiteten sie ohnehin das ganze Spiel gut. Und das ohne ihre beiden Center Jonathan Malu (Grippe) und Demetris Morant (Leistenverletzung). Wie es zur Wende kam? „Wir haben in der Halbzeit gesagt: Mensch, heute sind wieder so viele Leute da, dann lass uns denen doch mal was zeigen“, sagte Hundt.

Wie in früheren Zeiten

Die letzten drei Minuten verfolgten die Fans im Stehen. Während der Auszeit nach der eroberten Führung blieb die Musik aus. Die „Dragons, Dragons“-Rufe der Fans waren so laut, dass sie nicht unterbrochen werden sollten. 

Es war ein bisschen wie zu früheren Zeiten – als beide Teams noch in der Bundesliga aufeinandertrafen und die Arena im Artland über Jahre hinweg ausverkauft war. Als die Schiedsrichter drei Sekunden vor dem Ende sich erst für einen Einwurf für die Dragons entschieden und dann doch Tübingen den Ball zusprachen, ging der Lautstärkepegel in der Arena noch weiter nach oben. „So laut wie in diesem Moment“, sagte Bland, „habe ich es hier noch nie erlebt. Das war irre.“

Fans waren "on fire"

Tyler Laser (24 Punkte), mit Reed Timmer (28) und Enosch Wolf (24), treibende Kraft der Tigers, schaffte es nicht, in diesem Lärm den Ball innerhalb der vorgeschriebenen fünf Sekunden einzuwerfen. Die Dragons waren am Ball. Lavrinovicius wurde gefoult. Der Youngster, der wieder merklich erstarkt ist, ging an die Linie, und schon als der erste Freiwurf seine Hand verließ, huschte ein Lächeln über sein Gesicht. Routiniert versenkte der 20-Jährige beide Versuche. Auch er betonte danach: Die Fans waren „on fire. Das war die beste Atmosphäre, die ich bisher erlebt habe. Das war verrückt.“

Foto: Rolf Kamper


Und das, obwohl es eigentlich um nichts mehr geht. Der Klassenerhalt ist sicher. Die Chance auf die Playoffs ist sehr gering. Bei drei verbleibenden Spielen hat Karlsruhe als Achter der ProA zwei Siege mehr und den direkten Vergleich gewonnen. „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass wir das noch schaffen“, gesteht Trainer Florian Hartenstein und fügte an: „Ich bin sehr stolz, wie meine Mannschaft gekämpft hat. Wir haben gesagt, in den letzten Spielen geht es vor allem um unsere Fans, die uns durch diese Saison mit Höhen und Tiefen begleitet haben. Dieser Sieg, der ist für sie.“

Foto: Rolf Kamper



Spielstatistik

Dragons: Curth, Döding 3, Albrecht 7/1 Dreier, Herold 5/1, Caisin, Lokudu, Hundt 14/3, Bland 19/1, Oliver 4/1, Lavrinovicius 18/4, Griffin 27/5.

Tübingen: Djurasovic, Bekteshi 5/1 Dreier, Wolf 24, Laser 28/3, Grabauskas 4, Allen 7/1, Nortmann, Nadjfej 2.

Trefferquote Nah-/Mitteldistanz: 56 zu 62 %, Dreier: 42 zu 42 %, Rebounds: 35/33, Assists: 23/22, Turnover: 7/14.

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