Wieder Hunger auf Erfolg entwickeln Deutsche Fußball-Nationalelf startet gegen Mexiko in die WM

Von Benjamin Kraus | 15.06.2018, 10:15 Uhr

Start frei für die Mission Titelverteidigung der Deutschen Fußball-Nationalelf: An diesem Sonntag (17 Uhr, live auf Sky und im ZDF) soll wie zuletzt bei großen Turnieren mit einem überzeugenden Sieg im ersten Spiel gegen die Auswahl Mexikos der Grundstein für eine erfolgreiche Weltmeisterschaft gelegt werden.

 Wem vertraut Löw bei der Mission Titelverteidigung? Den Kern der Startelf werden die Weltmeister des Jahres 2014 bilden: Mit Torwart Manuel Neuer, der zuletzt Frische und Fitness ausstrahlte. Mit Mats Hummels in der Abwehr, Toni Kroos und Sami Khedira auf der Doppelsechs und Thomas Müller im offensiven Mittelfeld. Dazu werden mit den Außenverteidigern Joshua Kimmich und Jonas Hector sowie Stürmer Timo Werner drei Fußballer beginnen, die sich unter anderem beim Confederations- Cup-Sieg im Sommer 2017 in Russland in die Mannschaft gespielt haben – und endlich der Dortmunder Marco Reus bei seiner WM-Premiere.

 Wer sind die Wackelkandidaten? Geht man nach dem letzten Eindruck vom Freitagabend, kann Bundestrainer Joachim Löw auf alle 23 Spieler bauen – absolvierte doch der komplette Kader die letzte Einheit vor der Mexiko-Partie auf dem Trainingsplatz von ZSKA Moskau. Fragezeichen stehen aber hinter zwei Namen: Mesut Özil, der seit 2010 alle Spiele der großen Turniere der Nationalelf von Anfang an gemacht hat, hatte im Trainingslager noch angeschlagen ausgesetzt – so ist nicht komplett ausgeschlossen, dass an seiner Stelle Julian Draxler beginnt. Dazu ist Jérôme Boateng trotz seines viel gelobten Fitnessaufbaus nach langer Pause wegen einer Muskelverletzung sicher noch nicht bei 100 Prozent Leistungsfähigkeit. Man darf annehmen, dass er beginnt, um mit Blick auf den Turnierverlauf seine Physis weiter zu steigern. Bei nachlassenden Kräften im Laufe der Partie könnte dann Niklas Süle übernehmen.

 Wie ist die Stimmung im deutschen Lager? Durchaus angespannt, aber fokussiert, wie etwa Kimmich berichtete. „Man merkt: Das erste Spiel kommt näher – im Training ist richtig Zug drin.“ Das bestätigte auch Oliver Bierhoff. „Das Bewusstsein steigt: Es wird ernst. Gerade die Erfahrenen haben das Tempo noch mal angezogen“, berichtete der Teammanager. Bierhoff bezeichnete es als entscheidend, dass die Spieler wieder jenen Erfolgshunger entwickeln, der die Elf schon 2014 ausgezeichnet habe. „Wir müssen am Sonntag von der ersten Sekunde an drin sein – oft gelingt es später nicht mehr, den Schalter umzulegen“, so Bierhoff mit Blick auf die Tatsache, dass drei der letzten vier amtierenden Weltmeister schon in der Vorrunde gescheitert sind.

 Was war noch? Das Thema Rasen ist weiter eines in der deutschen Delegation. „Er ist hier viel dichter als in Westeuropa und mit 25 Millimetern höher geschnitten. Weil das aber auch im Stadion so ist, war es gut, dass wir uns hier bei ZSKA schon daran gewöhnen konnten“, berichtete Bierhoff. Zuvor hatte er den Prozentsatz, den die digitale Video- und Datenverarbeitung zum Gewinn eines WM-Titels leisten kann, bei fünf bis zehn Prozent beziffert. Mehr als 70 Prozent der Zeit bei der Pressekonferenz nahm aber die Vorstellung jenes neuen Tools in Anspruch, mit dem Spieler sie betreffende Szenen auf ihre iPads und Mobiltelefone laden können – fast schon eine Werbeveranstaltung für jenen DFB-Sponsor, der auch hinter dem Aufstieg von 1899 Hoffenheim in die Bundesliga steht.

 Und welche Rolle spielt noch die Debatte um Mesut Özil und Ilkay Gündogan? „Ich sehe keine Notwendigkeit, mich noch mal dazu zu äußern“, sagte Bierhoff gestern knapp. Für die DFB-Führung ist die Debatte um das Foto der Nationalspieler mit dem türkischen Präsidenten Erdogan doppelt ärgerlich – nicht nur, weil sie die Vorbereitung gestört hat. Sondern weil sie auch ein schlechtes Licht auf die Bewerbung für die Ausrichtung der Europameisterschaft 2024 werfen könnte. Einziger Konkurrent bei der Vergabe: die Türkei. Philipp Lahm als Botschafter der DFB-Kampagne wird übrigens erst am Montag in Watutinki erwartet – wenn möglicherweise ein Erfolg im Auftaktspiel die Sache in den Hintergrund gedrängt hat.