Viertelfinal-Gegner der Fußball-EM Spanien oder Italien - was wäre leichter für Deutschland?

Von Benjamin Kraus | 27.06.2016, 12:44 Uhr

An diesem Montag ab 18 Uhr (live in der ARD) steigt der Achtelfinal-Kracher der Fußball-EM zwischen Spanien und Italien in Paris. Der Sieger der Partie trifft im Viertelfinale auf Deutschland. Welcher Gegner wäre der Leichtere für die Löw-Elf?

Der historische Ansatz: Wer in die Vergangenheit der großen Turniere der letzten 10 Jahre blickt, dem wird bewusst, wie groß die Aufgabe für Deutschland werden wird im Viertelfinale am kommenden Samstag (21 Uhr). Denn gegen beide Gegner scheiterte die Nationalelf in diesem Zeitraum schon zweimal bei großen Turnieren. Das ganz große Happy End im Sommermärchen bei der Heim-WM 2006 beendeten die Italiener mit ihrem 2:0-Sieg im Halbfinale, auch bei der EM 2012 war im Halbfinale bei der 1:2-Niederlage Schluss, als Mario Balotelli zweimal traf. Und die Spanier stoppten die Deutschen bei der EM 2008 im Finale sowie bei der WM 2010 im Halbfinale, jeweils mit 1:0-Siegen. Vor zwei Jahren konnte Deutschland zwar die WM gewinnen – allerdings ohne dabei auf die Spanier oder die Italiener zu treffen...

Der Nussknacker-Ansatz: Wer auf ein Spiel hofft, dass die Mannschaft von Joachim Löw selbst gestalten kann und über Ballbesitz möglicherweise dominiert, wird sich wohl Italien als Gegner wünschen: Die erfahrene Auswahl der Squadra Azzura war beim EM-Auftakt gegen Belgien (2:0) die älteste Startelf der EM-Geschichte – und sie setzt vor allem darauf, dass hinten die Null steht: Die Dreierkette aus den Innenverteidigern Barzagli (35), Bonucci (29) und Chiellini (31) wird bei Ballbesitz Gegner schnell durch Außenbahnspieler zur Fünferkette verstärkt. Und an der defensiven Stabilität hat Trainer Antonio Conte seit der 1:4-Testspiel-Niederlage gegen Deutschland in München im März gearbeitet: Seither kassierte das Team bei vier Siegen (1:0 gegen Schottland, 2:0 gegen Finnland, 2:0 gegen Belgien, 1:0 gegen Schweden) in fünf Spielen nur ein Gegentor – und das fiel gegen Irland in jener Partie, die für die Italiener für das Weiterkommen nicht mehr von Bedeutung war. Sicher ist die Qualität in Italiens Offensive nicht mehr ganz so hoch wie noch vor Jahren, spielerisch hat die Squadra ohne den nicht mehr berücksichtigten Regisseur Andrea Pirlo (37, New York City FC) weniger Möglichkeiten – aber dennoch ist die Abwehr stark und das Konterspiel gefährlich. „Die sind einfach taktisch super geschult. Da stimmen die Abstände zentimetergenau“, sagte Deutschlands Abwehrchef Jerome Boateng im Kicker über die Italiener. Die Löw-Elf würde somit wohl ein Geduldsspiel erwarten: Es wird nicht leicht sein, den neuen Catenaccio zu knacken.

Der Ansatz auf Augenhöhe: „Spanien hat die technisch beste Mannschaft im Turnier, die sehr viel Ballbesitz haben wird“, sagte Boateng über den anderen möglichen Gegner. Wobei man ergänzen muss, dass sich Deutschland angesichts technisch starker Spieler wie Mesut Özil, Toni Kroos oder Julian Draxler nicht verstecken muss vor den Iberern. Definitiv würden zwei Teams aufeinandertreffen, die im bisherigen Turnierverlauf immer versucht haben, den Gegner durch ihre spielerische Dominanz zu beeindrucken und zu zermürben. Xavi ist zwar nicht mehr dabei – aber mit Kickern wie Iniesta, Fabregas oder auch Thiago vom FC Bayern sind für die Roten immer noch sehr feine Fußballer am Start – und sie haben in Alvaro Morata von Juventus Turin (schon drei Tore bei dieser EM) eine richtig starke richtige Neun vorne im Sturmzentrum. „Die Spanier erarbeiten sich ihre Chancen ähnlich wie wir mit viel Geduld und gutem Positionsspiel. Ich weiß nicht, ob wir da mit Pressing gegenhalten werden oder nicht“, sagte Boateng.

Die Prognose: Am Ende setzen sich die Spanier im Achtelfinale knapp durch . Aus deutscher Sicht ist der eine Tag mehr Erholung vor dem Duell am Samstag noch mehr wert, wenn es einen richtig langen Abnutzungskampf gibt, der in die Verlängerung geht und somit mindestens 120 Minuten dauert...

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