Unerfahrener Innenverteidiger? Viele Ausfälle: Frankreich gegen Island ersatzgeschwächt

Von dpa | 29.06.2016, 10:36 Uhr

Ein Länderspiel-Debüt eines international unerfahrene Fußballers in der Abwehr der Französichen A-Nationalmannschaft in einem EM-Viertelfinale - bei einer Heim-EM? Nicht ausgeschlossen in Frankreichs Équipe tricolore. Trainer Didier Deschamps beklagt eine Reihe von Ausfällen.

Womöglich wird Innenverteidiger Samuel Umtiti im K.o.-Spiel an diesem Sonntag in Saint-Denis gegen Island um den Einzug in die Runde der besten vier Fußball-Nationen Europas zum ersten Mal für das französische Team auflaufen. 22 Jahre jung, Innenverteidiger bei Olympique Lyon, kaum internationale Erfahrung. Umtiti ist eine der wenigen Alternativen für den gelb-gesperrten Adil Rami. Vielleicht die Chance für die tapferen Isländer? (Weiterlesen: Fünf Gründe, warum Island Europameister wird) Das Problem: Trainer Didier Deschamps muss bei der Heim-EM auf eine Reihe wichtiger Spieler insbesondere in der Abwehr verzichten:

ABWEHR:

  • Jérémy Mathieu, Verteidiger vom FC Barcelona. Verletzte sich im März am Meniskus (Riss). Dann auch noch Wadenprobleme. Es reichte nicht für den 32-Jährigen.
  • Raphaël Varane, Verteidiger von Real Madrid. Der Oberschenkel. Das Aus für den 23-Jährigen. Rami rückte dafür in den EM-Kader.
  • Mathieu Debuchy, Verteidiger, 30 Jahre alt, von Girondins Bordeaux. Ebenfalls Probleme am Oberschenkel.
  • Mamadou Sakho, Verteidiger vom FC Liverpool. Der 26-Jährige war Ende April wegen eines Dopingvergehens für zunächst 30 Tage gesperrt worden. Er soll einen illegalen Fatburner eingenommen haben.

MITTELFELD

  • Mathieu Valbuena: Mittelfeldspieler, 31 Jahre alt, von Olympique Lyon. Opfer einer Erpressungsaffäre um ein Sex-Video. Wegen seiner Verwicklung in den Skandal nicht berücksichtigt.
  • Lassana Diarra: Mittelfeldspieler, ebenfalls 31 Jahre alt, Entzündung im linken Knie. „Jetzt werde ich Les Bleus nach Raphaël und Jérémy auch als Fan unterstützen“, kündigte der Profi von Olympique Marseille nach seinem Aus mit stockender Stimme an.

ANGRIFF:

  • Karim Benzema, der Mittelstürmer. 81 Länderspiele. 27 Tore. Champions-League-Sieger mit Real Madrid, starke Saison gespielt. Aber: Angeblicher Komplize in der Erpressungsaffäre um Valbuena. Von höchster politischer Stelle wurde schnell klar gemacht: Diese EM findet ohne den 28 Jahre alten Benzema statt.
  • Franck Ribéry, Flügelstürmer: Von Trainer Didier Deschamps nicht berücksichtigt. Ribéry war 2014 aus der Nationalmannschaft zurückgetreten, nachdem er die WM in Brasilien wegen Rückenschmerzen verpasste, hätte aber Lust auf ein Comeback gehabt. Deschamps aber wollte das nicht. „Ich habe keine Sekunde daran gedacht, ihn zurückzuholen. Er ist zurückgetreten, andere Spieler haben mir das Vertrauen gegeben, und das gebe ich zurück. Es gibt keinen Grund, einen Platz im EM-Kader für ihn zu opfern“, sagte der Trainer damals bei der Nominierung.

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