TV-Kritik ZDF-Übertragung Deutschland - Polen: Weniger ist mehr

Eine Kolumne von Malte Schlaack | 16.06.2016, 23:03 Uhr

Das zweite deutsche Gruppenspiel bei der EM überträgt das ZDF. Als Fazit des Abends nutzt man am besten eine alte Phrase: Manchmal ist weniger vielleicht mehr.

In der Vorbereitung auf das Spiel fährt das Zweite alles auf, was es bei dieser EM zu bieten hat. Oliver Welke und Oliver Kahn harmonieren aber nach wie vor nicht so recht miteinander und speziell der ehemalige Keeper macht irgendwie immer einen leicht genervten Eindruck. Dazu wird der Tisch im Studio immer voller. Experte Sebastian Kehl kommt kaum zu Wort, Sänger Mark Forster wird ebenso wie Bundesligaspieler und Deutsch-Pole Eugen Polanski routiniert weginterviewt. So besteht die Gefahr, dass die Angelegenheit leicht etwas überladen wirkt. Oder wie Welke selbst sagt: „Langsam ist es hier wie beim Presseclub.“

Gute Vorbereitung auf das Spiel

Ansonsten wird der Zuschauer mit Einspielfilmen und Einschätzungen auf das Spiel aber gut vorbereitet und auch Holger Stanislawski darf am Taktik-Screen die Spielweise beider Mannschaften erklären. Am Kommentatorenplatz im Stadion ist dann nicht Urgestein Bélà Rethy, der nachmittags beim Spiel England gegen Wales mit einigen wunderlichen Aussagen überrascht hatte, sondern Oliver Schmidt.

Dem ehemaligen Redaktionsleiter des „aktuellen Sportstudios“ wurde schon häufiger vorgeworfen, dass er entweder zu parteiisch ist oder er sich zu häufig in der Sprache vergaloppiert. Davon ist jetzt aber wenig zu merken. Schmidt kommentiert sachlich und hält sich mit Bewertungen meist zurück. „Dass eine Mannschaft abwartend agiert, ist ja mehr als ein Trend bei dieser EM“, beschreibt er dann die eher defensive Spielweise der Polen kurz vor der Pause ganz richtig. Es ist kein leicht zu kommentierendes Spiel, das viel von Taktik geprägt ist und in dem wenig passiert.

Solider Job des ZDF

Mit zunehmendem Spieltempo in der zweiten Hälfte wird dann auch die Sprache von Schmidt etwas blumiger, allerdings ohne es dabei zu übertreiben. Hummels bescheinigt er ein „Heldentackling“, über die polnische Defensive heißt es „Kopf einziehen und ab in den Panzer.“ Ansonsten bleibt der Kommentator seinem Stil der ersten Hälfte treu, verpasst es dabei allerdings, die doch recht lahme deutsche Offensive mal zu kritisieren. Dennoch ist es insgesamt ein solider Job, den Schmidt und das ZDF bei ihrem ersten deutschen Spiel erledigen.