Sport Wie Ballack und Schneider am SV Meppen vorbeigingen

23.07.2009, 22:00 Uhr

Beim Thema Verstärkung haben wir uns vom Vorstand – insbesondere in den ersten Jahren – sehr schwergetan und sicher auch einige Fehler gemacht. Marko Myyry hatten wir zunächst nur ausgeliehen und wollten uns eine mögliche Ablösesumme von 400 000 Mark nicht „ans Bein binden“ – zu Beginn der Saison 94/95 kam er dann doch für rund 300 000 Mark.

Michael Schulz spielte 1987 als einziger Oldenburger mit dem Stamm unserer Mannschaft in der Niedersachsen-Auswahl. Der SV Meppen hatte sich um den langen Schlacks nie bemüht; das machte der 1. FC Kaiserslautern, der ihn später für einige Millionen zu Werder Bremen ziehen ließ, wo er Nationalspieler wurde. Ähnlich erging es mit Patrick Owomoyela, der als 18-jähriger Amateur vier Tage Probetraining in Meppen machen durfte (vor dem Abstiegsjahr) und über den Lüneburger SK, VfL Osnabrück und SC Paderborn bei Werder Bremen und in der Nationalmannschaft landete. Heute spielt er bei Borussia Dortmund. Jörg-Uwe Klütz fand vom VfL Herzlake den Weg zu Hannover 96 und Uwe Jursch zum VfL Osnabrück – beide hätten gut zum SV Meppen gepasst.

Bernd Schneider (FC Jena) war dem SVM Anfang der 90er-Jahre zu teuer – ihn holte Horst Ehrmanntraut für 600000 DM zu Eintracht Frankfurt, ehe er bei Bayer Leverkusen seine Nationalmannschaftskarriere startete. Carsten Jancker machte in Meppen ein Probetraining, erzielte einen Tag später im Freundschaftsspiel bei Rapid Wien sechs Tore und war nicht mehr zu haben.

Michael Ballack wurde 1996 in einem Punktspiel des FC Chemnitz in Meppen eingewechselt. Der für Sportplatzbau in den neuen Bundesländern tätige und aus Meppen kommende Norbert Hohmann wurde von Ballacks Vater angesprochen, ob er für seinen Sohn eine Chance beim SV Meppen sähe – im Westen würde man eher auf das Talent aufmerksam. Unsere Absage beruhte darauf, dass wir zunächst unseren eigenen Nachwuchs fördern würden. Ein Jahr später nahm der 1. FC Kaiserslautern Ballack unter Vertrag. Im April 1999 spielte er noch einmal in einem U-21-Länderspiel gegen die Ukraine in Meppen.

Zu erwähnen aus dieser Zeit ist die angestrebte Zusammenarbeit mit Werder Bremen, um in Meppen Nachwuchstalente für den Bundesligisten ausbilden zu lassen. Uns interessierte besonders der 25-jährige Abwehrspieler Dieter Eilts. Nach Aussage seines Freundes Christoph Hanses, der 1991 zu uns kam, hatte Eilts bei Otto Rehhagel darauf bestanden, endlich zum Kader der Werder-Profis zu gehören, sonst würde er nach Meppen wechseln. Nach einer Trainingsreise im Winter wurde der Wunsch erfüllt. Er war wenig später weder in der Stammelf von Werder noch in der Nationalmannschaft wegzudenken. So kam vom Werder-Nachwuchs nur Christoph Hanses nach Meppen – und das für gutes Geld.

Freigaben ohne Ablösesummen gab es bis zum Bosmann-Urteil in der Saison 1997/98 nur dann, wenn die Spieler so teuer waren, dass sie ihr Gehalt nicht wert waren. Das kam beim SVM nicht vor. So mussten wir für alle verpflichteten Amateure Ablösesummen bezahlen, deren Höhe vom DFB festgelegt war, während die Ablösen für Profis frei ausgehandelt wurden. Der SV Meppen ist mit dieser Regelung bis zum Abstieg stets erfolgreich gewesen, weil er mit dem Verkauf von Vorholt an Uerdingen, Rauffmann an Eintracht Frankfurt und Stendel an den FC Gütersloh rund 1,7 Millionen Mark erzielte. Damit konnten von Ahlen, Brasas, Claaßen, Helmer, Kubik, Marell, Prus, Sievers, Myyry, Szewzyk, Winter und Bradaric „gekauft“ werden, um nur die zu nennen, die mehr als 100000 Mark gekostet haben. Unterm Strich blieb zwar nicht viel übrig, aber ein ausgeglichener Haushalt bei Ein- und Verkauf war für einen Zeitraum von elf Jahren als recht gutes Ergebnis zu betrachten.