Sport „The Flying Finn“ rollt an den Start

31.07.2009, 22:00 Uhr

Die Absage des englischen WM-Fahrers Andrew Appleton für das 38. Internationale ADAC-Sandbahn-Flutlichtrennen auf dem Hümmling-Ring in Werlte hat Rennleiter Josef Hukelmann nur kurz Sorgen bereitet. Dann hatte er nach einigen Telefonaten quer durch Europa einen „dicken Fisch“ für das heutige Rennen an der Angel (ab 19 Uhr).

Mit dem Finnen Joonas Kylmäkorpi – in Bahnsportkreisen wegen seines spektakulären Fahrstils „The Flying Finn“ genannt – rollt an der Rastdorfer Straße in Werlte ein Stahlschuhartist an den Start, der in Deutschland noch nie bei einem freien Rennen antrat und in der Gras- und Sandbahnszene wegen seiner „Husarenritte“ auf der Bahn die Herzen der Fans im wahrsten Sinne des Wortes mit Beschlag belegt.

Der Finne, der von seinem Vater in den Motorradrennsport gedrängt wurde, belegt zur Zeit in der WM – Kylmäkorpi war 2006 Vizeweltmeister – Rang sieben nach zwei Läufen. 2005 hatte er mit einem vierten Platz in der WM auf sich aufmerksam gemacht. Rennleiter Hukelmann: „Der Bursche ist sein Geld wert.“ Kylmäkorpis Traum ist es, Langbahn-Weltmeister werden. Das Unternehmen dürfte in diesem Jahr allerdings kaum zu verwirklichen sein.

Weltmeister werden möchten auch der 34-jährige Halbprofi Enrico Janoschka. Er wurde gerade für die Team-WM im niederländischen Eenrum in die Nationalmannschaft berufen. Trotz mehrmaliger WM-Teilnahmen blieben bei dem Sarmstorfer die konstanten großen Erfolge aus. 2007 trumpfte er allerdings mit Gerd Riss, Stephan Katt und Matthias Kröger bei der WM-Premiere für Nationalmannschaften mit dem Titelgewinn auf.

In Werlte will er nicht nur Kylmäkorpi in die Schranken verweisen, sondern auch seine Berufung in das Nationalteam rechtfertigen. „Das wird schwierig hier, denn ich bin nicht der beste Starter, und die Geraden sind nicht lang“, sagt Janoschka. „Acht bis zehn der internationalen Fahrer können hier gewinnen, das Feld ist sehr ausgeglichen.“ Ein Platz unter den ersten drei Medaillenträgern wäre für Janoschka ein stolzes Ergebnis und zugleich ein verspätetes Geburtstagsgeschenk. Am Mittwoch vollendet er sein 34. Lebensjahr.

In Werlte fahren sie heute noch gegeneinander, in Eenrum bilden sie mit Gerd Riss und Richard Speiser zusammen das WM-Team: Enrico Janoschka und Stephan Katt. Katt, der sich wie Janoschka wegen schwerer Verletzungen 2008 nicht für die Einzel-WM 2009 qualifizieren konnte, ist schon zweifacher Teamweltmeister.

Der Neuwittenbeker, der in der 2. Speedway-Liga in Polen für Opole startet, zählt den Hümmling-Ring zu seinen Lieblingsbahnen. „Nicht zu lang, sehr kompakt, das Kurven-Geraden-Verhältnis stimmt“, verspricht sich Katt, der immer mal für eine Showeinlage nach der Zieldurchfahrt aufgelegt ist, heute einen Platz ganz vorn. Katt weiß: „Das Fahrerfeld ist verdammt ausgeglichen, da musst du aufpassen, dass du vom Startband wegkommst, sonst schluckst du mindestens zwei Runden Dreck, bevor du freie Sicht hast.“

Der Renntag in Werlte beginnt heute um 13.30 Uhr mit dem Training. Ab 16 Uhr stehen Wertungsrennen der Schülerklassen und der nationalen B-Lizenz-Fahrer auf dem Plan. Die Fahrervorstellung beginnt um 18.30 Uhr, das Rennen um 19 Uhr. Siegerehrungen und Feuerwerk sind für 23 Uhr vorgesehen.