Sport Rogge fordert «harte Fakten» - Thema im Parlament

28.09.2011, 15:44 Uhr

Bei der Aufarbeitung der Doping-Geschichte in der Bundesrepublik hat IOC-Präsident Jacques Rogge «harte Fakten» gefordert. Zudem wird die brisante Forschungsstudie «Doping in Deutschland» sehr schnell auch Thema im Sportausschuss des Bundestages sein.

«Wir wollen nur noch abwarten bis uns der aktuelle Zwischenbericht vorliegt, und dann kommt das Thema natürlich zeitnah auf die Tagesordnung», erklärte die Ausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag der Nachrichtenagentur dpa.

«Es ist eine große Verantwortung, die Wahrheit zu prüfen. Wir brauchen harte Fakten und keine Spekulationen», sagte Rogge, Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), in Baden-Baden. Der Belgier begrüßte die Studie deutscher Historiker und lobte den Deutschen Olympischen Sportbund für die Initiative: «Ich habe volles Vertrauen in den DOSB, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.»

Sportwissenschaftler aus Berlin und Münster hatten mit der Vorstellung ihre Forschungsergebnisse die Steilvorlage geliefert, nun sind neben dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) auch die Sportpolitiker des Bundestages gefordert, mögliche Konsequenzen zu ziehen. Ergebnisse der Studie sollen Ende Oktober im DOSB-Präsidium diskutiert werden.

Unter anderem soll die Rolle des früheren NOK-Präsidenten Willi Daume erörtert werden. Sowohl Rogge als auch Bach wiesen in Baden-Baden auf dessen großen Verdienste hin. «Der Geist von Willi Daume ist hier», sagte Rogge. «Daume forderte die Ächtung des Dopings», meinte Bach.

IOC-Ehrenmitglied Walther Tröger, von 1992 bis 2002 Präsident des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland, hat sich ebenfalls für eine «lückenlose Aufklärung» ausgesprochen. Es müssten «Ross und Reiter» genannt werden.

Es gehe bei der Aufarbeitung der Doping-Vergangenheit um viele spannende Themen, so zum Beispiel «um die Frage, ob sich jene Kräfte durchsetzen, die die Namen der Aussageträger schwärzen wollen», sagte die SPD-Politikerin Freitag. Dagegen sieht der stellvertretende Ausschuss-Vorsitzende Joachim Günther (FDP) keinen Anlass, die neuen Erkenntnisse der Studie parlamentarisch zu untersuchen.

Es habe in den 1970er Jahren weltweit Doping gegeben, sagte er der «Märkischen Oderzeitung» und erklärte: «In bestimmten technischen Sportarten war es gar nicht möglich, an der Weltspitze zu sein, ohne ein Mittel genommen zu haben.» Erst Mitte der 70er Jahre sei über Doping-Testverfahren beraten worden, erklärte der sportpolitische Sprecher der FDP. Er glaube daher nicht, dass das Dopingsystem neu bewertet werden muss.