Sport Multifunktionär Bach zwischen Dauerhatz und Sauna

03.12.2010, 14:57 Uhr

DOSB-Präsident Thomas Bach entspannt am liebsten zu Hause in der Sauna. Viel Gelegenheit hat er dazu aber nicht. Nach der erwarteten Wiederwahl als DOSB-Chef wird ihn der olympische Großauftrag noch mehr fordern: Bach will die Winterspiele 2018 nach München holen.

Sein Terminkalender ist ähnlich ausgereizt wie der von Angela Merkel. Seine Organisation arbeitet mit allen 14 Bundesministerien zusammen, und der deutsche Sportkanzler sitzt bereits in der olympischen Weltregierung. Thomas Bachs Wiederwahl als DOSB-Präsident am Samstag in München ist gewiss, doch sein «härtester olympischer Wettkampf» steht dem Fecht-Olympiasieger von 1976 noch bevor. Nach drei misslungenen Bewerbungen will der Wirtschaftsanwalt aus Tauberbischofsheim in seiner zweiten Amtszeit die Olympischen Winterspiele 2018 nach München holen, bevor das höchste Amt des Weltsports lockt.

Derzeit hätte der 56-Jährige von allen Kandidaten die besten Chancen, 2013 Nachfolger von IOC-Präsident Jacques Rogge zu werden. Fragen nach der lukrativen Beförderung im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) weist der ambitionierte IOC-Vize routiniert als nicht aktuell zurück. Viel lieber parliert er über die anfangs umstrittene Fusion von Deutschem Sportbund und Nationalem Olympischen Komitee.

Als Gründungspräsident des von ihm forcierten Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hat Bach in Sieben-Tage-Wochen den neuen Dachverband zum Erfolgsmodell geführt - und zu einer von der Politik und in der Gesellschaft respektierten Interessensvertretung des Sports entwickelt.

«Bereits nach vier Jahren DOSB ist die innere Einheit hergestellt. Die Sinnhaftigkeit der Fusion hat sich erwiesen. Die Politik hat verstanden, was der Sport auf vielen Feldern für die Gesellschaft zu leisten imstande ist», tönt der deutsche Sportchef und lobt den «Mehrwert» des 27,5 Millionen Mitglieder starken DOSB.

Die Organisation habe sich finanziell konsolidiert, die staatliche Unterstützung für den deutschen Leistungssport stieg in den vergangenen vier Jahren sogar um 50 Millionen auf das Rekordniveau von 250 Millionen Euro. Zudem konnten die deutschen Spitzenathleten ihre Rolle als eine der Führungskräfte in der olympischen Leistungsschau behaupten.

Probleme aber bleiben. Die künftige Finanzierung des Breitensports steht auf dem Spiel, wenn der DOSB nicht die staatlich regulierte Öffnung der Sportwetten durchsetzen kann. Bei den Landessportbünden geht sogar die Existenzangst um. Das überraschende EuGH-Urteil über das unzulässige deutsche Monopol für Glücksspiele und Sportwetten hat den deutschen Sport aufgeschreckt. Schließlich sind Sportwetten und Lotterien die tragende Säule der Sportfinanzierung. Im Haushalt der Landessportbünde machen sie rund 80 Prozent aus.

Ein drohendes Verbot von Programm-Sponsoring im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nach 20 Uhr könnte von 2013 an auch zahlreichen Spitzensportverbänden die wichtigste Finanzierungsgrundlage entziehen. Bach liebt solche Herausforderungen. Eine terminliche Entlastung hatte er für sein Weitermachen als DOSB-Boss zwar zur Bedingung gemacht, aber die sportpolitischen Aufgaben sieht er nicht als «negativen Stress». Nur Ohnmacht und Hilflosigkeit wie beim Olympia-Boykott 1980, als der Athletensprecher Bach von der deutschen Politik abgeschmettert wurde, rauben ihm seine Zuversicht.

An das intensive Doppel-Leben als unbezahlter Multi-Funktionär und gefragter Jurist und Berater hat sich der mächtigste Mann im deutschen Sport inzwischen gewöhnt. «Ich kann so schwer nein sagen, aber mein Leben hat sich in den letzten vier Jahren schon geändert», gibt Bach zu, «es ist viel regulierter geworden mit weniger Freiräumen als vorher.»

Entspannen kann er am besten in der heimischen Sauna oder beim Spaziergang mit dem Hund. Oft ist er bei der Dauerhatz rund um den Globus nicht zu Hause, «aber wenn die Haustür aufgeht, fällt vieles von mir ab. Das ist wie eine Ferienwohnung», so Bach, «und mein Hund kennt mich auch noch.»