Sport „Mittagessen oder Abendbrot – normal geht nur eins“

31.07.2009, 22:00 Uhr

Einem wahren Triumph folgte die harte Ernüchterung, als der Deutsche Judo-Bund sein Aufgebot für die Weltmeisterschaften im August bekannt gab. Wasilisa Prill ist nicht dabei, doch die Top athletin der Judo Crocodiles kann damit leben, trotz ihres Coups bei den German Open nicht für die WM nominiert zu sein.

„Dann eben im nächsten Jahr, denn eine WM gibt es jetzt jedes Jahr“, reagierte die 23-Jährige äußerlich recht gelassen auch deshalb, um sich die Freude über den Gewinn der internationalen deutschen Meisterschaft nicht zu trüben. „Ich war gut drauf und habe mich dann hochgepusht, als ich im Halbfinale stand und gegen die Olympia-Siebte gewonnen habe. Da habe ich mir gesagt: Und jetzt das Finale – das lasse ich mir nicht nehmen. Den Titel trage ich nach Hause“, schildert die Osnabrückerin ihre Empfindungen in den Minuten größter Anspannung und Konzentration im Kampf gegen die Britin Kimberley Renicks.

Entsprechend selbstbewusst und zielstrebig legte sie los und nach 20 Sekunden in der ersten Wertung weichenstellend vor, denn von dieser kalten Dusche konnte sich die Engländerin nie richtig erholen. Zwei Strafen wegen Inaktivität gegen Renicks folgten und setzten die Gegnerin noch mehr unter Druck, sodass die Zeit allein für das Leichtgewicht der Crocodiles sprach. Dabei wusste sie vom Studium der Kämpfe zuvor, dass die Britin ihr „lag“, denn beide kämpfen „ziemlich unkontrolliert“ und schnell, „denn ich hoppel auch so rum wie sie“.

Mit dem freilich besseren Ende, an dem sie erleichtert und jubelnd die Arme hochriss und sich sagte: „Es geht doch.“ Und wie es in den letzten Wochen ging, als Prill zweimal Bronze beim Worldcup in Lissabon und Brasilien gewann, um nun die Akte „Tiefpunkt“ mit der dritten Medaille bei fünf Starts bei Topturnieren zu schließen. Als U-23-Europameisterin 2007 riss sie sich zunächst den Meniskus, dann das Kreuzband, ehe sie im Januar/Februar 2009 ihren Abschluss als Ergotherapeutin machte und seither doppelgleisig fährt im Job im medicos sowie als Leistungssportlerin.

Was ihr erheblich half, aus dem Tief herauszukommen, waren drei Wochen Intensivtraining zweimal drei bis vier Stunden am Tag im April in Japan, wohin sie auch im November fahren möchte, denn das Mutterland des Judosports ist für sie weiterhin erste Adresse Richtung Olympia 2012, „was mein ganz großes Ziel ist“.

Dabei hat das Leichtgewicht nie Probleme mit dem Gewicht, sprich nicht mehr als 48 Kilogramm auf die Waage zu bringen. Wie das geht? „Mit Disziplin“, die sie auch auf der Matte neben ihrer Vielseitigkeit in der Frage der Technik bei Würfen jedweder Art hat, was auch für den Alltag gilt. „Mittagessen oder Abendbrot“, heißt die Devise, denn „normal geht nur eins“. Wohl dem, der wie Prill freitags 46,6 Kilogramm wiegt und sich noch bis zum Kampf am nächsten Tag normal ernähren darf, während andere „Gewicht machen“, sprich abschwitzen müssen.