Sport Lisickis Wimbledon-Geschichte geht weiter

Von dpa | 01.07.2014, 16:59 Uhr

Es war kein gutes Spiel von Sabine Lisicki in Wimbledon. Dennoch war sie am Ende die strahlende Siegerin. Trotz Schwächen beim Aufschlag schaffte sie es bei ihrem Lieblingsturnier wieder unter die besten Acht.

Sabine Lisicki kniete nach dem Matchball auf dem «heiligen Rasen», ihr Vater Richard sprang auf der Tribüne applaudierend in die Höhe: Die wundersame Wimbledon-Geschichte der Berlinerin geht weiter.

Ohne zu glänzen, aber mit einer kämpferischen Einstellung hat die letztjährige Finalistin beim Grand-Slam-Tennisturnier im Südwesten Londons ihren Siegeszug fortgesetzt. Die 24-Jährige gewann 6:3, 3:6, 6:4 gegen die Kasachin Jaroslawa Schwedowa und ist bei ihrer sechsten Teilnahme zum fünften Mal in das Viertelfinale eingezogen. Dort wartet auf die deutsche Powerfrau die rumänische French-Open-Finalistin Simona Halep.

Wenn das Turnier im All England Lawn Club ansteht, scheint es für Lisicki fast egal zu sein, welche verletzungsreichen und erfolgsarmen Monate sie hinter sich hat. Am Dienstagmittag war die Partie zerfahren, die Deutsche leistete sich speziell bei ihrem oft gewinnbringenden Aufschlag Schwächen. 20 Doppelfehler listete die Statistik am Ende auf. Vor den Augen von Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner, Mutter Elisabeth und Vater Richard Lisicki überstand sie das Match dennoch erfolgreich.

Um 11.34 Uhr Londoner Zeit betrat Lisicki mit Kopfhörern als Erste den Court drei. Die Zuschauer hatten sich schon zuvor minutenlang mit «La Ola» die Zeit vertrieben. «Natürlich bringt es einem wieder Selbstvertrauen, und das muss man mitnehmen», hatte Lisicki nach ihrem nervenaufreibenden Drittrundensieg gegen die Serbin Ana Ivanovic gesagt. Das Gefühl von drei Siegen nacheinander hatte sie zuvor monatelang nicht erlebt. Der Start gegen die kasachische Weltranglisten-65. Schwedowa ging trotzdem daneben.

Zwei Doppelfehler, ein Return-Gewinnschlag ihrer Kontrahentin, ein Vorhandfehler - schon war das erste Aufschlag-Spiel weg. Doch Lisicki ließ sich nicht beirren. Immer wieder punktete sie mit ihrer kraftvollen Vorhand. Ihrer Kontrahentin unterliefen im ersten Satz zudem zahlreiche unerklärliche Fehler. Zwei Doppelfehler leistete sie sich in jedem ihrer ersten drei Aufschlag-Spiele, acht insgesamt im ersten Durchgang. Sogar in der Pause imitierte sie ihren Ballwurf.

Beim 3:2 hatte sie drei Breakbälle. Als die Frohnatur die zweite Chance fahrlässig vergab, rief ein Zuschauer: «I still love you» - sinnbildlich für das herzliche Verhältnis der Fans im All England Lawn Club zur blonden Berlinerin. Mit einem unerreichbaren Vorhand-Return sicherte sie sich dann nach 24 Minuten das 4:2, Lisicki ballte die Faust. Zwei Spiele später schlug die Weltranglisten-19. zum Satzgewinn auf. Mit einer Stop-Lob-Kombination ärgerte sie Schwedowa, die ihr kurz darauf mit einem weiteren Returnfehler das 6:3 ermöglichte.

Im zweiten Durchgang lief zunächst nicht viel. 0:3 lag Lisicki zurück, ehe sie wieder aufdrehte und ausglich. Nach zwei Assen und drei Doppelfehlern gab sie wenig später ihren Aufschlag zum 3:5 ab. Nach 58 Minuten leuchtete der Satzausgleich auf der Anzeigentafel auf.

Bei 1:1 und Breakball gegen sich nahm Lisicki eine Verletzungspause und wurde im Nacken-und Schulterbereich behandelt. Als sie wieder aufstand, erkämpfte sie sich das 2:1. Es wogte mit Fehlern auf beiden Seiten hin und her. Ein Knackpunkt war, als sich Lisicki bei 3:3 trotz 15:40 den Spielgewinn erkämpfte. Nach 1:59 Stunden beklatschen die Zuschauer dann die deutsche Tennis-Lady.