Sport Im Stil eines Topteams

03.12.2002, 23:00 Uhr

Was normal klingen mag, war alles andere als normal. Die Basketballer des TSV Quakenbrück setzten mit einem 92:83-Erfolg (41:48) bei den Schwelmer Baskets in der 2. Hauptrunde des Pokalwettbewerbs des Deutschen Basketball-Bundes fort, indem sie den elften Pflichtspielsieg in Serie landeten nach zuvor zehn Erfolgen in der 2. Liga. Dabei zeigten sie wie nie zuvor zwei Gesichter, was Trainer Chris Fleming nach dem Happy End einer tollen Aufholjagd zu der Erkenntnis trieb: ,,Wir haben erstmals in dieser Saison zur Halbzeit zurückgelegen und positiv reagiert."

Überaus positiv sogar, denn beim 41:48 zur Pause nach äußerst unkonzentrierter, phasenweise planloser und fast durchweg vom Einsatz her enttäuschender erster Halbzeit wandelten sich die ,,Drachen" zur eigenen Überraschung sowie zum Entsetzen der auf Erfolg und Revanche für das 72:83 im Punktspiel hoffenden Schwelmer. Aus einem 53:63-Rückstand machten sie innerhalb von vier Minuten ein 72:63. Die 19:0-Serie bauten sie auf 27:5 innerhalb von sechs Minuten aus, in denen sie alle Register ihres Könnens zogen und die Schwelmer aus den Pokalträumen rissen.

Zum einen verteidigten sie endlich energisch und überlegt, um konzentriert die Angriffe einzuleiten und sich in aussichtsreiche Positionen zu bringen. Entsprechend war die katastrophale Wurfquote von 39 Prozent vor der Pause (13 von 33, dabei 4 von 15 ,,Dreiern") alsbald vergessen, ehe am Ende 47 Prozent (28 von 59) als nüchterne Bilanz einer enormen Steigerung standen. Zum anderen bewiesen sie Moral, sich von dem hohen Rückstand nach der bis dato schwächsten Vorstellung dieser Saison sowie den frenetisch in der engen Halle mitgehenden Zuschauern nicht verrückt machen zu lassen, sondern auf das zu besinnen, was sie zum souveränen Tabellenführer und zum Meisterschaftskandidaten Nummer eins gemacht hat.

Plötzlich passte der Druck in der Verteidigung, lief der Ball im Angriff, landeten die ,,Dreier" und die anderen Würfe im Korb, was die Baskets im gleichen Maß schockte wie die ,,Drachen" selbstbewusst und überlegen das vierte Viertel zu Ende spielen ließ. ,,Ich hoffe, dass wir am Samstag in Lichterfelde wachsamer sind, denn sonst kann man da verlieren", meinte Fleming mit Blick auf die nächste Punktspielaufgabe am Samstag in Berlin, wo sich die ,,Drachen" nicht unbedingt auf die beeindruckende Steigerung des gestrigen Pokalspiels verlassen sollten.

Dabei nahm Michael Jordan wieder einmal das Heft in die Hand, steigerte sich Konstantinos Stavropoulos nach kläglichem Beginn zu einer Topvorstellung mit 18 Punkten in 13 Minuten, während auf Johnny McNeil wieder Verlass war und Refiloe Lethunya in wichtigen Momenten überlegt zupackte und abschloss. ,,Anfangs hat nur Michael Biss gezeigt, am Ende alle Spieler", meinte der Coach mit Blick auf das anfangs fehlende Engagement und die Rückbesinnung auf die Qualitäten, die in diesem Team stecken.

Dabei zählt die Chance, nun Mitte Februar im Achtelfinale des Pokalwettbewerbs einen großen Gegner zu bekommen, ebenso wie der moralische Sieg, denn nach dem 83:72 im Punktspiel in eigener Halle setzten die Quakenbrücker mit Blick auf den Titelkampf beim Vizemeister mit dem 92:83, noch mehr mit der Art, wie sie sich steigerten, eine Duftmarke, die den Schwelmern gar nicht gefällt. Endgültig nicht, wenn die ,,Drachen" zum Rückspiel der Punktrunde mit entsprechend breiter Brust bei den Baskets antreten.

Schwelm - Quakenbrück 83:92 (23:28, 25:13, 15:24, 20:27)Schwelmer Baskets: Nr. 5 Markevicius 9 Punkte/2 ,,Dreier" - Nr. 6 Laine 13/3 - Nr. 7 Sprünken 3/1 - Nr. 8 Christahl - Nr. 9 Williams 32/2 - Nr. 10 Welp - Nr. 11 Beiersmann - Nr. 13 Strubel 2 - Nr. 14 Kück 16/2 - Nr. 15 Pinchuk 8/1.TSV Quakenbrück: Nr. 4 McNeil 17/1 - Nr. 5 Jordan 27/4 - Nr, 6 Strauch 2 9/1 - Nr. 7 Ucovic 10/2 - Nr. 8 Stavropoulos 18/3 - Nr. 9 Müller - Nr. 10 Freyer 7/1 - Nr. 12 Duresso - Nr. 13 Lethunya 10 - Nr. 15 Woltmann 1.Schiedsrichter: Brökelmann (Dortmund) und Schneider (Wuppertal). Stationen: 6:6 (2.) - 11:17 (7.) - 19:19 (8.) - 23:21 - 23:28 (nach 1. Viertel) - 33:34 (14.) - 41:34 (18.) - 43:41 (19.) - 48:41 (Halbzeit) - 56:41 (23.) - 61:45 (25.) - 61:53 (27.) - 63:53 (28.) - 63:65 (nach 3. Viertel) - 63:72 (32.) - 68:80 (34.) - 75:87 (39.).