Sport Die ARD-EM-Kommentatoren des Tages: Gottlob gewinnt

Eine Kolumne von Benjamin Kraus | 16.06.2016, 01:12 Uhr

Drei Spiele am Mittwoch, drei TV-Spielbegleiter in der ARD, drei Charaktere: Sieger des Kommentator-Kritik-Tages – mit Kurzrepliken hinter dem Hashtag-Kreuz (#) – ist Gerd Gottlob.

 Slowakei – Russland mit Gerd Gottlob: Der Kommentator bewies hellseherische Fähigkeiten, als er beim Stande von 2:0 ansagte, es handele sich um das bis dato torreichste EM-Spiel – das wurde es aber erst nach dem Tor der Russen (zusammen mit zwei anderen Partien). Dazu feierte er die drei sehenswerten Treffer und riss in der spannenden Schlussphase die Fans vor dem Bildschirm mit. Zuvor fand er für die fehlenden Ideen der Russen die richtigen Worte („Also wenn sie die Klasse haben, zeigen sie sie nicht“) und ließ auch von der UEFA-Bildregie ignorierte, aber von Russen-Fans gezündete Böller nicht unerwähnt – ohne es unangemessen zu dramatisieren.

 Frequentierte Floskel (dreimal): „Den Russen läuft die Zeit davon.“

 Starker Spruch: „Heute Hallenfußball hier.“ (#GeschlossenesStadiondach #werkann)

 (Weiterlesen: Boatengs Schwester bei Markus Lanz)

 Rumänien – Schweiz mit Steffen Simon: „Seferovic ist keiner, der verlässlich trifft, das wissen sie in Frankfurt.“ Oder auch „Shaquiri hatte da eine Idee, nur weiß er selbst nicht mehr, welche“: So die spöttischen Kommentare über die Schweizer, mit denen der WDR-Sportchef erst „glänzte“. Doch er war selbst nicht auf Ballhöhe, als er acht Sekunden brauchte, um zu merken, dass Schiedsrichter Karasev Elfmeter gegeben hat, bevor er mit der Wertung des Pfiffs nach dem klaren Festhalten von Lichtsteiner als „oberstreng“ total danebenlag – in der Schlussminute korrigierte er sich.

 Frequentierte Floskel (achtmal): „Oooh, einen Tick...!“ (...zu lang, zu stark, zu hoch)

 Starker Spruch: „Ohne technische Hilfe war das nicht zu sehen.“ (#undmitihnen?)

 (Weiterlesen: Sky-Experte Markus Merk: Ich war nie Freund der Torrichter)

 Frankreich – Albanien mit Tom Bartels: Schöne Anekdote des Kommentators, als er vortrug, dass der Vater eines Freundes einst den Albaner Mergim Mavraj als Kind von der Leichtathletik-Laufbahn zog – und zum Fußball brachte. „Wie die vorn draufgehen“, freute sich Bartels, den auf der anderen Seite zunächst nur Kingsley Comans Trick („Oooh, around the world“) zum Jubeln brachte. Erst nach der Pause rissen ihn auch die Franzosen mit guten Aktionen aus dem Sessel – noch viel gemacht aus einem torarmen Spiel.

 Frequentierte Floskel (dreimal): „Das muss er pfeifen.“

 Starker Spruch: „Iniesta wäre das nie passiert. Aber es ist ja auch Lenjani.“ (#verpasstesAbspiel #keinVorwurf)

 Die stärkste Aktion des Tages lieferte aber wohl Mehmet Scholl mit seinem Volleyballschläger-Spruch.