Sport Boatengs Schwester bei Markus Lanz: Souverän sortiert

Eine Kolumne von Benjamin Kraus | 15.06.2016, 20:04 Uhr

Wenig Überraschendes, aber genug Grundsätzliches bot am Mittwochabend die Talkshow Markus Lanz, bei der die Ex-Fußball-Kommentatoren Marcel Reif und Heribert Faßbender über die Europameisterschaft plauderten – und Avelina Boateng als Schwester von Nationalspieler Jerome noch einmal mit der unsäglichen Gauland-Nummer aufräumen durfte.

Zur Verbal-Attacke des AfD-Politikers Alexander Gauland, zu der er später nicht mehr stand, weil wie so oft die böse Lügenpresse daran schuld gewesen sein soll , ist ja hinlänglich viel Richtiges gesagt worden, nicht zuletzt aus der Redaktion der NOZ Medien. Die Einzige, die bis dato dazu wohl noch nicht offiziell befragt worden war: Avelina Boateng, die Schwester des Nationalspielers, der zuvor auf dem Platz schon die richtige Antwort gegeben hatte. Aber dafür haben wir ja Lanz.

Stark, dass die jüngere Schwester des Fußballers ebenso wie ihr Bruder zuvor ganz gelassen die Dinge einsortierte, als sie der Showmaster darauf ansprach. Sie sei erstmal erstaunt gewesen, sagte Avelina Boateng: „Woher will der denn wissen, wie mein Bruder so als Nachbar ist? Ich habe den Kontext zuerst gar nicht kapiert“, sagte die Tänzerin und Sängerin. In ihrer Familie sei es kein großes Thema gewesen, sie wisse aber, dass ihre Mutter – wie wohl jede Mutter dieser Welt in einer solchen Situation – natürlich verletzt gewesen sei, weil jemand so über ihren Sohn gesprochen habe. Und sie habe nicht verstanden, warum eine solche Äußerung in der Zeit, in der wir heute leben, gemacht wird, sagte Boateng.

So erntete sie Zustimmung in Form von feiner Ironie von Ex-Kommentator Marcel Reif („Ich bin so Leuten wie Gauland immer dankbar, wenn sie sich mal so richtig äußern“), in Form des eingebrachten Schwarmintelligenz-Argumentes von seinem Berufskollegen Heribert Faßbender („Die Reaktion des weit überwiegenden Teils der Bevölkerung war gut und richtig“) und in Form eines der bekannten und nicht immer komplett zielführenden Ausbrüche von Reiner Calmund („Für so eine Aussage kann man sich noch nicht mal entschuldigen. Ich würde, wenn ich könnte, den aus unserem Land ausweisen (...) Wenn ich jetzt die bildhübsche Avelina hier sehe, Junge Frau mit Ausstrahlung, intelligent, herzlich: Ich würde jubeln, wenn einer meiner Söhne sie heiraten würde. Und der Jerome ist deshalb so weltklasse, weil er immer an sich gearbeitet hat und ein fantastischer Junge war und ist.“)

Was war sonst noch? Lanz fragte bezüglich der Rettungstat von Boateng gegen die Ukraine, als der Fußballer ins Tor flog, ob denn das Torgestänge dort unten gepolstert sei – woraufhin Ex-Fußballer Hansi Müller mal wieder an die tragische Verletzung von HSV-Verteidiger Ditmar Jakobs aus den 80er Jahren erinnern durfte. Und David Odonkors Auftritt bei Lanz war geprägt vom Rückblick auf die WM 2006, als er die Flanke seines Lebens zum 1:0-Sieg gegen Polen schlug – wobei die größte Neuigkeit jene war, dass dieses Spiel, das an diesem Donnerstag bei der EM in eine Neuauflage geht, am Tag der Ausstrahlung der Lanz-Show genau 10 Jahre her war.

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