Sport Baerhausen klagt gegen den VfL auf Schmerzensgeld

13.08.2001, 22:00 Uhr

Der Fußballprofi Günter Baerhausen verklagt seinen früheren Klub VfL Osnabrück auf Schmerzensgeld und Schadensersatz im hohen fünfstelligen Bereich. Das kündigte der Rechtsanwalt des 32-Jährigen gestern gegenüber unserer Zeitung an. Baerhausen macht den VfL für seine Knieverletzung verantwortlich, die er sich im November 2000 beim Training zugezogen hat. Der Verein weist die Ansprüche des Abwehrspielers als unbegründet zurück.

,,Der Verein hat billigend in Kauf genommen, dass sich die Spieler auf einem Platz verletzen, der nicht bespielbar war'', sagt Anwalt Dr. Siegfried Strautmann (Bad Iburg), ,,der Verein hat seine Fürsorgepflicht verletzt, er hätte den Platz auf Gefahren prüfen müssen.'' Der Jurist verweist auf ein Urteil des Oberlandesgerichts Hamm, das 1997 ähnlichen Ansprüchen eines A-Jugend-Spielers entsprochen hat. Dabei hatte sich ein Fußballer beim Spiel auf einer öffentlichen Rasenfläche neben dem eigentlichen Sportplatz an einer steinernen Kante verletzt.

,,Alle Ansprüche von Herrn Baerhausen sind durch die Zahlungen der Berufsgenossenschaft abgedeckt - es sei denn, man würde dem VfL Vorsatz nachweisen. Und das ist ja wohl absurd'', entgegnet VfL-Rechtsvertreter Ulf Röbken, ,,Herr Baerhausen will jetzt zum zweiten Mal kassieren, und das finde ich nicht sportlich.'' Röbken hat in einem Schreiben jede Pflichtverletzung des VfL bestritten und sieht einer Auseinandersetzung vor dem Arbeitsgericht gelassen entgegen.

Baerhausen war im November 2000 auf einem Trainingsplatz der Illoshöhe umgeknickt und hatte sich eine Knorpelverletzung im Knie zugezogen. Angeblich war eine Vertiefung im Boden die Ursache für diesen Unfall. ,,Schon zehn Tage vorher hatte sich dort ein Spieler verletzt, der Verein kannte die Gefahr'', sagt sein Anwalt. VfL-Vertreter Röbken: ,,Herr Baerhausen kannte den Platz seit über drei Jahren. Trainingsverletzungen gehören zum Berufsrisiko von Fußballprofis, die entsprechend abgesichert sind.''

Baerhausens Anwalt hat vom VfL in einem ersten Schritt 30000 DM gefordert, sieht das aber nur als Schmerzensgeld und erwartet unter Einschluss der materiellen Schäden eine ,,deutlich höhere Summe''. Zunächst hatte Strautmann die Forderungen gegenüber der Stadt - die Illoshöhe ist eine städtische Anlage - geltend gemacht, war aber von dort an den VfL verwiesen worden.

Baerhausen, der 1996 aus Wilhelmshaven nach Osnabrück gekommen war, ist seitdem krank geschrieben; derzeit arbeitet der Abwehrspieler in einem Therapiezentrum an seiner Rehabilitation: ,,Ich will auf jeden Fall noch einmal für einen Verein spielen.'' Eine komplizierte Sitzbeinverletzung hatte den Profi zu einer zweijährigen Pause gezwungen; im April 2000 gab er ein viel bestauntes Comeback in der Regionalliga. Der Verein honorierte die Energieleistung mit einem stark leistungsorientierten Zweitligavertrag, sah aber nach der erneuten Langzeitverletzung des 32 Jahre alten Profis von einer Verlängerung ab.