Sport Aufbruch zu neuen Ufern

23.07.2009, 22:00 Uhr

Als unser Leser Dieter Fahldiek aus Hasbergen vor kurzem auf einem seiner Streifzüge durch die Stadt im Osnabrücker Dom vorbeischaute, staunte er nicht schlecht. Da hatte doch glatt jemand am Altar eine Kerze für den VfL mit dem Vereinslogo aufgestellt – so als wolle sich dieser Unbekannte den Segen für die neue Saison erbitten.

Sollten dort schon vor knapp zwei Monaten Kerzen für den VfL postiert worden sein, so ist dieses Flehen nicht erhört worden, denn der VfL stieg bekanntermaßen aus der 2. Liga ab – zum dritten Mal innerhalb dieses Jahrzehnts. Wieder einmal steht ein Neuaufbau an, wieder einmal wurde das Team an Haupt und Gliedern erneuert und erwartet am morgigen Sonntag beim alten Niedersachsen-Rivalen Eintracht Braunschweig (14 Uhr) die erste Bewährungsprobe.

Auch wenn viele VfL-Anhänger noch sauer sind, dass zum Ende der vergangenen Saison so viele Matchbälle ungenutzt blieben und der Gang in die 3. Liga angetreten werden musste, so scheinen sie doch in der neuen Umgebung ihrem Club die Treue halten zu wollen. Das wird auch durch den Dauerkarten-Verkauf dokumentiert – etwa 4500 Saisonabos wurden bis jetzt abgesetzt, so viele wie nie zuvor auf Drittliga-Niveau.

Gleichwohl – Stimmung und Interesse stehen und fallen mit dem Erfolg. Dass sich die Verantwortlichen im Verein nicht zur Aussage versteigen, den direkten Wiederaufstieg zum Maß der Dinge zu machen, ist klug und zeugt von Realitätssinn. „Es wird eine äußerst enge Angelegenheit, ich sehe bis zu neun Mannschaften, die für die Aufstiegsplätze in Frage gekommen“, sagt Präsident Dr. Dirk Rasch.

Dass der VfL zu den Teams zählen wird, die bis zum Ende im Rennen sind, erhofft man sich beim VfL zwar, weiß aber auch, wie schwer es für den neuen Trainer Karsten Baumann sein wird, die Mannschaft zu einer Einheit zu formen und auf Erfolgskurs zu trimmen. So gibt sich Baumann eher reserviert, wenn er sich zu den Aussichten äußert: „Wir wollen unseren Fans guten Fußball zeigen und oben mitmischen. Favoriten sind für mich aber Unterhaching, Offenbach und Ingolstadt. Unterhaching ist im Vorjahr nur knapp gescheitert, Ingolstadt hat viel investiert, Offenbach sich gut verstärkt.“ Der VfL und Ingolstadt zählen zu den am häufigsten genannten Vereinen, wenn nach dem Aufstieg gefragt wird.

Dass Sportdirektor Lothar Gans und Baumann in der Zusammenstellung der Mannschaft strategisch den richtigen Weg eingeschlagen haben, steht außer Frage. „Wir wollten einerseits Profis mit Erfahrung, die sich in der 3. und 2. Liga auskennen, andererseit aber auch junge, von Bundesligisten gut ausgebildete Spieler. Das erscheint mir als sinnvolle Mischung“, sagt Gans.

Ob und wie die Rädchen ineinandergreifen, wird sich weisen. Erfolgsgarantien gibt es auch in der 3. Liga nicht – selbst wenn Kerzen aufgestellt werden.