Guetta, Grönemeyer und Lotte Songs und Hymnen zur EM: Teils gut, teils überflüssig

Von Benjamin Kraus | 20.06.2016, 14:07 Uhr

Der Soundtrack der Fußball-EM ist einmal mehr vielfältig: Weltstars geben sich die Ehre, um mit dem Namen des Turniers auch ihren eigenen Namen aufzuwerten – und auch Blödelbarden steigen ein, um sich ihr Stück vom Kuchen zu schnappen. Heraus kommt eine musikalische Achterbahnfahrt. Hier die wichtigsten sieben Songs zum Anhören – und in der Kritik.

1. Der Hochoffizielle: David Guetta feat. Zara Larsson: This One‘s For You. Er ist der House-DJ-Superstar aus Frankreich – und spätestens mit dieser Europameisterschaft haben ihn auch alle im Ohr, die sich bis dato nur für Fußball interessiert haben : David Guetta, 55 Millionen Facebook-Freunde, über 70 Millionen verkaufte Tonträger, unumstrittener Hero als Mainact vieler großer Parties und Festivals. Mit der schwedischen Sängerin Zara Larsson hat er einen eingängigen Song kreiert, der englischsprachige, leichte Text soll die vereinigende Kraft des Sportes transportieren.

  • In einem Wort: Gefällig
  • Spannungsaufbau-Faktor: Vier von fünf Punkten
  • Party-Faktor: Drei von fünf Punkten

2. Die ARD-Hymne: Felix Jaehn feat. Herbert Grönemeyer: Jeder für Jeden: Zeit, dass sich was weiterdreht, dachte sich der Wahl-Londoner Grönemeyer, nachdem er schon zur WM 2006 mit einer Hymne im Geschäft war. Damit es wieder gut funzt, gab es für den Sänger prominente Unterstützung vom Mainstream-Soundbastler Felix Jaehn. Herausgekommen ist ein zwar unverwechselbares, aber irgendwie auch undefinierbares Knödel-Ton-Gemisch.

  • In einem Wort: Absackend
  • Spannungsaufbau-Faktor: Drei von fünf Punkten
  • Party-Faktor: Einer von fünf Punkten

3. Die ZDF-Hymne: Mark Forster: Wir sind groß: Der in Kaiserslautern geborene Sänger muss angesichts dieser Tatsache eigentlich Fußball im Blut haben. Er legt ein für die letzten Jahre typisches deutschsprachiges Radio-Musikstück vor. Bisschen Fernweh, bisschen Pathos, bisschen Gitarre – man könnte auch sagen: Ein Frauen-Lied zur EM.

  • In einem Wort: Schmusi-Musi
  • Spannungsaufbau-Faktor: Drei von fünf Punkten
  • Party-Faktor: Zwei von fünf Punkten

4. Die Bier-Hymne: Jan Zerbst & Mickie Krause: Schalala nach Hause: Anerkennend muss man sagen, dass die beiden Blödel-Barden auch im Songtext zugeben, dass sie nie den Anspruch hatten, einen ernsthaften Beitrag zur deutschen Musikkultur zu leisten („Der Text ist ja hier sowieso scheissegal / Schalalala irgendwas mit Pokal“). Zudem haben sie ihr Video zum Song im Stadion und mit den Regionalliga-Meisterspielern der Sportfreunde Lotte gedreht: Da gibt es natürlich Bonuspunkte in der Lokalkolorit.-Wertung.

  • In einem Wort: Bierselig
  • Spannungsaufbau-Faktor: Null von fünf Punkten
  • Party-Faktor: Vier von fünf Punkten

5. Die Newcomer: Cuba Libre: Arriba Deutschland: Die Studienfreunde Alberto Garcia, Peter Scholz, Martin Brinkmann und Michael Nießner aus Hessen wollten eigentlich nur gemütlich mit Freunden und Familien grillen. Zuvor aber wurde musiziert. Seit 18 Jahren gibt es ihre Band, in letzter Zeit war es ruhig geworden um die Cuba Libre, eine Band, die lateinamerikanische Rhythmen mit Rock und Pop verbindet. Nun aber gelang mit der Nummer mit spanischem Einschlag einen Überraschungserfolg: Radiostationen luden die Band ein, sogar die Tagesthemen berichteten über die Koproduktion aus Offenbach, Fulda und Kassel. „Das Lied passt super zum multikulturellen Offenbach“, so Gitarrist Nießner gegenüber der „Offenbach Post“.

  • In einem Wort: Sympathisch
  • Spannungsaufbau-Faktor: Drei von fünf Punkten
  • Party-Faktor: Fünf von fünf Punkten

6. Der Abstauber: Max Giesinger: 80 Millionen: Der Song war in seiner ursprünglichen Fassung ein klassisches Liebeslied. Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen – unter Deutschlands 80 Millionen Einwohnern. Für die Europameisterschaft hat der leidenschaftliche Fußball-Fan den Text abgeändert: „ Es wird nicht leicht, aber ihr schafft das schon, denn ihr seid nicht alleine: Hinter euch stehen 80 Million“, heißt es nun im Lied – unterlegt mit Original-Kommentaren von Tom Bartels aus dem WM-Finale 2014.

  • In einem Wort: Verwandelt
  • Spannungsaufbau-Faktor: Vier von fünf Punkten
  • Party-Faktor: Drei von fünf Punkten