Reporter unterwegs Unter Freunden

Meinung – Johannes Kapitza | 13.06.2016, 21:36 Uhr

Auf Deutsche trifft Johannes Kapitza in Frankreich in regelmäßigen Abständen. Eine Begegnung hat 14 Jahre auf sich warten lassen.

In Mathematik habe ich meistens aufgepasst. Die Wahrscheinlichkeitsrechnung hatte trotzdem ihre Fallstricke, aber vielleicht haben Sie eine Lösung: Meine Heimatstadt Melle hat rund 46000 Einwohner. Den deutschen 2:0-Auftaktsieg gegen die Ukraine sehen 43035 Zuschauer im Stadion von Lille, knapp 500 Kilometer entfernt von daheim. Wie wahrscheinlich ist es, dass zwei Meller im Stadion keine fünf Meter auseinander sitzen? Ich hatte mir darüber vorab nie Gedanken gemacht, weshalb ich erst schalten muss, als mich eine Stimme freundlich von der Seite anspricht.

René und ich kennen uns, nicht seit Kindertagen, nicht sehr intensiv, aber wir sind uns schon mal bei dieser oder jener Gelegenheit über den Weg gelaufen. Ein Fußballspiel in Lille gehörte bislang nicht zu den verbindenden Elementen. Jetzt schon. Wir sprechen kurz über die Anreise, die Vorfreude auf das Spiel. Nachts geht es für ihn und seinen Schwager wieder nach Hause.

Eine besondere Begegnung in der vergangenen Woche war indes nicht zufällig, sondern geplant – mit Kerstin, einer Studienfreundin, die inzwischen in Paris arbeitet. Frühzeitig hatte sie den Studienort gewechselt, aber der Kontakt war – dank Internet – immer lose erhalten geblieben. Nun haben wir uns wiedergesehen, das erste Mal nach sage und schreibe 14 Jahren, wie wir ausgerechnet haben. Wir waren zum Essen sozusagen im ersten Haus am Platz – also einem Touristencafé, wobei Kerstins Paris-Expertise uns vor allzu unverschämten Preisen bewahrte. Das Essen war okay, der Kellner nicht sehr freundlich. Dieses Lokal wird mich wohl frühestens in 14 Jahren wiedersehen. Vielleicht sitzt dann ja ein Meller am Nebentisch. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, aber eben auch nie ganz auszuschließen.