#ranNFLsuechtig: Start in Playoffs Fünf Gründe, warum American Football im TV funktioniert

Von Benjamin Kraus | 06.01.2017, 19:09 Uhr

American Football liegt im Trend: Schon vor dem Start in die NFL-Playoffs an diesem Wochenende hat der US-Sport in dieser Saison seine Fanbasis hierzulande erneut signifikant vergrößert. Das liegt nicht zuletzt an den starken TV-Übertragungen in SAT.1 und im Nischensender ProSiebenMaxx. Fünf Gründe, warum die Inszenierung des American Football im deutschen TV funktioniert.

Die intuitive Verständlichkeit des Spiels an sich? Liegt, zumindest für Laien, nicht wirklich vor. Der komplizierte Modus mit je vier Divisionen in zwei Conferences, aus denen sich 12 Teams für ein Achtelfinale qualifizieren, in dem vier Mannschaften bereits für ein Viertelfinale gesetzt sind? Kann abschrecken. Die vielen Unterbrechungen eines Matches? Nerven nicht nur jene Zuschauer, die aus dem Fußball oder anderen Ballsportarten fortlaufende Action gewöhnt sind. Hinzu kommen nicht wirklich sympathische Auftritt der Liga-Verantwortlichen und nicht wenige Skandale, die sich durch die NFL-Saison gezogen haben. Trotzdem boomt American Football in Deutschland – vor allem bezüglich der Quoten im Fernsehen, wo der Sport hinter dem Fußball inzwischen dem Handball oder dem Basketball nachhaltig seinen Rang als Nummer zwei streitig macht. Warum das funktioniert, wird hier in fünf Gründen aufgeschlüsselt.

 Grund 1: Die „Anstoßzeit“: American Football läuft in den allermeisten Fällen am Sonntagabend ab 19 Uhr, wenn die Fußball-Bundesliga durch ist, sonst kein Live-Sport im Fernsehen mehr kommt, aber jeder gleichzeitig Zeit hat – und im Gegensatz zum Rest des Wochenendes ziemlich sicher zu Hause ist: An jedem verdammten Sonntag Tatort schauen ist ja auch keine Option für den Sportinteressierten, gerade wenn er aus der jüngeren Zielgruppe stammt, die „ran“ in Blick hat: Unter dieser Marke überträgt der Rechteinhaber ProSiebenSat1 in Deutschland American Football im Internet sowie im TV auf ProSiebenMaxx (Regelbetrieb) und Sat1 (Highlights). Und für diese Zielgruppe unternimmt ran vieles, auch und gerade neben dem Footballfeld...

 Grund 2: Die „Typen“: Am Bekanntesten unter den Football-Moderatoren dürfte dem Sportkenner Frank Buschmann sein: Der Typ, der normalerweise vor allem bei spannenden Basketball-Übertragungen latent am Rande des Abdrehens wandelt und dann gerne mal jeden versenkten Freiwurf wie den Gewinn einer Europameisterschaft feiert – was man aber auch mit den „Big Plays“ (oder auch halbwegs gelungenen oder misslungenen Spielzügen) im American Football machen kann. Doch hinter Buschmann steht ein ganzes Team aus weiteren kantigen Moderatoren (Jan Stecker) sowie meinungs- und ausdrucksstarken Experten und Sidekicks. Bestes Beipiel dafür ist Patrick Esume (hier eine eigene Geschichte mit dem Football-Coach und TV-Experten) , der zugibt, dass Emotionen dazugehören: „Ich glaube, es macht den Charme aus, dass sich keiner von uns verstellt und, dass es nicht aufgesetzt wirkt“, sagt der 42-Jährige. Gelegentlich komme es aber schon vor, gab Esume zu, dass die Sendeleitung ihn und die anderen bremse. „Es ist schon lustig, was da manchmal auf dem Kopfhörer passiert“, lacht Esume. Auch der sogenannte Social-Media-Experte Icke Dommisch mit seiner haarbetonten blonden Ganzgesichts-Frisur. Moment – ein Social-Media-Experte?

 Grund 3: Die sozialen Netzwerke Sie werden durch Dommisch perfekt eingebunden, und zwar nicht gezwungen oder fürs Protokoll, wie am Ende verschiedener Talkshows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, sondern zwischendrin, wenn die Zuschauer selbst zur Geschichte gemacht werden: Per Hashtag #ranNFLsuechtig werden die Fans aufgefordert, über die sozialen Netzwerke entweder ein (natürlich möglichst schräges) Foto von sich selbst zu posten, wie sie die Übertragung genießen – oder einfach mitzuteilen, was sie gerade beschäftigt. „Icke“ holt sie dann in die Show, feiert die Fans am Bildschirm ab. Dies hat gleichzeitig einen brillanten Nebeneffekt: So werden die unglaublich vielen Spielpausen, in denen die amerikanischen Networks Unmengen an Werbespots zeigen, elegant und für die Fans unterhaltsam überbrückt. Eine echte Innovation im Vergleich zu den vorherigen Übertragungen, als etwa zu Premiere-Zeiten simple Ergebnisleisten ins Bild gerückt wurden und das immer gleiche NFL-Theme abgespielt wurde - was beim 30. Mal einfach nervte, egal, wie gut einem die Musik grundsätzlich gefallen hat...

 Grund 4: Der Moderationsstil Nicht nur die Debatten fesseln, sondern auch die Tatsache, dass man die TV-Protagonisten immer wieder sehen kann: Wenn nämlich im US-Fernsehen Werbung läuft, klinkt sich die deutsche Regie aus der Übertragung aus und schaltet sofort ins Studio – und die TV-Begleiter werden sofort von Kommentatoren zu Moderatoren. Und dann wird eben diskutiert: In jedem Fall leidenschaftlich, manchmal etwas chaotisch, aber immer authentisch: so sprechen sie über American Football bei ran – und das macht schon Spaß.

 Grund 5: Der Sport. Ach ja, da war ja doch noch was. Der Sport an sich. Wenn man die erste Hürde mal überwunden hat und sich ein wenig auf ein Match einlässt, packt einen das Spiel recht schnell mit seiner Faszination: Die Quarterbacks als Spielmacher mit ihren verschiedenen Ansätzen, Stärken und Schwächen, die verschiedenen Typen von Sportlern auf dem Feld: Große und kräftige Kerle im Zentrum des Spiels, die mit Kraft arbeiten, dagegen kleine und wendige Typen, die mit Schnelligkeit und Wendigkeit die Lücken zwischen jenen Kraftprotzen suchen. Und natürlich die taktischen Kniffe, die in diesem Konglomerat durch die Coaches gezogen werden und noch einmal auf ihre Art faszinieren.

 Fazit: Mann muss die USA nicht mögen, um American Football zu mögen. Man darf sich beim ersten Mal vielleicht auch nicht abschrecken lassen vom Regeldickicht und vom eher ungewöhnlichen Präsentationsstil bei „ran“. Aber wer einmal dabei bleibt, lässt sich mitreißen und kommt wieder. Gerade jetzt in den Playoffs zum Super Bowl.