Olympiasieger wird operiert Fabian Hambüchen: Voll Bock auf die Reha

Von Volkmar Schäfer | 23.02.2017, 13:02 Uhr

Ruhig ist es für und um Fabian Hambüchen in den letzten Monaten nicht geworden. Obwohl der Turn-Olympiasieger seine internationale Karriere nach dem goldenen Moment von Rio beendet hat, bleibt er omnipräsent.

Ob bei der Sportler-Doku „Ewige Helden“ im TV-Sender Vox („Es ist spannend zu sehen, was die Fernsehleute aus all den Sprüchen und Bildern machen“) oder als Kritiker der neuen Spitzensportreform – für den 29-Jährigen wird es auch sechs Monate nach der sportlichen Krönung nicht langweilig.

„Heute ist zum Beispiel ein perfekter Tag. Ich kann mal wieder turnen, und dann auch noch an meinem Reck von Rio“, sagt Hambüchen am Mittwoch. In Erinnerungen an seine siegbringende Kür von Brasilien schwingt er sich im Kunstturnleistungszentrum in Wetzlar-Niedergirmes in die Höhe, um den Fotografen und Fernsehkameras trotz seiner gerissenen Sehne in der rechten Schulter Actionbilder zu liefern. Wieder weich gelandet, redet „Fabi“ über seine Verletzung, den Spagat zwischen Terminhatz und Ruhepausen und erklärt nochmal seine Kritik an der geplanten Zentralisierung des Spitzensports in Deutschland.

 Fabian Hambüchen, die wichtigste Frage vorab: Wie geht es Ihnen? 

Fabian Hambüchen: Grundsätzlich geht es mir gut. Es war klar, dass wir nach Rio was mit der Schulter machen mussten. Der Riss dieser Sehne ist eine klassische Verletzung fürs Turnen. Ich habe meine Beschwerden, und heute Abend oder heute Nacht wird die Schulter nach der Turnerei hier am Reck sicher zwicken. Aber ich bin guter Dinge, dass es nach der Operation besser ist. Professor Brunner macht einen Top-Eindruck.

Vorerst keine Bundesliga

 Am 6. März werden Sie operiert. Wie geht es danach weiter, auch mit Blick auf mögliche Bundesliga-Starts für die KTV Obere Lahn? 

Hambüchen: Sechs Monate brauche ich definitiv, bis ich wieder voll belasten kann. Was im Herbst mit den letzten Bundesliga-Wettkämpfen wird, kann ich jetzt noch nicht sagen. Mit der KTV habe ich alles besprochen, dass sie erstmal ohne mich planen. Aber dafür haben wir Lukas Dauser mit dabei. Wir sind gut aufgestellt.

 Kommen Sie aufgrund der Schulter-OP auch mal ein bisschen zur Ruhe? 

Hambüchen: Bis Ostern machen wir erstmal easy, wir haben die Termine runtergefahren. Ich werde die Zeit zu Hause mit Freundin und unserem neuem Kater Charly genießen. An der Uni in Köln muss ich im nächsten Semester nur eine Hausarbeit schreiben, im Winter fange ich wieder richtig an. Ich habe noch zwei Praxissachen, die ich machen muss

Ohne Sport geht´s nicht

 Vermissen Sie den Leistungssport schon ein bisschen? 

Hambüchen: Mir fehlt schon dieser geregelte Tagesablauf. Ich merke, dass ich total unausgeglichen werde. Ohne Workout geht’s für mich nicht. Deshalb war ich am Montag auch mal joggen und habe jetzt schon voll Bock auf die Reha nach der Operation. Da kann ich wieder richtig viel Sport machen.

 Kurz zu Ihrer Kritik an der neuen Spitzensportreform ... 

Hambüchen: Ein Spitzensportler soll da trainieren, wo er sich am wohlsten fühlt. Wenn das die Heimat ist, warum soll er dann wechseln. Das macht keinen Sinn. Ich bin auch ohne Zentralisierung gut geworden. Meinem Vater mit seiner Stelle und mir mit den Trainingsbedingungen wurde das in Wetzlar ermöglicht, wir haben das hier selbst organisiert. Das gönne ich jedem Sportler. Wir sind keine Objekte, die Medaillen holen sollen, sondern Menschen.