Nach Gaulands Beleidigung Eine Welle der Solidarität mit Boateng beim EM-Testspiel

Von Sportredaktion | 29.05.2016, 23:29 Uhr

Die diskriminierenden Worte des stellvertretenden AfD-Vorsitzenden Alexander Gaulands über Nationalspieler Jérôme Boateng haben eine Welle der Solidarität ausgelöst. Auch beim Testspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Slowakei war das im Stadion in Augsburg zu spüren.

„Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut, aber wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben“, hatte der Politiker der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gesagt – damit löste er einen Sturm der Entrüstung aus. Zugleich kam aber auch eine Welle der Solidarität für den Weltmeister, denn viele wollen den Fußball-Profi als Nachbarn.

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Testspiel gegen Slowakei

 Auch im Stadion am Sonntagabend war die Unterstützung für Boateng sichtbar, etwa auf Spruchbändern, die von den Zuschauern aufgehängt wurden: „Jerome, sei unser Nachbar!“. Auch seine Mitspieler unterstützen ihn: Benedikt Höwedes postete Fotos von sich und Boateng im Internet, dazu schrieb er: „Wenn du für Deutschland Titel gewinnen willst, brauchst du Nachbarn wie ihn.“

Auch Liga-Präsident Reinhard Rauball und Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), verurteilten die Gauland-Aussagen in einer gemeinsamen Erklärung scharf: „Der Fußball und die gesamte Gesellschaft sind aufgerufen, sich von derartigen Gedanken ohne jeden Zweifel zu distanzieren. An dieser Stelle kann es keine Toleranz und erst recht kein Verständnis geben. „ Der neue DFB-Präsident Reinhard Grindel sagte der FAS, es sei „einfach geschmacklos“, die Popularität Boatengs und der Nationalmannschaft „für politische Parolen zu missbrauchen“.

Bierhoff: „Es belastet ihn nicht“

„Jerome ist eigentlich entspannt und fokussiert. Es belastet ihn nicht“, berichtete Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff in der Halbzeitpause des vorletzten Testspiels vor der EM. „Es ist unschön, weil er in eine Diskussion kommt, in der er nicht rein will. Blöd ist auch, dass seine Familie belastet wird, man fragt nun in der Nachbarschaft rum. Also alles Dinge, die man nicht in seinem Privatleben haben möchte.“

 Gauland ruderte bereits zurück und hatte die Aussagen bestritten. Die FAS widersprach der Darstellung des AfD-Politikers und erhielt dabei Unterstützung vom Deutschen Journalisten-Verband (DJV), dessen Bundesvorsitzender Frank Überall Gauland „perfides Spiel“ vorwarf.

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