Mit Trainer Lienen Ein Jahr St. Pauli: Vom Ab- zum Aufstiegsanwärter

Von dpa | 15.12.2015, 14:49 Uhr

Es ist die vermutlich größte Leistung eines Trainers, einen kriselnden Abstiegskandidaten zu übernehmen und innerhalb eines Jahres zu einer Spitzenmannschaft zu formen. Trainer Ewald Lienen ist dieses Kunststück mit dem FC St. Pauli gelungen.

Vor genau einem Jahr heuerte der Trainer-Routinier Ewald Lienen auf St. Pauli an. Am 16. Dezember 2014 lag der Verein als Tabellenletzter der 2. Fußball-Bundesliga am Boden. Inzwischen kann Lienen selbst nach einem mauen 0:0 im Montagabendspiel gegen Arminia Bielefeld noch lachen. „Es war, als wäre ein Frosch im Ball gewesen“, grantelte der 62 Jahre alte Perfektionist über die schlechten Platzverhältnisse bei seinem Heimatverein auf der Alm. Mit dem Punktgewinn bleiben die Hanseaten auf dem vierten Tabellenrang, punktgleich mit dem drittplatzierten 1. FC Nürnberg.

Eine komfortable Situation, die bei Lienens Amtsantritt noch undenkbar war. Damals hatte der Kiezclub die schwächste Abwehr der Liga und nur drei von 17 Spielen gewonnen. Lienen stabilisierte die Verteidigung, strahlte trotz des harten Existenzkampfes Ruhe aus und legte den Grundstein für einen starken Endspurt mit 15 Punkten aus den letzten acht Spielen. Nach 34 Spieltagen war St. Pauli gerettet - mit einem Punkt über dem Strich.

Maximale Einsatzbereitschaft

Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft wurden im Sommer gelegt. Elf Spieler wurden abgegeben, nur fünf neue kamen von außen hinzu. Sportchef Thomas Meggle erklärte: „Letzte Saison war die Gruppe zu groß. Viele waren unzufrieden. Unsere Idee war, eine kleine Truppe mit Lizenzspielern und einigen talentierten Nachwuchsspielern zusammenzustellen. Dadurch fühlt sich nun jeder in der Mannschaft wichtig.“ Dass der FC St. Pauli vom Abstiegskandidaten zum Aufstiegsanwärter mutiert, konnte aber auch er nicht ahnen: „Das entstand einfach aus der Dynamik und der harten Arbeit.“

Die harte Arbeit wird vom akribischen Lienen vorgelebt. Seine Mannschaft steht nicht für spielerischen Glanz und Tor-Spektakel, sondern für eine kompakte Abwehr und maximale Einsatzbereitschaft. Das soll auch der Schlüssel für die weitere Saison sein. „Wir müssen darauf achten, dass der Biss und die Aggressivität bei uns immer erhalten bleiben. Nur dann gewinnen wir Zweikämpfe und kommen in die Kontersituationen. In den Spielen, die wir verloren haben, fehlte uns dieser Biss“, sagte Lienen, der auch mit seiner linksorientierten Gesinnung bestens zum Verein passt.

Es bleibt nur wenig Zeit, um die Mannschaft auf das letzte Saisonspiel vor der Winterpause vorzubereiten. Am Freitagabend (18.30 Uhr/Sky live) wird der Karlsruher SC im Millerntor-Stadion zu Gast sein. Die Badener, die vergangene Saison in der Relegation um den Bundesliga-Aufstieg knapp am Hamburger SV scheiterten, stehen lediglich auf Tabellenplatz elf. Das Hinspiel gewann der FC St. Pauli mit 2:1. Es war der erste Saisonsieg – und gleichzeitig der Beginn eines überraschend starken Spieljahrs.