Kommentar zu Neymars WM-Aus Zúñigas Attacke gegen Neymar war Körperverletzung

Meinung – Mark Otten | 05.07.2014, 21:37 Uhr

Statt über Brasiliens Einzug ins WM-Halbfinale, spricht die Fußballwelt über das Aus für Stürmerstar Neymar. Zurecht, denn Juan Zúñigas Attacke war kein Foul, sondern Körperverletzung. Ein Kommentar.

Wer sich als deutscher Fan über Neymars WM-Aus freut, dem ist nicht zu helfen. Nicht nur, weil es hier um ein persönliches Schicksal geht. Viel mehr, weil im Halbfinale einer Weltmeisterschaft die besten Teams mit all ihren Stars auf dem Platz stehen sollten. Das sind die Spiele, die im Kopf bleiben. Nicht das achte Spiel einer WM-Qualifikation gegen einen viertklassigen Gegner aus dem Gebiet der ehemaligen UdSSR.

Aber wäre es nicht schön, wenn bei einer WM auch WM-würdige Schiedsrichter zum Einsatz kämen? Wenn ein Spieler ohne Chance auf den Ball den Gegenspieler attackiert, dann ist das ein Foul. Juan Zúñiga aber hat Neymar sein Knie mit Anlauf und Berechnung in den Rücken gerammt. Das war kein Foul, das war Körperverletzung. Zúñiga hatte keine Chance an den Ball zu kommen. Er wollte den Gegner schwächen. Was nutzen Hilfsmittel wie Torlinientechnik oder Freistoßspray , wenn ein Schiedsrichtergespann eine so offensichtliche Attacke falsch bewertet?

Wer seine Hoffnung auf die angekündigte Untersuchung durch die FIFA setzt, wird enttäuscht werden. Denn Schiedsrichter Carlos Velasco Carballo hatte die Szene gesehen, bewertet und auf Vorteil entschieden. Eine nachträgliche Strafe durch den Fußballverband, wie im Falle des Beißers Luis Suarez , ist nur möglich, wenn der Referee die entscheidende Szene nicht gesehen hat und erst Videobilder für Aufklärung sorgen. Und das ist das Stichwort: Hätten Trainer zwei, drei Gelegenheiten, das Spiel für eine Überprüfung der Videoaufnahmen zu unterbrechen, wären Suarez und Zúñiga sofort bestraft worden. Natürlich hätte die notwendige Rote Karte für Zuniga den Wirbelbruch Neymars nicht ungeschehen gemacht. Aber sie hätte den Fußballfans ein Gefühl von Gerechtigkeit beschert und dafür gesorgt und gezeigt: Im Jahr 2014 wird unsportliches Verhalten konsequent bestraft. So bleibt vor allem Frust.