Kommentar WM-Erfolg: Deutschland ist der logische Sieger

Meinung – Michael Jonas | 14.07.2014, 10:44 Uhr

Deutschland ist der logische Sieger einer Weltmeisterschaft, die so generalstabsmäßig vorbereitet wurde wie wohl sonst von keiner anderen teilnehmenden Nation. Nichts wurde dem Zufall überlassen. Das Unternehmen Titelgewinn fing schon früh an – eine Analyse.

Die Maßnahmen als Reaktion auf die unterschiedlichen klimatischen Bedingungen, die Schaffung bestmöglichster Voraussetzungen für die Spieler und das Funktionsteam, sportlich wie auf persönliche Dinge zugeschnitten, der ideale Standort für die Reisen zu den Spielorten – der DFB hat ganze Arbeit geleistet. Das Unternehmen Titelgewinn fing aber schon viel früher an.

Die kontinuierliche Aufbauarbeit hat sich ausgezahlt. Nach dem Desaster von Portugal 2004 mit dem Ausscheiden nach den Gruppenspielen begann eine neue Phase des deutschen Fußballs. Das war nicht zuletzt ein Verdienst des ehemaligen Bundestrainers Berti Vogts, der nach dem Rückzug von Rudi Völler die Initiative übernahm und Jürgen Klinsmann als Teamchef vorschlug. Mit dem heutigen USA-Coach und Joachim Löw begann eine Neustrukturierung der Nationalmannschaft. 2006 holte er den deutschen Rumpelfußball auch in der Öffentlichkeit aus seiner Lethargie und machte das Sommermärchen mit der viel umjubelten WM in Deutschland erst möglich. Das Duo gab dem deutschen Fußball ein neues Gesicht und seine Identität zurück. Wie will man in der Weltspitze mithalten, wenn sich an Konzeptionen und Personen nichts ändert. Fußball-Deutschland als Mittelmaß – das konnte und durfte nicht sein.

Abwärts nach der EM

„Man muss den ganzen Laden auseinandernehmen“, hatte Klinsmann schon 2004 gesagt und in diesem Zusammenhang einen Manager für die Nationalmannschaft gefordert. Auch das wurde später mit Oliver Bierhoff umgesetzt. Der ehemalige HSV-Profi hat seinen Anteil am Erfolg. Er war es, der schon früh nach Brasilien reiste und alle Vorbereitungen traf.

Spätestens seit dem EM-Titel von 1996 befand sich die deutsche Nationalmannschaft in einer Abwärtsbewegung. Tiefpunkt war die Europameisterschaft 2000 unter Erich Ribbeck mit nur einem Punkt aus drei Gruppenspielen. Mit Völler wurde Deutschland 2002 noch einmal Vizeweltmeister. Der heutige Leverkusener Manager war Teamchef – aber kein Konzepttrainer.

Vergleicht man den Altersdurchschnitt des EM-Teams von 2000 (31 Jahre) mit dem des WM-Teams von 2010 (25 Jahre), so ergibt sich eine Differenz von sechs Jahren. Bei der WM 2010 standen mit Thomas Müller, Mesut Özil, Holger Badstuber, Jerome Boateng und Toni Kroos Spieler im Kader, die noch in der U 21 hätten spielen können. Dieser Verjüngungsprozess war die Basis für den Erfolg in Brasilien. Diese Generation hat noch eine große Zukunft vor sich.

Bis zur WM-Reife

Ohne die Bundesliga wäre das alles nicht möglich gewesen. Das betont Löw immer wieder. Die herausragende Arbeit, mit der Spieler wie der verletzte Marco Reus, Jerome Boateng oder Thomas Müller gefördert und auf WM-Reife gebracht wurden, ist letztlich der Grundstein für das gute Abschneiden der Nationalmannschaft. Nimmt man noch die Leistungszentren der ersten und zweiten Liga dazu, ist ein Paket entstanden, das Brasilien erst möglich machte. Viele haben Anteil an dem Erfolg. Aber in erster Linie ist es Löws Beharrlichkeit zu verdanken.

Er hatte einen klaren Plan, der nicht sofort aufging, weil er nicht wusste, welchen Weg die vor der WM angeschlagenen Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger nehmen würden. Und er hielt an Spielern wie Benedikt Höwedes und Miroslav Klose fest. Junge, hungrige Spieler und Routiniers – diese Mischung machte Deutschland zum Weltmeister . Löw ließ nie Zweifel an der Titelmission. Und das war auch gut so. Mit dem Herumlavieren, das man erst einmal den Turnierverlauf abwarten und von Spiel zu Spiel denken müsse, hatte der Bundestrainer nichts am Hut.

Selbst wenn Löw nach dem größten Triumph seiner Laufbahn vom Amt des Bundestrainers zurücktritt, wird die Mannschaft nicht auseinanderfallen. Der Weltmeister hat Spieler in seinen Reihen, die auch in jungen Jahren schon Führungsqualitäten besitzen. Sie haben gezeigt, dass der deutsche Fußball auf dem höchsten Niveau angekommen ist – und noch für eine lange Zeit dort bleiben wird.