Kommentar Selke-Wechsel nach Leipzig: Falsche Wahl

Meinung – Benjamin Kraus | 01.04.2015, 21:45 Uhr

Es steht niemandem zu, RB Leipzig oder Brausehersteller nur dafür zu verurteilen, dass sie viel Geld haben. Am Bestreben von Fußballprofis, in zehn bis 15 Jahren ihrer aktiven Karriere möglichst viel Geld zu machen, ist auch nichts auszusetzen. Genau deshalb kann man aber zu der Erkenntnis kommen, dass Davie Selke die falsche Wahl getroffen hat.

Er hatte in Bremen alles: einen guten Vertrag, den Stammplatz im Team, die Anerkennung der Fans, das Vertrauen der sportlichen Leitung. Die Talente entwickelt, ihnen – wie ein inzwischen bescheidenes Umfeld – erlaubt, Fehler zu machen, sie fördert – auf höchstem Niveau, in der Ersten Liga. Es gibt kaum ein besseres Sprungbrett für eine große Karriere als Werder in diesen Zeiten.

Nun also Leipzig. Mehr Geld, klar. Aber weniger Geduld im Umfeld eines Klubs, der Großes vorhat. Höhere Erwartungen an einen Neuzugang, für den eine hohe Ablöse gezahlt wurde. Und voraussichtlich zweitklassige Gegner, weniger förderlich für die eigene Entwicklung.

Selke wäre nicht der Erste, der bequem wird, auf tieferem Niveau oder an hohen Erwartungen zerbricht. Und später nicht durchstartet als Nationalspieler oder in der Champions League. Daher darf man sich schon fragen, was Selke für Berater hat.

Wobei es in deren Branche ja zum guten Ton gehört, nur ans eigene Geld zu denken.