Kolumne Reporter unterwegs: Nordiren sind „on fire“

Eine Kolumne von Johannes Kapitza | 20.06.2016, 15:53 Uhr

Es wird warm in der Metro – kein Wunder, denn die Nordiren brennen auf die EM, wie Johannes Kapitza in Paris erlebt.

Es gibt ein Video, auf dem eine Gruppe Iren in der Metro ein Baby in den Schlaf singt. Die Fans von den britischen Inseln sind eh ein besonderes Völkchen. Die Nordiren wollen da nicht hintanstehen. Man muss kein Hellseher sein, um zu ahnen: Es wird am Dienstagabend das stimmungsvollste deutsche Gruppenspiel .

Die Nordiren sind heiß bei ihrer ersten EM-Teilnahme. Will Grigg ist sogar „on fire“. Ein Lied haben die Fans zugunsten ihres Stürmers von Wigan Athletic umgedichtet, es ist so etwas wie der inoffizielle EM-Song . Wo auch immer Fußballfans mit einem nordirischen Trikot auftauchen – entweder stimmen sie den Hit selbst an oder irgendjemand gibt das Stichwort und die Feier beginnt. Würde die EM nach ihren Fans entschieden, hätten die Nordiren gute Chancen aufs Finale.

Sportlich haben die Franzosen gute Karten, aber ihr letztes Spiel gegen die Schweiz sehen ein Kollege und ich nicht auf der Fanzone. Die ist wegen Überfüllung geschlossen, aber in den Kneipen rundherum wird das Spiel auch gezeigt. Franzosen feuern an, Österreicher singen, die Stimmung ist gut. Und immer wieder mittendrin: Die Nordiren. Nach dem Spiel feiern sie, als ob sie selbst gerade gewonnen und kein 0:0 gesehen hätten.

Die Metro ist so voll, dass man sich nicht festhalten muss, und trotzdem nicht umfallen kann. An der nächsten Station steigen weitere Passagiere ein und steigern das Zusammengehörigkeitsgefühl. Die Nordiren lassen sich davon nicht beirren. Sie singen in der U-Bahn weiter. Nur warm ist es hier, der Schweiß rinnt. Kein Wunder bei der Menschenmenge. Vielleicht hätten sie schnell noch die Klimaanlage anschalten sollen, bevor die Nordiren kamen. Denn Will Grigg ist „on fire“ – daran kann nicht mal das allgemeine Rauchverbot in der Metro etwas ändern.

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