Kolumne Markus Merk: Brych zum Auftakt mit guter Leistung

17.06.2016, 11:30 Uhr

Handspiel oder nicht? Abseits oder Tor? Der deutsche Schiedsrichter Felix Brych hatte bei der Partie England gegen Wales drei knifflige Entscheidungen zu treffen. Ex-FIFA-Schiedsrichter Markus Merk hat den Auftritt von Brych beobachtet – und stellt ihm ein gutes Zeugnis aus.

Kurz vor der Pause hatten die Engländer einen Handelfmeter gefordert: Stürmer Harry Kane war mit zwei walisischen Abwehrspielern ins Kopfballduell gegangen – bei der Landung sprang der Ball dem Waliser Ben Davies unstrittigerweise an den Unterarm. Felix Brych pfiff keinen Elfmeter – und für mich hat er hier die richtige(re) Entscheidung getroffen, auch wenn es als Grenzsituation gesehen werden kann. Der Verteidiger sieht den Ball erst sehr spät und ist bei der Landung in einer Bewegung, die nicht gezielt gegen den Ball geht. Und das entscheidende Kriterium Absicht ist für mich nicht gegeben, weil Davies den Ball von oben nicht kommen sieht.

Auf keinen Fall aber, wie von ZDF-Experte Urs Meier kommentiert, kann Brychs Entscheidung eine falsche Entscheidung sein. Ich bin für klare Elfmeter, gerade beim Handspiel muss „in dubio pro reo“ gelten.

Die zweite knifflige Situation war der Ausgleichstreffer der Engländer: Jamie Vardy drosch den Ball aus Nahdistanz ins Tor. Zuvor hatte es im Getümmel vor dem Tor noch einen Ballkontakt gegeben – und zu diesem Zeitpunkt war Vardy klar im Abseits gestanden. Erst mit der Zeitlupe wurde dem TV-Zuschauer klar, dass die Vorlage für Vardy von einem Waliser kam: von Ashley Williams. Das Gespann hat das aber in Echtzeit gesehen: Eine Top-Entscheidung des Teams. Auf dem Spielfeld ist es, vor allem für den Assistenten, wahnsinnig schwer zu sehen, wer zuletzt am Ball war. Stark.

Das „in den Schuss Werfen“ vom Waliser Davies direkt danach, als Englands Lallana abgezogen hatte, hätte aber bestraft werden müssen: Mit Freistoß und auch mit Gelb, denn das war Torwartmanier. Brych hatte aber „nur“ auf Ecke entschieden.

Insgesamt war es eine sehr gute Leistung in einem Spiel, das wie prognostiziert sehr fair war, weil die Spieler respektvoll miteinander umgegangen sind und das Schiedsrichter-Team nur in den Einzelentscheidungen vor Probleme gestellt haben. Letztlich lässt der Spielausgang auch die kritische Situation schnell vergessen ...