Kleinere Gästeliste egal Kommentar zur WM-Eröffnung: Party lief perfekt für Putin

Meinung – Benjamin Kraus | 15.06.2018, 15:18 Uhr

Ein 5:0-Sieg zum Auftakt, jubelnde Landsleute, Ehrengäste vor allem aus den ehemaligen Sowjetrepubliken: Für Wladimir Putin hätte die Eröffnung der Fußball-WM 2018 in Russland nicht viel schlechter laufen könne - auch wenn westliche Politiker dem Spektakel fernblieben. Ein Kommentar

Die Fußball-WM 2018 fällt in eine unruhige politische Zeit: Das Gastgeberland steht in der Kritik nach der illegalen Okkupation der Krim, der gewaltsamen Besetzung der Ostukraine, der Missachtung von Arbeiter- und Menschenrechten. Das ist zu verurteilen. Wer in dieser Debatte aber anmerkt, dass auch die NATO seit den 1990ern mit ihrer stetigen Osterweiterung bis an die Grenzen des Riesenreiches vorhergehende internationale Absprachen gebrochen hat, wird schnell als Putin-Versteher gebrandmarkt.

Der Westen ist nicht unschuldig an der Weltlage – durch übersteigerte Symbolpolitik darf er nicht alle Gesprächsfäden kappen, die wichtig sind für künftige Verhandlungen. Dennoch setzten viele EU-Politiker das richtige Zeichen mit dem Fernbleiben bei der WM-Eröffnung. Es wirkt in ihre eigenen Länder. Es verhindert, dass der russische Präsident nicht nur mit der Ausrichtung des durch korruptionsbehaftete Umstände in Russland gelandeten Sportfestes, sondern auch noch durch ihre Anwesenheit Anerkennung erfährt.

Dass Putins Gästeliste kleiner ausfiel, wird ihm völlig egal gewesen sein – lief doch die Party für ihn perfekt. Die internationale Gesellschaft sah aus wie in früheren Tagen der UdSSR – und seine Bürger feiern einen nicht für möglich gehaltenen Kantersieg.