Hype um ein Geschicklichkeitsspiel Warum boomt die Dart-WM im Londoner „Ally Pally“?

03.01.2017, 15:39 Uhr

Ein Geschicklichkeitsspiel, das Millionen Zuschauer nicht nur vor die TV-Bildschirme, sondern auch Zehntausende in die Arena lockt: Darts. Aus dem Spiel, das vornehmlich in einer Kneipe gespielt wird, hat sich ein Präzisionssport entwickelt. Aber warum boomt die Dart-WM so?

Stämmige Männer im mittleren Alter mit teilweise dicken Bäuchen – viele von ihnen sind an den Unterarmen tätowiert – nehmen an der Dart-WM teil. Das ist der erste Eindruck, der entsteht, wenn die Spiele des Turniers im deutschen Free-TV übertragen werden. Die Weltmeisterschaft der Professional Darts Corporation (PDC) startet in jedem Jahr etwa in der zweiten Hälfte des Dezembers und endet mit dem Finale Anfang Januar. Seit 2007 wird die Weltmeisterschaft im Alexandra Palace im Norden von London ausgetragen.

In der Fan-Szene ist der Veranstaltungsort unter dem Spitznamen „Ally Pally“ bekannt. In die Halle passen etwas mehr als 3000 Zuschauer hinein. Weil die Nachfrage nach Eintrittskarten in den vergangenen Jahren immer größer geworden ist, hat die PDC den Saalplan überarbeitet. Die Tickets zum Beispiel für das Finale kosteten zwischen etwa 200 Euro und mehr als 1000 Euro – je nach Sitzkategorie.

Alle singen „döp döp“

Viele Zuschauer sind aber vor allem zum Feiern da. Und viele Deutsche sind mitten drin. Die Stimmung in der West Hall des Alexandra Palace ist schon in der Vorrunde der Dart-WM wie beim Karneval. Das Bier kommt in Krügen. Die Zuschauer sind als Weihnachtsmänner, Superhelden oder Donald Trump verkleidet. Auch der Lärmpegel im Gebäude, erinnert an ein Volksfest. Während auf der Bühne die Spannung steigt, singt das angeheiterte Publikum „Stand up if you love the darts“ („Steht auf, wenn ihr Darts liebt“). Nach jeder Runde ertönt aus den Lautsprechern „Chase The Sun“ von Planet Funk, längst ein Kultsong der Dart-Fangemeinde, und alle singen „döp döp“.

Mit Dart-Virus infiziert

Es hat sich eine Kultur rund um das Turnier entwickelt. Zumindest in der Vorrunde tritt das Sportliche für viele in den Hintergrund. „Es wird friedlich gefeiert, gesungen und die Spieler sind nahbar und bodenständig. Anders als in anderen Sportarten. Es ist einfach eine einzige große Party“, sagte Marius, der aus dem nördlichen Osnabrücker Land zur Dart-WM gefahren ist. Er selbst sei mit dem Dart-Virus seit dem legendären Finale von 2007 infiziert. „Im letzten Jahr haben meine Freunde und ich nahezu alle Spiele zusammen geschaut und wollten unbedingt hin. Beim Vorverkauf hatten wir dann einfach Glück.“

Deutsche sind zweitgrößte Zuschauergruppe

Mit 15 Prozent stellt Deutschland in London die zweitgrößte Zuschauergruppe. Von den 66.000, die während der WM vor Ort sind, kommen etwa 10.000 aus Deutschland. Aber nicht nur die Zuschauer in London, sondern auch die vor den TV-Bildschirmen zu Hause fiebern ordentlich mit. Vor allem, weil der deutsche Sender „Sport1“ seit zwölf Jahren live aus dem „Ally Pally“ überträgt. Nach Angaben des Senders verfolgten durchschnittlich 480.000 Zuschauer ab drei Jahren die umfangreichen Übertragungen.

Viele haben zwischen Weihnachten und Neujahr frei. Es ist Zeit da, sich bei Freunden zu treffen und gemütlich zusammenzusitzen. Im Wohnzimmer läuft im Hintergrund der Fernseher. Der Ton ist eingeschaltet. Aber gerade nur so laut, dass man sich noch unterhalten kann. Hin und wieder ertönt ein lautes sowie markantes „Onehundredandeigthy!“ (180) aus dem Lautsprecher. Ein Dart-Spieler hat mit seinen Pfeilen wieder dreimal die Triple-20 auf der runden Scheibe getroffen. Das ist die höchste Summe, die ein Spieler mit drei Würfen erreichen kann. Wenn ein Werfer das schafft, flippen die Fans auf den Zuschauerrängen im „Ally Pally“ total aus. Sie halten Schilder mit „180“ in die Luft und feiern den erfolgreichen Werfer ab.

Preisgelder so hoch wie nie

Am meisten bei der WM 2017 war das bei Michael van Gerwen der Fall. Der 27-jährige Niederländer hat sich im Finale, das im Schnitt 1,48 Millionen Zuschauer im Fernsehen gesehen haben, gegen den Schotten Gary Anderson durchgesetzt und ist der neue Dart-Weltmeister. Die Preisgelder, die die PDC ausgeschüttet hat, waren noch nie so hoch wie bei dieser WM. Insgesamt waren es knapp zwei Millionen Euro, die die Spieler bekommen haben. Allein der Sieger van Gerwen bekam für den Turniersieg umgerechnet 440.000 Euro.

Und wer nach der WM noch nicht genug von Darts hat, kann sich am 7. Januar auf ProSieben eine Show mit Promis und Profis ansehen. Van Gerwen und Anderson treten gegen die Star-Köche Tim Mälzer und Steffen Henssler, Fußballer Lothar Matthäus, Volksmusikerin Stefanie Hertel und Wrestler Tim Wiese an.