Homophobe Fangesänge und Nazi-Banner Rassismus-Urteile sorgen für Unruhe bei WM

Von dpa | 03.07.2014, 22:43 Uhr

Homophobe Fangesänge und Nazi-Banner blieben bei der WM ohne Folgen. Das macht die Kämpfer gegen Rassismus im Fußball-Weltverband unzufrieden. Ihr Chef Jeffrey Webb fordert mehr Aktionen - gerade mit Blick auf die nächste WM 2018 in Russland.

Mehrere ungeahndete Rassismus-Vorfälle bei der WM in Brasilien haben einen internen Konflikt im Fußball-Weltverband offenbart. Der Chef der Anti-Diskriminierungs-Arbeitsgruppe, Jeffrey Webb, kritisierte am Donnerstag in Rio de Janeiro Entscheidungen der FIFA-Disziplinarkommission. «Viele Menschen zählen auf uns, und alles was ich will, ist Gleichheit. Menschen sind für den Wunsch nach Gleichheit gestorben. Aber es ist offensichtlich, dass es einen Unterschied gibt, zwischen dem, was wir in der Task Force als Rassismus betrachten und dem, was das Disziplinarkomitee als Rassismus und Diskriminierung ansieht», sagte Webb.

Die FIFA-Kommission hatte mexikanische Fans vom Vorwurf homophober Gesänge freigesprochen. Ermittlungen gegen die Verbände Russlands und Kroatiens wurden nicht aufgenommen, obwohl Fans Transparente mit Nazi-Symbolen in den Stadien aufgehängt hatten. Diese Vorfälle hatte die Fan-Organisation FARE, mit der die UEFA kooperiert, angemahnt. Künftig wolle man auch mit FARE zusammenarbeiten, allerdings sei es noch ein Problem, dass die Organisation nur Verfehlungen in Europa dokumentiere.

Der Vorsitzende der Disziplinarkommission, Claudio Sulser, verteidigte die Entscheidungen seines Gremiums. Aus juristischer Sicht sei es nicht möglich gewesen, die Vergehen bestimmten Personen zuordnen zu können. Durch die Gesänge der Mexikaner sei kein einzelner Spieler konkret beleidigt worden. Ob die kroatischen und russischen Banner tatsächlich von Fans aus diesen Ländern aufgehängt wurden, sei ebenfalls nicht zu beweisen gewesen.

FIFA-Chef Joseph Blatter hat mehrfach betont, dass die FIFA eine Null-Toleranz-Politik bei rassistischen Vergehen betreibe. Webb bestätigte nun, dass es aus Zeitmangel nicht gelungen sei, für die WM in allen Stadien sogenannte Anti-Diskriminierungs-Beobachter einzusetzen, die Vergehen an den Weltverband melden sollen. Bei den Viertelfinal-Spielen am Freitag und Samstag wird es zum vierten Mal bei einer WM sogenannte Anti-Diskriminierungstage geben.

Für die kommende WM in Russland mahnte Webb eine deutliche Verstärkung der FIFA-Bemühungen an. «Es ist ein viel größeres Problem in Russland. Russland braucht selbst eine spezielle Task Force, nur für Russland, aus Erziehungsgründen», sagte Webb. Präsident Blatter habe schon «auf seiner Hierarchieebene» Gespräche dazu in Russland geführt.