Gute Lösung? Kommentar: Der "Schleifer" ist zurück auf Schalke

27.09.2011, 11:12 Uhr

Sie wollten sich Zeit lassen, nichts überstürzen, in Ruhe nachdenken, und dann ging doch alles ganz fix: Huub Stevens kehrt zu Schalke 04 zurück, zu dem Verein, mit dem er 1997 den UEFA-Pokal holte. Drei Jahre später wählten die Fans den Disziplinfanatiker zum Trainer der Jahrhundertelf. Auf Schalke wissen sie, wen sie sich da holen, sie glauben es zumindest, und sie glauben, die Lösung sei gut.

Dahinter steckt die tiefe Sehnsucht nach einer langen Ära der Ruhe, der Stabilität und des Erfolgs. Fünf Jahre und neun Monate war der Niederländer einst beim Revierklub tätig, ehe er freiwillig ging. So lange hatte sich kein Coach vor und keiner nach ihm bei den Königsblauen gehalten.

So hätten sie es gerne wieder auf Schalke, wo die Spuren der Magathschen Alleinherrschaft noch immer überall zu sehen sind. Und auch das ist klar: So wollen sie auf Schalke auf jeden Fall nicht wieder.

Schon Ralf Rangnick sollte der ersehnten neue Ära vorstehen. Er hat mit dem Umbau begonnen, dann gab er auf – erschöpft und ausgebrannt. An der Bürde der Aufgabe alleine lag das freilich nicht.

Dass der Verein nun einen neuen Baumeister geholt hat, bedeutet auch: Eine Rückkehr Rangnicks auf Schalke wird es nicht geben. Stevens ist weder eine Übergangslösung noch wird er die Arbeit seines Vorgängers fortsetzen. Es wird wieder mal umgebaut auf Schalke.

Rangnick, der auf einer Tafel im Sportstudio einst die Viererkette erklärte, gilt als gewiefter Taktiker, als „Fußball-Professor“. Stevens, der „Schleifer“ dagegen verknappte seine Vorstellung von Fußball einst in dem Satz: „Die Null muss stehen“. Zugegeben: Es war mal effektiv und erfolgreich – vor 15 Jahren. Nur ist es das noch?

Nicht alle scheinen überzeugt. In Jubelstürme brachen die Zaungäste beim morgendlichen Training jedenfalls nicht aus. Ein paar applaudierten, eher anstandshalber.