Gewalt in Dortmund – ein Kommentar BVB-Chaoten schaden auch den echten Borussia-Fans

Von Harald Pistorius | 06.02.2017, 15:20 Uhr

Keiner spricht vom Topspiel, diskutiert wird fast ausschließlich die Eskalation der Proteste gegen das Fußball-Projekt RB Leipzig. Was folgt nach hasserfüllten Transparenten und gewalttätigen Angriffen Dortmunder Fußball-Chaoten?

Gewalt fängt im Kopf an, Worte lösen Taten aus. Deshalb genügt es nicht, nur die gewalttätigen Angriffe Dortmunder Fußball-Chaoten auf friedliche Leipziger Fans zu verurteilen und zu bestrafen.

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Viele der Spruchbänder auf der oft so gelobten Südtribüne erfüllten den Tatbestand der Beleidigung und der Hetze. Wer „Bullen schlachten“ auf ein Transparent schreibt und Hass predigt, liefert dem Mob die Rechtfertigung für kriminelle Aggression.

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Diese dumme, sinnlose Eskalation ist aus zwei Gründen bedauerlich: Damit beschädigt eine Minderheit das Image der Dortmunder Fans, deren originelle, pointierte Kritik an dem Fußballprojekt von Red Bull nun kein Gehör mehr findet. Auch die, die mit Idealismus und Überzeugung gegen die Auswüchse der Fußball-Kommerzialisierung auftreten, werden seit Samstag mit Gewalttätern in eine Ecke gestellt.

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Zum Zweiten machen es Schlägereien und Pöbeleien schwer, derzeit vielleicht sogar unmöglich, sachliche Kritik an RB Leipzig vorzutragen. Dabei ist die Debatte um die Genese dieses Projekts aus der Marketing-Retorte wichtig und Kritik daran berechtigt.

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Dass sich der Mainstream in der Branche dazu längst gedreht hat, ist offenkundig. Leipzig-Kritiker werden als unverbesserliche Romantiker belächelt, die sich dem angeblich unweigerlichen Fortschritt entgegenstellen. Immer öfter dient das Modell Leipzig als Argument, die 50:1-Regel zu kippen.

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Es greift viel zu kurz, RB Leipzig als bösen kapitalistischen Auswuchs zu attackieren. Man muss sich nur die aktuellen Fußball-Themen abseits des Rasens ansehen: Es geht um TV-Gelder, Sponsoren, neue Märkte und um Geld, Geld, Geld. Bei allen, die an diesem Rad mitdrehen.

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Die Kommerzialisierung und die Globalisierung der Bundesliga wird weitergehen. Daran haben auch Traditionsvereine ihren Anteil, beispielsweise Borussia Dortmund. Der BVB verstand es über Jahre meisterlich, eine Fassade aufzubauen und zu beleben, die perfekt die Bedürfnisse der Fans nach Nähe, Emotion und Gemeinschaft befriedigte. Hinter dieser Kulisse brachte der Verein, der als erster an die Börse ging, die Geldmaschine auf immer höhere Touren.

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Es ist ohnehin nicht leicht, heutzutage Fußballfan zu sein. Umso schlimmer, dass nun als Fans verkleidete Fußball-Chaoten mit Worten und Taten dafür gesorgt haben, dass es noch schwerer wird.