Fußballer lobt deutsche Disziplin Weltmeister Boateng: 82 Prozent wollen ihn als Nachbarn

03.06.2016, 12:05 Uhr

Die allermeisten Deutschen hätten Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng gerne zum Nachbarn. Das geht aus einer Emnid-Umfrage hervor. Der Fußballer lobt indes typisch deutsche Werte: Pünktlichkeit, Fleiß und Disziplin.

Am vergangenen Wochenende war Boateng aufgrund eines Zitates von AfD-Vize Alexander Gauland in die Schlagzeilen geraten. Gauland soll gegenüber Journalisten gesagt haben, die Leute fänden den farbigen Innenverteidiger „als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben“. Die von der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ veröffentlichten Äußerungen lösten einen Sturm der Entrüstung aus ( Weiterlesen: Warum ich Blockwart Gauland nicht als Nachbarn möchte ). Boateng, der viel Solidarität beim EM-Testspiel der Nationalelf in Augsburg erfuhr, reagierte im Rahmen des Spiels selbst sehr souverän auf die Gauland-Äußerung .

Nun hat eine am Freitag vom Magazin „Focus“ vorab veröffentlichten Emnid-Umfrage ergeben, dass 82 Prozent der Befragten angegeben haben, dass sie Boateng gerne zum Nachbarn hätten. Nur elf Prozent verneinten demnach die Frage. Unter den Wählern der Linkspartei wünschten sich laut der Emnid-Umfrage 98 Prozent Boateng als Nachbarn. Bei SPD und FDP waren es jeweils 94 Prozent, unter den Grünen-Wählern 92 Prozent. Auch bei den AfD-Wählern lag die Zustimmung bei 87 Prozent. Von den Anhängern der Unionsparteien hätten 79 Prozent Boateng gerne zum Nachbarn. Für die Umfrage befragte Emnid am Montag und Dienstag 1006 Bürger ( Weiterlesen: Umfrage in Osnabrück: Wer wäre Ihnen als Nachbar lieber? ).

Boateng, geboren als Sohn eines Ghanaers und einer deutschen Mutter in Berlin, meldete sich nun erneut selbst zu Wort – ausgerechnet im Rahmen der Serie „Was ist Deutsch?“ in der Bild-Zeitung. Bereits die Überschrift („Fleiß und Disziplin sind einfach unsere Kultur“) weist sehr auf Stereotype hin, die gemeinhin dem typischen Deutschen zugeschrieben werden, später im Text ist viel von Pünktlichkeit, von harter Arbeit und von guter Organisation die Rede. Hat Boateng etwa selbst einen eingeengten Blick auf die Deutschen? Oder startet er hier gar einer Anbiederungsversuch an die Fans und die „typisch deutsche“ Öffentlichkeit? Nein – das angesichts des Textes zu behaupten, wäre unfair. Denn er sagt auch: „Für mich macht Deutschland die Mischung aus. Immer geradeaus, aber eben dabei auch offen. Weltoffen“, schreibt Boateng und ergänzt später: „Meine Heimatstadt Berlin ist da in vielerlei Hinsicht ebenfalls ein tolles Beispiel.“ Nämlich, weil sie multikulturell sei und viele verschiedene spannende Leute anziehe.

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