EM 2016: Das Bollwerk Italienische Abwehr um Bonucci könnte ein großer Trumpf

Von Andreas Öhlschläger | 16.06.2016, 18:18 Uhr

Fragt man Emanuele Giaccherini, was er von den Jungs in seinem Rücken hält, dann braucht der Offensivmann der italienischen Nationalmannschaft nicht besonders viele Worte, um alles zu sagen, was nötig ist. „Ich finde, wir haben die beste Abwehrreihe im Turnier.“ Basta.

Ein Widerspruch ist tatsächlich schwer zu formulieren, hat die zentrale Defensiv-Dreierkette, die komplett vom italienischen Meister Juventus Turin kommt, doch im mit 2:0 gewonnenen EM-Auftaktspiel gegen den Weltranglistenzweiten Belgien ziemlich souverän die Null gehalten. Leonardo Bonucci ist der Chef. Rechts und links von ihm spielen der frühere Wolfsburger Andrea Barzagli und Giorgio Chiellini. Dahinter steht ein weiteres Juve-Ass, Torwartoldie Gianluigi Buffon.

Da weiß jeder genau, was der andere macht. Kein Wunder also, dass Nationaltrainer Antonio Conte liebend gerne auf dieses Quartett setzt.

Bonucci formulierte gleich im Grand Stade von Lyon Sätze, die darauf schließen lassen, dass die in der Heimat zuvor viel gescholtene Squadra Azzurra einiges vorhat bei dieser EM. „Das war ein großartiges Eröffnungsspiel, das uns mit Enthusiasmus erfüllt“, sagte der Abwehrchef. „Es muss uns inspirieren und uns Glauben, Selbstvertrauen und eine positive Einstellung geben.“ Leonardo Bonucci fügte noch hinzu: „Das sollte der erste Sieg eines großartigen Turniers für uns sein.“

Eine Warnung nicht allein in Richtung der Schweden, die an diesem Freitag in Toulouse der zweite Gruppengegner sind. Auf deren Angriffsstar Zlatan Ibrahimovic wird dann eine große Herausforderung zukommen: Bonucci und seine Nebenmänner.

Wobei der Abwehrchef der Azzurri das vollständige Elf-Mann-Kollektiv im Blick hatte, als er nach dem 2:0 gegen Belgien zu seiner Lobesrede ansetzte. „Wir haben einige typische italienische Qualitäten gezeigt: Opferbereitschaft, Bescheidenheit, Fitness und den Wunsch, unseren Mannschaftskollegen zu helfen. Wir haben diesen glücklichen Moment verdient.“

Eine Demütigung für diese stolze Fußballnation

Nun soll es weitergehen auf dem Erfolgsweg. Bei der WM vor zwei Jahren hatten die Azzurri auch die erste Partie gewonnen, doch dann kamen sie ins Straucheln und schieden schon nach der Gruppenphase aus. Eine Demütigung für diese stolze Fußballnation!

Diesmal soll es anders kommen. Zwar verfügt das italienische Team nicht über die ganz großen Einzelkönner, die es früher im dortigen Fußball gegeben hat. Aber die Einstellung scheint absolut zu stimmen. Mit der richtigen Mentalität und den traditionellen Fähigkeiten in der Defensive könnte diese Mannschaft es tatsächlich weit schaffen. Leonardo Bonucci umschrieb die bissige Courage von Antonio Contes Auswahl bildmächtig mit der Formulierung, man habe halt „eckige Eier“.

Der zentrale Abwehrspieler ist sich nicht zu schade, den Ball auch mal auf die Tribüne zu bolzen, wenn er damit Schaden abwenden kann. Doch gemeinhin ist das rustikale Element in der Dreierkette von Juventus und der Squadra Azzurra eher die Sache von Giorgio Chiellini. Bonucci kann mehr. Zu sehen war das bei seinem genialen Pass über fast 50 Meter, mit dem der 29-Jährige das 1:0 gegen Belgien einleitete.

Als der FC Bayern München sich im Viertelfinale der Champions League mit Juventus Turin maß, schwärmte Trainer Pep Guardiola, Bonucci sei einer seiner Lieblingsspieler, „immer schon“. Das will was heißen.