Kommerzialisierung ohne Grenzen So schamlos werden Einlaufkinder in England zu Geld gemacht

Von Tobias Bosse | 02.01.2019, 17:59 Uhr

Manche Vereine in den englischen Fußballligen verkaufen das Erlebnis "Einlaufkind" für hohe Preise – mit Erfolg.

Für viele fußballbegeisterte Kinder ist es der absolute Traum, einmal gemeinsam mit ihren Idolen den Platz des Lieblingsvereins zu betreten. In der Bundesliga ist dieses Erlebnis vorwiegend Jugendmannschaften vorbehalten, die sich als Team dafür bewerben können – völlig kostenfrei.

In der englischen Premier League sieht das teilweise ganz anders aus. Dort können sich Kinder selbst beziehungsweise über ihre Eltern individuell anmelden – dafür verlangen Klubs allerdings Beträge bis zu 770 Euro pro Kind. Während Top-Teams wie Liverpool, Manchester City, Arsenal oder Chelsea von Einlaufkindern keinen finanziellen Ausgleich verlangen, werden anderenorts horrende Summen aufgerufen. Sogar in der zweiten Liga muss teilweise gezahlt werden, damit das Kind Hand in Hand mit den Fußballstars den Rasen betreten kann.

Lesen Sie: Zu Schumis 50. Geburtstag: Familie wendet sich an Fans

Wer einlaufen will, muss zahlen – und das Spiel kostet extra

Bei Swansea City beispielsweise muss man mehr als 500 Euro berappen, um seinem Kind "einen ultimativen Traum zu erfüllen, den sie niemals vergessen werden", wie viele der Klubs das Angebot öffentlich bewerben. Verbrauchergruppen haben diese Preise bereits als "empörend" bezeichnet.

Es geht aber noch teurer: Absoluter Spitzenreiter dieses fragwürdigen Rankings ist der Londoner Klub West Ham United. Für das gesamte Spieltagspaket – Outfit, Ticket, Verpflegung, Fotos und Autogramme – verlangt der Verein 700 Pfund oder umgerechnet 770 Euro.

Bei den meisten Teams umfasst ein Spieltagspaket diverse Leistungen vom Trikot bis zum Ticket, außer beim AFC Bournemouth. Der englische Erstligist berechnet mehr als 200 Euro für das Erlebnis Einlaufkind, aber skurrilerweise ist ein Ticket für das Spiel nicht in dem Angebot enthalten.

Lesen Sie: ZDF-Kameramann trägt umstrittenes Shirt – Sender entschuldigt sich

Kompromiss: Ein Platz für wohltätige Organisationen

Kritiker bemängeln, dass durch dieses System lediglich die Kinder von wohlhabenden Eltern in den Genuss kommen, sich den Traum vom Einlaufkind erfüllen zu können. Zumindest einige Teams wie Swansea City reagierten mittlerweile auf diese Kritik, indem sie seit dieser Saison wenigstens einen Platz pro Spiel für wohltätige Organisationen frei halten.

Trotz der horrenden Preise verkaufen sich die Spieltags-Pakete für Einlaufkinder offenbar ziemlich gut. So sind beispielsweise von Cardiff City – Preis 280 Euro – die meisten Einlauf-Plätze bei Topspielen für den Rest der Saison bereits ausverkauft.