Ein bisschen Ärger beim Titelverteidiger Spanier Pedro spielt die beleidigte Leberwurst

20.06.2016, 21:13 Uhr

Mit zwei Siegen ist Spanien nahezu optimal in die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich gestartet. Dem 1:0 gegen Tschechien folgte der klare 3:0-Erfolg gegen die Türkei. Die Stimmung beim Titelverteidiger müsste also eigentlich bestens sein. Doch jetzt sorgt ein Ergänzungsspieler für etwas Aufregung. Pedro vom FC Chelsea ist mit seiner Rolle überhaupt nicht einverstanden und hat das ziemlich klar kommuniziert.

„Diese Rolle anzunehmen, fällt mir schwer. Wenn ich keine Fortschritte sehe, dann wird es mir schwerfallen, weiter Teil der Mannschaft zu sein, für die Mitspieler da zu sein. Obwohl ich mit ihnen gut auskomme“, hatte Pedro dem Fernsehsender Movistar Televisión gesagt. Die Äußerungen überraschten, zumal er von Trainer Vicente del Bosque trotz seiner sehr mäßigen Saison in der englischen Premier League für die Fußball-Europameisterschaft berufen wurde.

Pedro war im ersten Gruppenspiel gegen Tschechien in der 81. Minute gegen Nolito eingewechselt worden und beim 3:0 gegen die Türkei nicht zum Einsatz gekommen. Während Kapitän und Rekordnationalspieler Iker Casillas stillschweigend seine Degradierung zum Torhüter Nummer 2 hingenommen hat, probt Pedro nun offensichtlich den Aufstand.

Erwartungen wurden enttäuscht

„Ich hatte andere Erwartungen, als ich hergekommen bin und es ist nicht eingetroffen, was ich mir gewünscht habe“, klagte der Profi mit 59 Länderspielen (17 Toren). „Manchmal kommen die Dinge zu einem Punkt, wo man eine Entscheidung treffen muss“, sagte er und verwies auf seine Situation im vergangenen Jahr bei seinem Ex-Club FC Barcelona. „Man muss wissen, wann man bleibt und wann nicht. Wenn ich sehe, dass ich den Schritt machen muss, dann mache ich ihn.“ Es sei nichts, was man jetzt abwägen müsse, „aber es ist etwas, worüber ich nachdenke.“ Bei seinem Trainer dürften diese herben Äußerungen vor dem Spiel am Dienstag gegen Kroatien gar nicht gut ankommen.

Trainer del Bosque bleibt gelassen

Kurz nach dem Interview waren beide Seiten einigermaßen bemüht, die Sache nicht zu groß werden zu lassen. Einsichtig zeigte sich Pedro aber auch nicht: „Ich bereue nichts. Es war keine Attacke gegen den Trainer“, sagte der Angreifer, fügte aber immerhin hinzu: „Wenn ich mich entschuldigen soll, vor allem bei den Fans, dann mache ich das.“ Coach del Bosque bleib betont gelassen. „Ich habe mit ihm gesprochen. Er hat mir gesagt, dass er sich mit niemandem anlegen will. Sein Unterbewusstsein hat ihn hintergangen. Er hat etwas gesagt, was ihn jetzt belastet“, kommentierte der erfahrene Trainer. Pedros Chancen, gegen Kroatien auf dem Platz zu stehen, dürften dennoch nicht gerade gestiegen sein...